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Lokales Vollzugsbeamter muss selbst ins Gefängnis
Dresden Lokales Vollzugsbeamter muss selbst ins Gefängnis
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18:21 16.03.2017
Justitia hat gesprochen und einen 52-jährigen Dresdner Knastwärter zu einer Haftstrafe verurteilt. Quelle: dpa
Dresden

Die drei Männer, die am Donnerstag vom Dresdner Landgericht verurteilt wurden, kannten sich aus der Justizvollzugsanstalt Dresden. Allerdings standen sie normalerweise auf verschiedenen Seiten der Zellentüren. Ionut P. und Mario G. waren dort inhaftiert, Ricardo F. passte als Justizvollzugsbeamter auf sie auf. Eigentlich. Künftig wird er am eigenen Leib erfahren, wie das tatsächlich gemacht wird. Wegen Bestechlichkeit in 44 Fällen wurde er am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Der 52-Jährige hat ab 2012 zunächst Mario G. mit Alkohol und Handys versorgt – beides im Gefängnis streng verboten – und nach dessen Entlassung den Rumänen Ionut P. entsprechend umhegt. Als Gegenleistung erhielt er Geld. Ionut P. wurde wegen Bestechung zu einem Jahr und drei Monaten verurteilt, Mario G. zu drei Jahren und neun Monaten. In sein Urteil floss eine Entscheidung des Amtsgericht vom November 2016 ein. Da war er unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und dem Besitz von kinderpornografischen Schriften verurteilt worden.

Bewährung ist nicht drin, hatte der Vorsitzende Richter, Joachim Kubista, von Anfang an klargestellt. Für P. und G. sowieso nicht – dafür ist ihr Vorstrafenregister viel zu lang, aber auch nicht für Ricardo F., der sich zuvor nie etwas zuschulden kommen ließ. Dafür wiegen die Vorwürfe zu schwer. „Es war ja nicht ein einmaliger Ausrutscher, um einem Häftling einen Gefallen zu tun, sie haben dies über Jahre betrieben“, so Kubista. Die Angeklagten hatten Geständnisse abgelegt, Ricardo F. sogar Taten eingeräumt, die bis dahin gar nicht bekannt waren. Ein richtiges Motiv ergab sich aber nicht, Geldgier kann es nicht gewesen sein, dafür waren die Beträge zu gering.

Er habe den Schnaps zu Hause in Limonaden- oder Eisteeflaschen umgefüllt und mit in die JVA gebracht, gab der 52-Jährige zu. Die Mobiltelefone schmuggelte er in seiner Uniform rein. Die waren von den Mitangeklagten bestellt und an seine Privatadresse geliefert worden. Als Ricardo F. in Verdacht geriet, wurden Pakete abgefangen und kontrolliert. Handys, die sich darin befanden, wurden dann bei Gefangenen gefunden. Die Mitangeklagten hatten die Telefone nicht nur für sich bestellt, sondern auch an andere Häftlinge weitergeben – die Teile sind heiß begehrt, eine eigene Währung im Knast.

Ricardo F. steht nun vor dem Nichts, er verliert durch das Urteil seinen Job und seinen Beamtenstatus. Zudem dürfte es für ihn im Gefängnis nicht einfach sein. Er muss mit Anfeindungen von beiden Seiten rechnen - von den anderen Häftlingen, weil er früher ein Vollzugsbeamter war, aber vielleicht auch von seinen früheren Kollegen, die ihm seine Taten übelnehmen könnten.

Von Monika Löffler

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