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Vom Trick mit dem Blühen und einem Würgegriff mit zerstörerischer Kraft

Blauregentest in Pillnitz Vom Trick mit dem Blühen und einem Würgegriff mit zerstörerischer Kraft

Derzeit ist der Blauregen vielerorts duftender, bienenumschwirrter Blickfang. In Pillnitz testet Harald Buner vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Blauregenarten und -sorten auf ihren Gartenwert. Er kennt den Trick, wie man die Kletterpflanzen schneller zur Blüte bringt, und rät zugleich, Blauregen unbedingt unter strenger Beobachtung zu halten.

Blauregentest in Pillnitz.

Quelle: Catrin Steinbach

Dresden. Ob am Wasserpalais in Pillnitz oder in vielen Privatgrundstücken – derzeit ist der Blauregen mit seinen traubigen, durchaus 30 bis 40 Zentimeter langen Blütenständen duftender, bienenumschwirrter Blickfang. Allerdings sind die Blüten nicht immer blau. Es gibt auch weiß-, rosa- bzw. zartfliederfarbene Sorten der Kletterpflanze.

In Pillnitz, einem der Standorte des Arbeitskreises Gehölzsichtung, welcher vom Bundessortenamt koordiniert wird, testet derzeit Harald Buner Blauregenarten und -sorten auf ihren Gartenwert. Der Referent im Garten- und Landschaftsbau des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat vor sieben Jahren 20 verschiedene Wisteria – so ist der botanische Name der Pflanze – auf dem Versuchsfeld an der Lohmener Straße gepflanzt. Darunter sind Sorten der Arten floribunda und brachybotrys aus Japan, sinensis aus China und frutescens aus Amerika.

Pillnitz in Sachen Winterhärte der ultimative Test

An elf Standorten in ganz Deutschland wurden jeweils die gleichen Arten bzw. Sorten Blauregen gesetzt. So sollen das Wuchsverhalten, die Winterhärte und die Blühfreudigkeit unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen beobachtet werden. Denn ein Blauregen, der in Schleswig-Holstein oder in Baden-Württemberg super gedeiht, kann im Elbtal der absolute Versager sein.

Dresden-Pillnitz ist für die Pflanzen in Sachen Winterhärte ohnehin der ultimative Test. Denn das Dresdner Klima zeichnet sich durch eine kontinentale Prägung aus. Hier muss mit großen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf und Spätfrösten gerechnet werden. „2011/12 war ein richtig harter Winter. Das haben hier bei mir in Pillnitz einige Blauregen nicht überstanden“, so Buner.

In den ersten Jahren Pflanze vor Frost schützen

Er weist auch darauf hin, dass man Jungpflanzen im Garten grundsätzlich in den ersten zwei, drei Jahren im unteren Bereich mit Vlies einpacken und den Fuß – vor allem die Veredlungsstelle – mit Laub bzw. Holzhäckseln vor Frost schützen sollte. „Erst wenn der Blauregen mehrjähriges Holz besitzt, wird er widerstandsfähiger.“ Grundsätzlich empfiehlt es sich, nur bei sehr kräftigen Pflanzen zuzugreifen, „und da lieber etwas mehr Geld ausgeben“, rät der Fachmann. Sonst kauft man unter Umständen zweimal. Zudem braucht Blauregen im Garten einen sonnigen Standort in geschützter Lage und einen durchlässigen Boden.

Harald Buner testet derzeit auf den Versuchsfeldern in Dresden-Pillnitz verschiedene Arten und Sorten Blauregen

Harald Buner testet derzeit auf den Versuchsfeldern in Dresden-Pillnitz verschiedene Arten und Sorten Blauregen.

Quelle: Catrin Steinbach

Ziel des bundesweiten unabhängigen Blauregentestes ist, präzise Aussagen zu Sorteneigenschaften und günstigen Wachstumsbedingungen der Pflanzen treffen und gleiche Sorten mit unterschiedlichen Namen identifizieren zu können. Von diesem Wissen profitieren nicht nur Gärtner und Gala-Bauer, sondern auch Hobbygärtner. Denn das Ergebnis kann am Ende jeder im Internet nachlesen.

