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170 Menschen besuchen die letzte Quartiersgrabung in der Dresdner Altstadt

Viele fragen: Was bleibt? 170 Menschen besuchen die letzte Quartiersgrabung in der Dresdner Altstadt

Das Landesamt für Archäologie hat am Mittwochnachmittag zu einer öffentlichen Führung durch die Quartiersgrabung hinterm Kulturpalast eingeladen. Die Resonanz ist groß. Bei vielen bleibt vor allem eine Frage: Was bleibt von all den Zeugnissen der Dresdner Stadtgeschichte erhalten?

An der Dresdner Stadtgeschichte Interessierte besuchen das Grabungsfeld hinterm Kulturpalast.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Die ersten Menschen stehen schon eine knappe halbe Stunde vor Beginn der Führung am Bauzaun. Interessiert schauen sie auf Reste von alten Mauern, Treppen, Brunnen und Latrinen und auf das, was auf dem Grabungsfeld zwischen Swissotel und Kulturpalast unweit des Neumarktes passiert. Denn bevor die Baywobau das Areal bebaut, 70 Wohnungen und elf Läden schafft, sichern hier die Archäologen Zeugnisse Dresdner Stadtgeschichte.

„Es ist die letzte große Quartiersgrabung in der Dresdner Altstadt. Dann sind wir durch“, erfahren wir von Cornelia Rupp, Referentin Öffentlichkeitsarbeit im Landesamt für Archäologie. Und dass Dresden eine der am besten archäologisch untersuchten Städte Deutschlands sei. Geschuldet ist das den Kriegszerstörungen und der Tatsache, dass viele Quartiere danach unbebaut blieben. „Die Trümmer wurden beräumt und eine Bodenplatte gemacht.“ Auch von den Häusern, die einst im Quartier zwischen Schlossstraße, Sporer- und Schössergasse standen, blieben 1945 nur Trümmer. „Nach der Beräumung wurde die Fläche Anfang der 1950er Jahre einplaniert. Viele Jahre war dann hier ein Parkplatz“, erinnert Christoph Heiermann, Sachgebietsleiter Öffentlichkeitsarbeit im Landesamt.

Pünktlich 14 Uhr wird der Bauzaun für die Neugierigen geöffnet. Um die hundert Menschen strömen auf den von rot-weißem Flatterband umgrenzten Bereich des Baufeldes. Auf 170 Personen – überwiegend im Rentenalter – wächst die Zahl bis 15.30 Uhr an. Gespannt hören sie den Ausführungen der Archäologen zu. Dann nutzen sie die Gelegenheit, um Fragen zu stellen.

Wie war das im Mittelalter mit den Fäkalien? Wo gingen die hin? Wird das, was Sie gefunden haben, mal irgendwo ausgestellt? Sind die Keller alle ineinander übergegangen? Das wilde Pflaster dort stammt aus welchem Jahrhundert? Stimmt es, dass sich die Sandsteine durch die große Hitze des Feuers beim Angriff 1945 rosa gefärbt haben? Geduldig geben die Fachleute des Landesamtes für Archäologie Auskunft. Unter ihnen Susanne Schöne, die örtliche Grabungsleiterin, und Thomas Westphalen, Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege.

 „Ich finde das super, dass die Dresdner so an der Geschichte interessiert sind“, strahlt Cornelia Rupp. „Am 2. und 3. Oktober gab es auf dieser Grabungsstelle auch schon mal Führungen. Da hatten wir insgesamt fast 3000 Besucher. Deshalb sind wir heute hier mit fünf Leuten angerückt.“

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Mittwochnachmittag hatte das Landesamt für Archäologie zu einer öffentlichen Führung zur archäologischen Grabung zwischen Schlossstraße und Schössergasse hinterm Kulturpalast geladen. In anderthalb Stunden nutzten dieses Angebot rund 170 Menschen.

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„Ich arbeite als Gästeführerin. Wenn ich mit Dresden-Besuchern hier vorbeilaufe, kommen immer viele Fragen. Deshalb bin ich hier, um von den Archäologen selbst gesicherte Informationen zu bekommen“, erklärt Steffi Büttner (56), warum sie zur Führung auf das Quartier VII/1 am Neumarkt gekommen ist. Michael Heinrich (69) hat ein großes Faible für die Geschichte alter Bauten. Er wohnt, wie er sagt, selbst in einem 200 Jahre alten Haus, habe auf seinem Grundstück durch Zufall ein altes Gewölbe gefunden, was er erhalten wolle. Ihn treibe die Achtung vor der Arbeit der Vorfahren. „Überall, wo was Neues entsteht, geht etwas Altes kaputt. Auf der anderen Seite muss auch Neues entstehen. Aber mich jammert das, wenn ich die alten Mauern und Gewölbe sehe. Wie viele Menschen haben hier wohl gelebt? Was haben die Steine alles gesehen?“ Rolf Petermann (76) hat, wie er sagt, Mitte der 1990er Jahre im Rahmen einer ABM bei den Grabungen am Altmarkt mitgemacht. Schon deshalb interessieren ihn auch die Grabungen hier.

Doch was bleibt von dem, was die Archäologen hier finden und dokumentieren? Diese Frage stellen an diesem Nachmittag viele. „Jede Scherbe, die wir hier finden, nehmen wir mit“, so Rupp. Bis jetzt konnten 250 Befunde dokumentiert werden. „Die ältesten Funde und Befunde in diesem Bereich können der Zeit der Stadtgründung um 1200 zugeordnet werden“, so die Archäologen. Doch noch sind sie auf dem Areal nicht fertig. „Erst, wenn wir einen Gesamtüberblick haben, können wir sagen, was erhaltenswert ist.“ Dann gibt es Gespräche mit dem Bauherren.

Von Catrin Steinbach

Dresden, Schössergasse 51.051783 13.738376
Dresden, Schössergasse
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