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Vier Jahre und vier Monate wegen gefährlicher Körperverletzung

Nachspiel einer Silvesternacht Vier Jahre und vier Monate wegen gefährlicher Körperverletzung

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss der Inder Jaswant S. vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis, urteilte gestern die Schwurgerichtskammer des Dresdner Landgerichts. Da hat der 40-Jährige eigentlich noch Glück gehabt, denn Angeklagt war die Sache als versuchter Totschlag. „Das war ein Grenzfall“, erklärte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand.

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Wegen gefährlicher Körperverletzung muss der Inder Jaswant S. vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Er stach einen Landsmann nieder

Quelle: Monika Löffler

Dresden. Wegen gefährlicher Körperverletzung muss der Inder Jaswant S. vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis, urteilte gestern die Schwurgerichtskammer des Dresdner Landgerichts. Da hat der 40-Jährige eigentlich noch Glück gehabt, denn Angeklagt war die Sache als versuchter Totschlag. „Das war ein Grenzfall. Wir haben sehr lange beraten. Es war wirklich nicht einfach, obwohl es anfangs so einfach aussah“, erklärte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand.

Der Angeklagte hatte in der letzten Silvesternacht mit zwei Landsleute in einem Dönerimbiss an der Weißeritzstraße gefeiert und erheblich getrunken. Nachdem es in dem Lokal zu einer Auseinandersetzung kam und eine Flasche zu Bruch ging, warf sie der Inhaber aus dem Lokal. Davor wurde zunächst weiter gezankt, dann beruhigten sich die Gemüter und jeder ging seiner Wege. Der Angeklagte lief zunächst in Richtung seiner Wohnung, kehrte aber plötzlich um und rammte seinem Landsmann Happy S. ein Messer mit voller Wucht in die Brust. Der Stich war tief, aber die etwa 20 Zentimeter lange, gebogene Klinge wurde durch eine Rippe abgelenkt und dadurch der Herzbeutel nur gering verletzt. Glück für das Opfer, das nicht operiert werden musste.

Jaswant S. räumte die Tat zwar ein: „Was geschehen ist, war nicht in Ordnung. Ich bitte um Entschuldigung“, schob aber sofort sehr seltsame Geschichten hinterher. Er hätte mit den beiden weder gefeiert, noch getrunken oder gestritten, ja nicht einmal mit ihnen gesprochen. Allerdings sagten alle Zeugen etwas anderes aus. Die beiden hätten ihn draußen beleidigt, getreten und mit Böllern beworfen, erklärte er dann. Stimmt auch nicht, geböllert wurde vorher. Ein Motiv für die Tat, konnte die Kammer nicht herausfinden, auch der Angeklagte lieferte keins. Einen Tötungsvorsatz sah das Gericht nicht und ging zudem von einem Rücktritt von der Tat aus. Der Angeklagte hatte nur einmal zugestochen, obwohl er die Möglichkeit hatte, das Opfer weiter zu attackieren und so doch zu töten.

Jaswant S. nahm das Urteil ohne Regung auf. Der 40-Jährige hat wohl seit langem mit dem Leben abgeschlossen. Es sei ihm eigentlich egal, wo er sterbe, aber doch lieber hier als in Indien“ sagte er. Der Angeklagte kam 2003 aus wirtschaftlichen Gründen über Italien nach Deutschland, stellte einen Asylantrag, der abgelehnt wurde. Da er keine Papiere hatte, nahm ihn Indien aber nicht wieder auf. Er lebt seitdem mit einer Duldung hier und zieht seit 13 Jahren zieht von einem Heim ins nächste. Er ist Analphabet und spricht kein Wort Deutsch, kümmert sich aber auch nicht. Einen Kurs hat er nie begonnen, es ist ihm zu anstrengend. Der 40-Jährige hat kaum Kontakte, auch nicht zu Landsleuten. Sein Seelentröster war der Alkohol – nach eigenen Angaben eine halbe Flasche Whisky täglich. Spurlos ist das an ihm wohl nicht vorbeigegangen.

So dumm es klingt, vielleicht bekommt er im Gefängnis sein Leben auf die Reihe, lernt etwas deutsch und kümmert sich um eine Suchtberatung. „Zwingen können wir sie nicht, das ist von ihnen abhängig“, erklärte ihm die Vorsitzende Birgit Wiegand abschließend. Auch für die Richterin war das gestern ein Abschluss, sie geht in den Ruhestand.„Es war das letzte Urteil in meinem Leben. Es fällt mir schwer, das muss sich schon sagen.“

Von Monika Löffler

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