Triebe in die Waagerechte bringen

Eine gute Möglichkeit, sich vor einer Kaufentscheidung zu informieren. Denn eine solche Kletterpflanze kann im Garten mehrere Jahrzehnte überdauern. Allerdings dauert es unter Umständen fünf bis sechs Jahre, bis Blauregen das erste Mal zur Blüte kommt. „Wenn man eine blühfaule Sorte erwischt, blüht die unter Umständen auch in 10 Jahren noch nicht“, so die Erfahrung von Harald Buner.

„Man kann Blauregen allerdings mit einem Trick schneller zur Blüte bringen“, verrät der Pillnitzer Gartenexperte. „Solange die Schlingpflanzen nach oben klettern können – und sie schaffen durchaus 30 Meter – verwenden sie ihre Kraft dafür. Man muss dafür sorgen, dass Triebe in die Waagerechte kommen oder überhängen und genug Licht bekommen. Dann setzen sie auch Blüten an.“

Blauregen entwickelt zerstörerische Kraft

Ohnehin sollte man Blauregen regelmäßig schneiden und die Pflanze – vor allem wenn sie am Haus wächst – unter strengster Beobachtung halten. Denn Blauregen umschlingt alles, was sich ihm bietet. Im Würgegriff der immer stärker werdenden Triebe werden Dachrinnen und Fallrohre mühelos zerdrückt, große Dübel, die Stahlseile halten, aus der Verankerung gerissen, und Geländer verbogen. „Manchmal quetscht am Rankgerüst auch ein Trieb den anderen ab“, weiß Harald Buner.

Findet der peitschenartige Trieb nichts, woran er sich festhalten kann, dreht er häufig um und wächst – quasi sich selbst umschlingend – wi

Findet der peitschenartige Trieb nichts, woran er sich festhalten kann, dreht er häufig um und wächst – quasi sich selbst umschlingend – wieder zurück.

Quelle: Catrin Steinbach

„Die Triebe können eine Länge von bis zu vier Metern erreichen. Findet der peitschenartige Trieb nichts, woran er sich festhalten kann, dreht er häufig um und wächst – quasi sich selbst umschlingend – wieder zurück. Er stützt sich selbst und baut sich quasi eine Rankhilfe, an der entlang sich dann ein neuer Trieb noch weiter ausbreiten kann“, erläutert der Fachmann.

Dauerhafte und stabile Rankhilfe wichtig

Wichtig ist, dass man Blauregen eine dauerhafte und stabile Rankhilfe gibt. Denn im Laufe der Jahre nimmt auch das Gewicht der Pflanze mehr und mehr zu. Wer will, kann die Kletterpflanze auch mit dem entsprechenden Gerüst und durch Schnitt als eine Art Baum erziehen.

Doch zurück zum Test der Sorten, der mindestens noch ein Jahr läuft. Ein Fazit kann Harald Buner nicht ziehen. Aber als seinen ganz persönlichen Favoriten hat er Wisteria sinensis ’Amethyst’ ausgemacht. „Sehr robust und winterhart, blüht üppig, zuverlässig und ausdauernd“, so seine vorläufige Einschätzung. Die Blau-violett blühenden Sorten Wisteria floribunda ’Black Dragon’ und ’Violacea Plena’ ordnet der Pillnitzer Tester als identisch und als „sehr starkwüchsige und eher blühfaule Sorte“ ein. Und während die blau-violett blühende Sorte Wisteria frutescens ’Longwood Purple’ den Test in Pillnitz nicht überlebt hat, erwies sich die weiß blühende Sorte Wisteria frutescens ’Nivea’ als etwas stärker wachsend und robust.

www.gehoelzsichtung.de

Von Catrin Steinbach

Dresden, Lohmener Straße 51.004591442824 13.88385222229
Dresden, Lohmener Straße
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