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Lokales Von Aleppo nach Dresden: Ehrenamtliche bringen Asylbewerbern Deutsch bei
Dresden Lokales Von Aleppo nach Dresden: Ehrenamtliche bringen Asylbewerbern Deutsch bei
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23:37 09.09.2015
Der Syrer Mazlum Baker hat seine liebe Mühe mit der deutschen Sprache. Margrit Schönhöfer hilft ihm. Sie ist ebenso geduldig wie hilfreich. Quelle: Peter Weckbrodt
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Das Fernsehen ist auch da, hält die Mühen fest, die das Vermitteln der deutschen Sprache durch ausschließlich ehrenamtliche Kräfte bereitet, die selbst bar jeglicher arabischer Sprachkenntnisse sind.

Auf das Lied folgt der Unterricht. Den besorgt - auch ehrenamtlich und voller Engagement - die ehemalige Deutschlehrerin Margit Schönhöfer. Zu den meist selbst gebastelten Unterrichtsmitteln gehören bunte Bildkärtchen und mehrere CD. Inzwischen haben sich Pärchen gebildet: Zu jedem Asylbewerber gesellt sich ein Betreuer. Sie sind ernsthaft bei der Sache, arbeiten oft mit Mimik und Gestik. Der Wille zu lernen, ist unverkennbar. Gibt es Probleme, hilft Faida Al-Rofaie, die Dolmetscherin der Pfarrgemeinde.

Zu den zehn Asylbewerbern gehört Mazlum Baker. Der 25-jährige gelernte Friseur und Schneider kommt aus Syrien, aus Aleppo. Seit einigen Tagen kennt er die Bilder vom zerbombten Dresden anno 1945. "So sieht es jetzt in meiner Heimatstadt aus", erzählt er. Er habe seine Familie in Aleppo zurückgelassen, sei über die Türkei mit Hilfe eines Schleppers nach Bulgarien gelangt. 5000 Euro hätten sie zu zweit bezahlt.

In Bulgarien habe er unmöglich bleiben können, berichtet Mazlum Baker weiter. "Ich hatte keine Arbeit, kein Geld, keine Wohnung, nichts zu essen, eben absolut nichts", sagt Baker. Im März 2014 sei er schließlich per Anhalter nach Dresden gelangt. Jetzt wohnt Mazlum Baker in der Florian-Geyer-Straße in einer Zwei-Raum-Wohnung. Er habe einen Raum für sich allein. Zum Leben bekomme er 330 Euro monatlich, für Miete und Strom müsse er nichts zahlen. Er könne sich hier richtig wohlfühlen, sagt er, wenn nicht das große Aber wäre. Sein Asylbewerberantrag sei bereits zweimal abgelehnt worden, ihm drohe die Abschiebung - nach Bulgarien. Mazlum Baker ist verzweifelt. Er möchte in Deutschland arbeiten, sich eine Zukunft gestalten. "Werde ich nach Bulgarien abgeschoben, gehe ich zurück nach Syrien. In Bulgarien sterbe ich, das weiß ich", sagt er.

Zweimal wöchentlich bekommen Asylbewerber wie Baker im Pfarramt erste Deutschkenntnisse vermittelt. Wessen Asylantrag angenommen wurde, der darf an der Volkshochschule an einem Deutschkurs teilnehmen. Es seien aber auch schon Schüler ausgeschieden, weil sie abgeschoben wurden, berichtet Margit Schönhöfer. Das treffe dann auch Lehrer wie Betreuer hart, die sich engagieren, um den Flüchtlingen den Start in Deutschland zu erleichtern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2015

Peter Weckbrodt

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