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Vollständig implantiertes Hörgerät am Dresdner Uniklinikum eingesetzt

Unsichtbare „Erlösung“ Vollständig implantiertes Hörgerät am Dresdner Uniklinikum eingesetzt

Jürgen Schmidt hatte jahrelang Probleme beim Hören, Gesprächen am Arbeitsplatz oder zuhause am Küchentisch konnte er nur schwer folgen. Nun profitiert er vom medizinischen und technischen Fortschritt. Am Uniklinikum Dresden erhielt er Ende Februar als erster Patient in Sachsen ein vollständig implantiertes Hörgerät.

Operateur Nikoloz Lasurashvili (l.) hat Jürgen Schmidt operiert.
 

Quelle: dpa

Dresden.  Jürgen Schmidt hatte jahrelang Probleme beim Hören, Gesprächen am Arbeitsplatz oder zuhause am Küchentisch konnte er nur schwer folgen. Nun profitiert er vom medizinischen und technischen Fortschritt. Am Uniklinikum Dresden erhielt er Ende Februar als erster Patient in Sachsen ein vollständig implantiertes Hörgerät.

„Wir implantieren Hörhilfen bereits seit Jahren, allerdings blieb bisher ein Teil des Geräts, etwa das Mikrofon, außerhalb des Körpers“, erklärt Prof. Thomas Zahnert, Direktor der Klinik für Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Da Jürgen Schmidt durch eine Erkrankung in seiner Feinmotorik eingeschränkt ist und ein teilimplantiertes Hörgerät nicht bedienen könnte, war er prädestiniert für den vierstündigen Eingriff. Carina System heißt das Wundermittel, das die Firma Cochlear entwickelt hat. Konkret wird der Schall dabei von einem Mikrofon aufgenommen, über einen Sprachprozessor aufgearbeitet, verstärkt und dann an einen elektrischen Schwinger weitergegeben. Das Hörvermögen wird wieder hergestellt – und das alles unterhalb der Haut.

Für Jürgen Schmidt eine „Erlösung“, wie er sagt. „Als ich das erste Mal das Vögelgezwitscher gehört habe, war das ein richtiges Erlebnis“, erinnert sich der 76-Jährige. Verstand er vor dem Eingriff so gut wie gar nichts, ist er nun in der Lage, 70 bis 75 Prozent der Wörter zu hören. Mindestens zehn Jahre kann das Hörsystem im Patienten verbleiben – erst dann muss der Akku, den Jürgen Schmidt täglich 40 Minuten über eine magnetische Induktionsschule aufladen muss, ausgetauscht werden.

„Da sich das Mikrofon hinter dem Ohr unter der Haut befindet, braucht es eine gewisse Eingewöhnungsphase bis sich Patienten an das neue Hörvermögen gewöhnen“, sagt Dr. Nikoloz Lasurashvili, der den Eingriff vorgenommen hat. Einfache Tätigkeiten wie Haare kämmen oder Kauen könnten in der Anfangsphase noch leichte Störgeräusche verursachen. Jürgen Schmidt jedenfalls ist rundum zufrieden mit seinen neugewonnenen Hörfähigkeiten, Einschränkungen habe er keine.

Rund 15 000 Euro kostet das Carina System, sofern ein medizinischer Grund vorliegt, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Teil der Regelversorgung werden vollständig implantierte Hörgeräte in naher Zukunft wohl aber nicht, wie Prof. Zahnert einschätzt. „Natürlich ist es schön, wenn man das Gerät nicht mehr von außen sieht. Aber es ist dafür eine aufwendige Operation nötig. Für viele Patienten wird es als Ersatz zur üblichen Hörhilfe keine Rolle spielen“, so der Klinikdirektor.

Von Christin Grödel

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