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Lokales Viel Wirbel um eine Wiese - Die Hufewiesen in Trachau sind für die einen eine grüne Oase, für die anderen bloß brachliegendes Bauland
Dresden Lokales Viel Wirbel um eine Wiese - Die Hufewiesen in Trachau sind für die einen eine grüne Oase, für die anderen bloß brachliegendes Bauland
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18:45 09.09.2015

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Von ANNE NITZPAN

Das Bild wird komplettiert durch eine Herde friedlich grasender Pferde. Der Name "Hufewiesen" stammt aus der Zeit, als auf den Wiesen in Alttrachau noch Landwirtschaft betrieben wurde. So bezeichnet das Wort Hufe ein landwirtschaftliches Gut, das mit einem Pflug bestellt werden kann.

Noch bis in die 1990er Jahre züchteten die Alttrachauer Bauern auf den Hufewiesen Rosen und bestellten Gemüsegärten. Nach der Wende erklärte der Dresdner Stadtrat die Ackerflächen nördlich des Dorfkerns dann zu "Bauerwartungsland". Daraufhin wurden die Flurstücke von einer Immobiliengesellschaft aufgekauft und liegen seitdem brach. Die Hufewiesen sind seitdem zum Gegenstand eines Streits geworden. Im östlichen Teil der Hufewiesen befindet sich der Reiterhof "Asphaltcowboys".

Die Besitzerin Ilona Picl sitzt inmitten einer Ansammlung aus Bauwagen und provisorisch aufgestellten Biergartenzelten und nippt gedankenverloren an einem Glas Orangensaft. "Alles, was Sie hier sehen, ist provisorisch. Gerade so, dass man, falls es nötig wird, so schnell wie möglich abbauen kann", erzählt sie. Seit 1999 befindet sich der Ponyclub nun schon in diesem Zustand. Damals unterschrieb Picl einen Nutzungsvertrag mit dem Besitzer des Geländes, der Immobiliengesellschaft MBG Trachau, einem Tochterunternehmen der Adler Real Estate Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg. Im Vertrag wurde der Ponyhofbesitzerin zugesichert, dass sie die Fläche unentgeltlich nutzen könne, bis die Gesellschaft mit der Bebauung beginnt. Nach 13 Jahren flatterte nun die Kündigung in ihren Briefkasten. Binnen eines Monats, genauer gesagt zum 31. Mai, soll Ilona Picl mit ihren Pferden das Gelände räumen. Denn die MBG Trachau plant, das Gebiet, auf dem auch Picls Pferde gerade grasen, zu bebauen. Ganz zum Leidwesen der Anwohner und Ausflugsgäste, die sich am Wochenende auf den Grünflächen tummeln. Gegen die Pläne hat sich deshalb die Bürgerinitiative Hufewiesen e. V. gegründet. Diese setzt sich u. a. auch dafür ein, dass Ilona Picl und ihre Pferde bleiben können.

Neben der MBG Trachau und der Bürgerinitiative ist die Stadt Dresden maßgeblich am Konflikt um die Hufewiesen beteiligt. Hauptstreitpunkt ist, wie genau die Bebauung der Hufewiesen umgesetzt wird. Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind der Meinung, dass die MBG lediglich versuche, möglichst schnell ihren Grundbesitz zu veräußern, und keine Rücksicht auf eine nachhaltige und sinnvolle Bebauung nimmt. Diese ist laut Bürgerinitiative lediglich auf der Westseite des Grundstücks möglich. Da dieses Gebiet allerdings beim Elbhochwasser 2002 überflutet wurde, dürfen zurzeit keine Bebauungspläne aufgestellt werden. Erst 2014, wenn die Schutzbauten entlang der Elbe voraussichtlich fertiggestellt werden sollen und damit die Hochwasserlinie ihre planungsrechtliche Bedeutung verliert, ist das Gebiet wieder bebaubar. Doch da es der MBG zu unsicher ist, ob ab 2014 tatsächlich wieder im Westen der Hufewiesen gebaut werden darf, konzentriert sie sich auf die Bebauung der Ostseite.

Dort sieht der Bebauungsplan B-380 vor, zwei gleich große Bereiche zu errichten - einen für Wohngebäude, den anderen für gewerbliche Nutzung. Die Bürgerinitiative hält dagegen, dass im angrenzenden Stadtteil Pieschen schon viele, teils von der Lage her attraktivere Gewerbeflächen brach liegen und das Gewerbegebiet nur eingeplant worden sei, um das Wohngebiet zu legalisieren. Denn da die Hufewiesen in der Einflugschneise des Dresdner Flughafens liegen und deshalb ein siedlungsbeschränkter Bereich sind, dürfen dort laut Regionalplan keine reinen Wohngebiete liegen - sogenannte "Mischgebiete" hingegen schon.

Ein weiteres Argument der B-380-Gegner ist, dass sich der östliche Teil der Hufewiesen nicht sinnvoll an das Straßennetz anbinden lässt. Die Schwierigkeiten mit den Zufahrten ließen sich laut Bürgerinitiative allerdings lösen, wenn die Neubauten im westlichen Teil der Hufewiesen errichtet werden würden. Dies ist allerdings auf Grund der Hochwasserlinie zur Zeit nicht möglich. Im Moment liegt der Bauplan B-380 dem Stadtrat, genauer gesagt dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau, zur Prüfung vor. Dieser soll noch vor der Sommerpause darüber entscheiden, ob der Vorschlag weiterverfolgt wird. Doch auch wenn die Stadt die Möglichkeit hat, die Bebauung abzuwenden, gehört das Grundstück immer noch der MBG, die einst sechs Millionen Euro dafür bezahlte. Die Bürgerintiative will deshalb mit Unterstützung der Stadt und öffentlicher Träger sowie durch Spendenaufrufe der Gesellschaft die Hufewiesen abkaufen und einen alternativen Bebauungsplan durchsetzen, der die Hufewiesen als öffentlichen Park erhält.

All das bringt Ilona Picl und ihren Pferden allerdings nichts mehr. Sie muss zum Ende des Monats die Hufewiesen verlassen. "Meine Pferde halten die Wiesen in einem gutem Zustand. Bevor ich kam, war hier alles verwildert", meint die Besitzerin traurig. Ihre Terminbücher sind derweil bis Ende August gefüllt. Von Kindergärten und Schulklassen, die hier neben Ponyreiten auch lernen, wie man respektvoll mit Tieren und der Natur umgeht, und unzähligen Kindergeburtstagen, für die Picl spezielle "Zuckertütenfeste" organisiert. Derzeit sucht sie nach anderen Grünflächen, auf denen sie mit ihren Vierbeinern unterkommen kann.

Bauplan der MBG Trachau

Vorschlag der Bürgerinitiative

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.05.2012

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