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Lokales Von 100 auf Null - Die „Graue Eminenz“ der Frauenkirche wird 75
Dresden Lokales Von 100 auf Null - Die „Graue Eminenz“ der Frauenkirche wird 75
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16:14 21.07.2018
Eberhard Burger vor seinem Bau in Dresden – der Frauenkirche. Quelle: dpa
Dresden

Er hat mit der Frauenkirche abgeschlossen. „Ich mache aber keinen Bogen um sie“, sagt der Mann, in dessen Regie das im Zweiten Weltkrieg zerstörte spätbarocke Gotteshaus 1994 bis 2005 originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Zehn Jahre nach dem Ausscheiden als Baudirektor ist Eberhard Burger nur sporadisch dort. „Ich bin noch Ehrenkurator mit einer Sitzung pro Jahr und gehe ins Konzert“, sagt der Bauingenieur, der am kommenden Donnerstag (26. Juli) seinen 75. Geburtstag feiert. Auch das Domherrenamt in Wurzen hat er kürzlich abgegeben - nach 32 Jahren. „Ich bin Privatier.“

Gänzlich trennen kann sich der 1,90 Meter-Mann, der wegen seinem grauen Lockenschopf und barocken Gesichtszügen dem Erbauer des Originals, George Bähr, ähnelt, nicht. Er schaut besorgt auf sein Lebenswerk, bei dem das Finanzielle immer mehr im Fokus steht. „Das darf nicht zu Kosten der Inhalte gehen“, mahnt Burger, der als „graue Eminenz“ des Versöhnungsprojekts galt. Gerade die Frauenkirche erreiche viele glaubensferne Menschen. „Sie kommen dort zur Ruhe, gehen friedlicher und zufriedener raus als sie reingekommen sind.“

Aber Burgers Rat ist nicht mehr gefragt, die Generation Aufbau bei der Stiftung im Ruhestand. Es sei die richtige Zeit gewesen, die Verantwortung abzugeben, auch wenn den Jungen der Bezug zum Bauwerk fehle, sagt er. Die bauliche Verantwortung in Wurzen hat Burger selbst in jüngere Hände gelegt, auch aus gesundheitlichen Gründen. Der vierfache Großvater laboriert an den Folgen einer Hüftoperation, Rehasport und Physiotherapie bestimmen seinen Alltag. „Ich habe eine Metallallergie, das kommt sehr selten vor.“

Sein berufliches Meisterwerk besucht Burger noch zuweilen, aber ganz privat. „Ich gehe ins Konzert“, berichtet er. Auf der Straße wird er oft erkannt und mit Namen angesprochen. Von seinen Erfahrungen profitiert weiter das Palais im Großen Garten in Dresden, für dessen Sanierung er sich seit Jahren ehrenamtlich engagiert. Burger fühlt sich als Dresdner, auch wenn er 1943 in Berlin geboren wurde. „Die Familie war in Duisburg ausgebombt, meine Mutter war nur für meine Geburt in ihr Elternhaus zurückgekehrt“, erzählt er.

Der Großvater war Lehrer in Dresden, sein Vater ein gebürtiger Dresdner. Ab 1951 studierte er Bauingenieurwesen in der Barockstadt. Seine erste Stelle als Bauleiter des Renommierobjekts Kernkraftwerk Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) ersparte ihm den Dienst in der DDR-Armee NVA. 1971 kam er zurück nach Dresden, wo er im Bau- und Montagekombinat Werkhallen und Verwaltungsgebäude für Firmen wie Mikromat oder Robotron baute. 1968 wird Burger Wurzener Domherr, „der Jüngste in Deutschland“, erinnert er sich nicht ohne Stolz.

1980 übertrug die evangelische Kirche dem überzeugten Christen die Verantwortung für alle mit Valuta-Mark realisierten Kirchbauten wie Gemeindezentren, Pfarrhäuser, Kindergärten, Rüstzeitheime - und den Wiederaufbau der Dreikönigskirche in der Neustadt. Für Burger war der Wechsel ins Baureferat der Landeskirche die richtige Entscheidung, „auch wenn ich nur noch die Hälfte verdient habe“. Die Tätigkeit hat ihn sehr verändert. „Man wird toleranter, menschlicher, hört mehr auf andere, wird nicht aggressiv.“

1991 dann erteilte Burger erste Aufträge zur Planung und Vorbereitung des damals umstrittenen Wiederaufbaus der „Steinernen Glocke“. 1994 wurde er deren Baudirektor, 1995 Geschäftsführer der Stiftung. Zehn Jahre danach erlebte er die Weihe seines Meisterstücks - die Krönung seiner Karriere. Die „Dickmadame“, wie die Frauenkirche wegen ihrer Sandsteinkuppel liebevoll genannt wird, war für ihn das berufliche Projekt mit der emotionalsten Bindung.

„Eine große Erfahrung war das Miteinander“, erzählt Burger. „Jeder hat sich in den Dienst der Aufgabe gestellt, auch über das eigene Fachgebiet mitgedacht und gearbeitet.“ Das sei die Basis für das Gelingen des kühnen Projekts gewesen. „Die Aufgabe hat mich erfüllt, mit Dankbarkeit, Stolz und Freude“, sagt Burger, der nun täglich von seiner Wohnung auf die Elbe, den villenbestückten Elbhang und das berühmte Blaue Wunder schaut. In die Welt zieht es ihn nicht, zum Bedauern seiner Frau. „Ich sage immer, am schönsten ist’s dorheeme.“

Der vierfache Groß- und frischgebackene Urgroßvater, der sich früher kaum eine Pause gönnte, entspannt bei der Arbeit auf dem Grundstück im Elbsandsteingebirge, „mitten im Wald“. Seit den 1980er Jahren trifft er sich monatlich mit Alumni im privaten Gesangverein Concilio Crescendo und schmettert als Bass Studentenlieder. „Wir halten das Liedgut hoch.“ Pflicht ist auch der wöchentliche Stammtisch, wo auch über Politik diskutiert wird. „Da geht es manchmal heiß her.“

Von Simona Block

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