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Viele Dresdner Schulleiter gehen trotz Krankheit zur Arbeit

Viele Dresdner Schulleiter gehen trotz Krankheit zur Arbeit

Schulleiter belasten am stärksten die Fülle der Arbeit und Regelungen der Schulaufsicht. Frauen an Grundschulen in dieser Position fühlen sich am wenigsten wohl, klagen am häufigsten über Erschöpfung.

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Auch Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums Klotzsche, hat gelegentlich Stress. Als eine seiner wichtigsten Aufgabe sieht er, seinen Lehrerkollegen den Rücken frei zu halten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Zu diesem Ergebnis kommt 2012 eine umfangreiche Studie zur Gesundheit von Schulleitungen, die die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben hat. Mehr als 2000 Leiter öffentlicher Schulen nahmen an der Onlinebefragung teil. Dresdner Schulleiter bestätigen die Befunde durchweg.

"Am anstrengendsten sind die Eltern und die Vorgesetzten", berichtet Martina Brandt, Leiterin der 19. Grundschule am Jägerpark. Als "wohlwollend" nimmt die 58-jährige Pädagogin hingegen ihre Kollegen und die Schüler wahr. "Eltern haben oft vor männlichen Kollegen mehr Respekt", ist ihre Erfahrung. Sie würden denken, mit den Frauen könnten sie's machen. Die Leiterin weiß, wovon sie spricht. Lange Jahre war sie die einzige Frau in dieser Position im Ortsamtsbereich Neustadt.

"Nicht selten mischen sich Eltern ein, wenn es darum geht, ihr Kind ab Klasse 5 aufs Gymnasium zu schicken oder nicht", sagt sie. Auf den Grundschulleitern laste zudem immens viel Arbeit. "Sie sind diejenigen, die die Verbindung zum Jugend-, Sozial- und auch zum Gesundheitsamt halten", nennt sie ein Beispiel. Martina Brandt muss an ihrer kleinen Schule ohne Stellvertreter auskommen. Erschwerend kommt hinzu, dass 30 der 130 Schüler Migranten sind, die erst einmal Deutsch lernen müssen und einer gezielten Förderung bedürfen.

Auf einer "Wohlfühlskala" von 1 (beste Note) bis 5 sieht sich die Schulleiterin gegenwärtig nur auf Stufe 4. Wegen Krankheit zu fehlen, gibt es bei Martina Brandt indes nicht: "Ich komme auch mit dem Kopf unterm Arm", sagt sie. Ihre Arbeit könne sie den Kollegen nicht auch noch zumuten. "Die sind doch alle Klassenlehrer."

In der Studie der Unfallkasse hatte ein Drittel der Schulleiter angegeben, trotz Krankheit zur Arbeit gegangen zu sein. Etwa jeder fünfte Befragte fühlte sich nicht wohl an der Schule, vor allem an den Grundschulen. Vor allem Frauen klagten über psychosomatische Beschwerden, über Abgespanntheit, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Überlastung, Glieder- und Muskelschmerzen. "Emotionale Erschöpfung als Kernkomponente des Burnouts" sei bei Frauen und Leitern von Grundschulen am stärksten ausgeprägt. Lediglich etwas mehr als ein Drittel der Schulleiter glaubt, dass Gesundheit und Kraft ausreichen, um bis zur Pensionierung durchzuhalten. Die größten Zweifel finden sich auch hier bei Frauen und Leiterinnen bzw. Leitern von Grundschulen.

"Ich bin schon lange im Geschäft, aber selbst mir bereiten diverse Regelungen von amtlicher Seite Stress und schlaflose Nächte, weil ich sie für unnötig und hinderlich halte", erklärt Frank Haubitz, Chef des Philologenverbandes Sachsen und Leiter des Gymnasiums Klotzsche. Dass Frauen an Grundschulen die meisten psychosomatischen Beschwerden haben, kann sich Haubitz lebhaft vorstellen: "Der Druck wird immer stärker, die Erwartungen der Eltern immer größer, die wollen, dass ihr Kind unbedingt ans Gymnasium geht." Leiterinnen würden sich das mehr zu Herzen nehmen als "unsereins", glaubt er.

Haubitz versucht an seiner Schule, "den Kollegen den Rücken freizuhal- ten und für ihr Wohlbefinden zu sorgen, damit der Laden läuft". Das sei in den vergangenen Jahren eine ganz wichtige Strategie geworden. "Meine Schule ist mein Leben, ist mein Kind", sagt er. In den vergangenen beiden Jahren ist der Schulleiter einen einzigen Tag wegen Krankheit zu Hause geblieben. "Da ging es mir ganz schlecht." Ausgebrannt fühle er sich schon manchmal. Das Wochenende reiche oft nicht aus, um sich zu regenerieren. Denn am Sonntag müsse ja schon wieder der Unterricht für den Montag vorbereitet werden. Haubitz will auf jeden Fall bis zur Pensionierung weitermachen. "Ich liebe meinen Beruf, ich liebe meine Schüler", sagt er. Er bleibe bis zur letzten Minute. "Die Zwänge, die uns die Schulaufsicht in Form von Verordnungen aufdrückt, werden immer größer", konstatiert auch Thomas Lorenz, Leiter der 128. Oberschule. Die seien manchmal weder im Sinne der Praxis noch schülerfreundlich. Das Wichtigste für das Kultusministerium sei die Statistik, die Zahlen müssten stimmen. Anders als Grundschulleiterin Martina Brandt wünscht sich Lorenz, dass sich die Eltern mehr einmischen, mehr Interesse für die Belange ihrer Kinder zeigen. Auf der Wohlfühlskala von 1 bis 5 sieht sich Lorenz etwa in der Mitte. Nicht vergessen werden dürfe, dass das Schulleiterdasein auch Vorteile habe. "Ich bin der Chef und kann Dinge maßgeblich beeinflussen", sagt er.

"Es ist in den letzten Jahren immer mehr geworden, was auf den Schulleitern abgeladen wird", bestätigt auch Jürgen Karras, Leiter des Gymnasiums Cotta. "Ich bin nicht krank", antwortet er auf die Frage, ob er auch krank zur Schule geht. So ungefähr zehn Jahre sei es her, als er der Arbeit einmal fernbleiben musste. "Über Weihnachten war ich mal erkältet, aber da waren ja Gott sei Dank Ferien."

"Ich merke schon, dass ich sehr auf mich achten muss", sagt Sylvia Sobieraj, Leiterin des Gymnasiums Bühlau, Kraft schöpfe sie beispielsweise aus guten Gesprächen und wenn Dinge gelängen, die sie sich ausgedacht habe. Auch sie geht zur Arbeit, selbst wenn sie sich eigentlich krank fühlt. "Ich sage aber dann beispielsweise schwierige Gespräche ab."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2014

Katrin Richter

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