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„Viren gehören zu unserem Alltag“

Nach Vorfall im Dresdner Serumwerk „Viren gehören zu unserem Alltag“

Nachdem jahrelang virenbelastetes Abwasser in die Dresdner Kanalisation ließen konnte, hat das Dresdner Serumwerk nun Maßnahmen angekündigt. Ein Experte der Uniklinik sieht durch die Kontamination keine Gefahr.

Nachdem jahrelang virenbelastetes Abwasser in die Dresdner Kanalisation ließen konnte, hat das Dresdner Serumwerk nun Maßnahmen angekündigt, die einen ähnlichen Vorfall in Zukunft ausschließen sollen.
 

Quelle: dpa (Archiv)

Dresden. Nachdem jahrelang virenbelastetes Abwasser in die Dresdner Kanalisation fließen konnte, hat das Dresdner Serumwerk nun Maßnahmen angekündigt, die einen ähnlichen Vorfall in Zukunft ausschließen sollen. Unter anderem mit Färbtests will Betreiber GlaxoSmithKline (GSK) sicherstellen, dass in Zukunft jedes Rohr dahin führt, wo es hinführen soll, teilte Unternehmenssprecher Markus Hardenbickler mit. Bereits seit 2008 nutzt das Unternehmen nach eigenen Angaben das sogenannte „Change Control Verfahren“, bei dem jede bauliche Veränderung vor Inbetriebnahme noch einmal überprüft wird.

Bei Bauarbeiten zwischen 2001 und 2003 war im Werk an der Dresdner Zirkusstraße ein verhängnisvoller Fehler passiert, der erst im Juli auffiel und beseitigt wurde. Die Abwässer aus zwei Räumen flossen nicht ins interne Abwassersystem, sondern ungeprüft in die Dresdner Kanalisation. In den beiden Räumen werden täglich fünf Behälter aus der Impfstoffproduktion gereinigt. Beide unterliegen der niedrigsten Stufe für Reinräume.

Täglich 200.000 Liter Abwasser im Werk

Dass der Fehler jahrelang nicht auffiel, liegt unter anderem an der Menge des täglichen Abwassers. Laut Hardenbickler fallen in den beiden betroffenen Räumen jeden Tag rund 300 Liter Abwasser an. Im gesamten Produktionsgebäude sind es jedoch rund 200.000 Liter am Tag, die als „Prozessabwasser“ chemisch inaktiviert und neutralisiert werden müssen, bevor sie ins städtische Abwassernetz fließen.

Das Dresdner Werk wird von der Dresdner Stadtentwässerung drei Mal jährlich mittels einer 24-stündigen Mischwasserprobe kontrolliert, ohne Auffälligkeiten. Allerdings wird das Dresdner Abwasser nicht auf Viren geprüft. Doch selbst wenn: Laut Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Städtentwässerung, hätte es keine Möglichkeit gegeben, dem Werksfehler durch Kontrollen im Dresdner Abwassernetz auf die Schliche zu kommen. Denn Abwasser sei grundsätzlich infektiös, beispielsweise durch die Hinterlassenschaften kranker Einwohner. Da wäre die Verunreinigung durch das Serumwerk gar nicht aufgefallen, so Röstel. „Viren gehören zu unserem Alltag“, stellt sie klar.

Interne Abläufe durchleuchtet

Die Stadtentwässerung hatte nach Bekanntwerden des Falles intern alle Abläufe durchleuchtet und keine Fehler gefunden. „Wir haben uns die Frage gestellt, gab es Auffälligkeiten, die wir hätten sehen können“, so Geschäftsführerin Röstel. So wurde unter anderem der Krankenstand im Unternehmen noch einmal unter die Lupe genommen: ohne Ergebnis. Unter den Mitarbeitern der Stadtentwässerung gab es wie auch in der Dresdner Bevölkerung keine Häufung an Grippefällen.

Für wirkliche Notfälle verfügt die Stadtentwässerung über Notfallpläne. Im Mittelpunkt stehe dabei das Szenario eines langen Stromausfalls, erklärt Gunda Röstel. Für den Fall einer gefährlichen Kontamination gibt es aber weniger Möglichkeiten, um das gefährliche Wasser von der Elbe fernzuhalten. Bei Trockenwetter können Schieber das Abwasser etwa einen halben Tag zurückhalten, um zum Beispiel Öl abzupumpen.

Experte sieht keine Gefahr

„Viren im Abwasser sind eine alltägliche Sache“, beruhigt auch TU-Professor Florian Gunzer, stellvertretender Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Uniklinik. Ob die im Dresdner Werk eingesetzten Viren im Abwasser überleben konnten, will der Mikrobiologe nicht beurteilen, denn zur Herstellung der Impfstoffe werden nach Aussage von GlaxoSmithKline keine gewöhnlichen, sondern abgeschwächte Viren verwendet.

Florian Gunzer, stellvertretender Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Uniklinik

Florian Gunzer, stellvertretender Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Uniklinik

Quelle: sl

Doch auch wenn die Viren überlebt haben, der Kontakt mit Wasser sei keine Übertragungsquelle, klärt er auf. Für eine Infektion mit Influenza-Viren benötige es eine Tröpfcheninfektion. Er erinnert an die klassische Ansteckungsmethode bei Grippe: Man wird angeniest. Das sei mit ungeklärtem Abwasser sehr unwahrscheinlich. In Magen und Darm seien Influenzaviren harmlos.

Sowohl GlaxoSmithKline als auch Behörden betonen, dass im Fall der falschen Leitungen keine Gefahr für Mensch und Umwelt entstanden ist. So habe das Werk selbst nach Bekanntwerden des Falls Abwasserproben aus der betreffenden Leitung genommen und dabei keine Viren gefunden.

Von Stephan Lohse

Dresden, Zirkusstraße 40 51.050303 13.749824
Dresden, Zirkusstraße 40
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Im Dresdner Serumwerk von GlaxoSmithKline (GSK) sind offenbar jahrelang versehentlich Grippeviren ins Abwasser geleitet worden.

Im Dresdner Serumwerk von GlaxoSmithKline (GSK) sind jahrelang versehentlich Grippeviren ins Abwasser geleitet worden. Zwischen 2001 und 2003 sei eine Abwasserleitung falsch angeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Anfang Juli sei der Fehler bemerkt und sofort behoben worden.

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