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Vollausstattung der Schulen mit Computern käme Dresden teuer zu stehen

Digitale Medien Vollausstattung der Schulen mit Computern käme Dresden teuer zu stehen

Der Bund und das Land wollen die Digitalisierung an den Schulen vorantreiben. Auch der Stadtschülerrat wünscht sich vom neuen Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) eine bessere Ausstattung der Schulen für den Einsatz digitaler Medien.

Die Computertechnik soll auch immer stärker an Schulen Einzug halten.
 

Quelle: dpa

Dresden.  Der Bund und das Land wollen die Digitalisierung an den Schulen vorantreiben. Auch der Stadtschülerrat wünscht sich vom neuen Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) eine bessere Ausstattung der Schulen für den Einsatz digitaler Medien. Der Leiter des Schulverwaltungsamtes Falk Schmidtgen beschreibt die Situation an Dresdens Schulen.

Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamtes

Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamtes

Quelle: NORBERTNEUMANN

Wie ist derzeit der Ausstattungsgrad mit Computern an Dresdner Schulen?

Für die Dresdner Schulen gibt es seit 2011 eine Ausstattungsrichtlinie, welche laut Schulverwaltungsamt sicherstellt, dass alle kommunalen Schulen eine „untereinander vergleichbare gute IT-Ausstattung“ erhalten. Entsprechend dieser Richtlinie sei der Ausstattungsgrad der Schulen schulartenspezifisch unterschiedlich. Dies ist an der durchschnittlichen Schüler/PC-Relationen ablesbar. An Grundschulen teilen sich demnach 10 Schüler einen PC/Notebook, an Oberschulen, Gymnasien und Berufsschulen sind es fünf Schüler und an Förderschulen teilen sich im Schnitt drei Schüler ein Gerät. Besonders bei Beruflichen Schulen gebe es gegenüber diesen gerundeten Durchschnittswerten starke individuelle Unterschiede, die in den unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Berufsausbildung begründet sind.

Wie ist derzeit die Ausstattung der Schulen mit WLAN?

In den kommunalen Schulen wird WLAN laut Amtsleiter Schmidtgen nur gezielt für so genannte mobile Klassenzimmer (Notebookwagen) und zum Teil für die Anbindung von Gebäudeteilen ohne strukturierte Datenverkabelung eingesetzt. Eine flächendeckende WLAN-Versorgung von ganzen Schulgebäuden finde aufgrund der Störanfälligkeit solcher Lösungen aktuell nicht statt und sei auch nicht geplant. Schulische Netznutzung sei gekennzeichnet von häufigem gleichzeitigen Zugang und Datentransfer größerer Nutzergruppen, das heißt hohen Auslastungsspitzen. Dafür würden derzeit mit den Kabelnetzen bessere Ergebnisse erzielt.

Soll perspektivisch jeder Schüler beispielsweise ein Tablet nutzen können, wie es auf Landesebene schon diskutiert wurde?

Im Moment werden aus technischen Gründen keine Tablet-PCs in den Dresdner Schulen eingesetzt. Der Schwerpunkt liege wegen des besseren Handlings weiterhin bei Desktop-PC und bei Notebooks. Ob und in welcher Form die Ausstattung mit mobilen Computern gesteigert werden kann und soll werde Gegenstand der Fortschreibung des Medienentwicklungsplanes für die kommunalen Schulen sein. Die Initiative der Bundesregierung werde dazu führen, dass die Fortschreibung bald erfolgt und die – im Detail noch unbekannten – Fördermöglichkeiten durch die Bundesinitiative einbezogen werden.

Welche technischen Gründen sprechen gegen Tablet-PC?

Um den Lehrkräften und Schülern zu Unterrichtsbeginn einen immer gleichen vordefinierten PC-Arbeitsplatz zur Verfügung stellen zu können, wird in der Dresdner Lösung eine so genannte „selbstheilende Betriebssystemumgebung“ eingesetzt. Damit diese funktioniert, müssen alle Rechner (klassische PCs, Notebooks,Tablet-PCs, etc.) über eine physische Netzwerkschnittstelle (LAN) verfügen, welche das Laden des Systems über das Netzwerk (PXE-Boot) erlaubt. Schmidtgen: „Uns ist derzeit kein Tablet-PC auf dem Markt bekannt, der diese Bedingungen erfüllt.“

Wie wird die Nutzung digitaler Medien beim Schulbau berücksichtigt?

Regelungen dazu enthält die Schulbauleitlinie. Demnach werde zu den Fachunterrichtsräumen des naturwissenschaftlichen und des musisch-künstlerischen Bereichs auch künftig keine Alternative gesehen. Bei den Fachunterrichtsräumen des informationstechnischen Bereiches dagegen werde es der künftige technische Fortschritt ermöglichen, diesen Unterricht wieder in den allgemeinen Unterrichtsbereich zurück zu führen.

Wie sehen die IT-Fachräume aus?

In allen Schularten soll laut Schulbauleitlinie ein informationstechnischer Bereich mit PC-Arbeitsplätzen angeboten werden. Dieser werde gegenüber bisherigen Konzepten aber reduziert. Informationstechnischer Unterricht beziehungsweise Unterricht mit entsprechendem Gerätebedarf soll zukünftig stärker im Klassenraum erteilt werden; gegebenenfalls sind in Raumclustern vorerst aber nur ausgewählte Klassenräume entsprechend vorzubereiten. Dabei gibt die Stadt leitungsgebundenen Netzwerken den Vorzug vor Funknetzwerken. Schmidtgen: Ein flächendeckendes WLAN in Schulgebäuden ist kein Ziel.

Wann soll der neue Medienentwicklungsplan vorliegen?

Im Moment plant die Stadt, mit der Fortschreibung des bestehenden Medienentwicklungsplanes im Frühjahr 2017 anzufangen. Die Bearbeitungszeit könnte sich erfahrungsgemäß auf etwa ein Jahr belaufen.

Welche finanziellen Mittel wären schätzungsweise notwendig, um alle Schulen mit WLAN und Computern für jeden Schüler auszustatten?

Eine Abschätzung der notwendigen Finanzmittel zur Schaffung einer flächendeckenden WLAN-Versorgung in allen Dresdner Schulgebäuden sei nicht möglich. Vor allen Dingen die notwendigen baulichen Maßnahmen seien nur nach vorheriger WLAN-Ausleuchtung jedes einzelnen Schulgebäudes planbar. Um jedem Schüler einen PC/Notebook zur Verfügung stellen zu können, wären laut Schmidtgen einmalig etwa 36,5 Millionen Euro nötig. Bei einer – gemäß dem Betriebskonzept für die IT-Ausstattung der kommunalen Schulen der Stadt durchzuführenden – Ersatzausstattung aller fünf Jahre, müssten dann jährlich etwa sieben Millionen Euro im investiven Haushalt dafür zur Verfügung stehen. Die Kosten für die Wartung und Pflege der Geräte würden sich dann – basierend auf den aktuellen Supportkosten – auf hochgerechnet etwa fünf Millionen Euro jährlich steigern.

Wie sehen die gegenwärtigen Kosten aus?

Für gegenwärtigen Schüler/PC-Relationen gemäß Ausstattungsrichtlinie setzt die Stadt aktuell rund zwei Millionen Euro jährlich ein. Für Wartung und Pflege werden zusätzlich noch einmal etwa eine Million Euro jährlich ausgegeben.

Wie bewertet die Stadt grundsätzlich die Initiative des Bundes beispielsweise?

Die Stadt begrüßt jede Unterstützung der kommunalen Bildungslandschaft. Im Vordergrund steht aber immer die pädagogische Vermittlung von Wissen und Können durch die Lehrerinnen und Lehrer. Wichtig ist, dass die pädagogischen Konzepte weiterentwickelt werden und im Rahmen dieser Weiterentwicklung geklärt wird, welche Rolle die digitalen Endgeräte und das digitale Lernen im Rahmen des Gesamtkonzeptes erhalten. Das heißt, wie im privaten Bereich auch soll es in den Schulen einen bewussten Umgang mit digitalen Endgeräten geben.

Von Ingolf Pleil

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