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Lokales Viel Ungewissheit um den Skiweltcup in Dresden
Dresden Lokales Viel Ungewissheit um den Skiweltcup in Dresden
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08:02 27.04.2018
Der Skiweltcup hat für schöne Bilder aus Dresden gesorgt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Für Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ist eigentlich alles klar. Im Januar sind die Touristenzahlen in Dresden um 16 Prozent gestiegen. Das sei „nicht zuletzt“ durch den Skiweltcup am Elbufer bewirkt worden, ist sich das Stadtoberhaupt sicher. Doch um das Ereignis ranken sich eine Reihe von Ungewissheiten.

Mit dem Geld haben sie bislang nicht zu tun. Es gibt kaum Zweifel daran, dass der Freistaat der Veranstaltung erneut unter die Arme greifen wird. Schon für die Erstauflage im Januar stellte das Land bis zu 300000 Euro in Aussicht, Innenminister Roland Wöller (CDU) zeigte sich als begeisterter Anhänger der Veranstaltung.

Mit einem Pistenbully wurde die Strecke präpariert. Quelle: Dietrich Flechtner

Dresdens Finanzbürgermeister Peter Lames erarbeite gerade eine Vorlage für den Stadtrat, „damit auch in den kommenden Jahren die phantastischen Bilder aus Dresden in die Welt transportiert werden können“, verkündete OB Hilbert kürzlich. Auch die Stadt hatte den Veranstaltern für den Auftakt 300000 Euro zugesagt.

Selbst die Grünen im Stadtrat unterstützten die Veranstaltung. Zwar musste das Schneeband am Elbufer zwischen Carolabrücke und Japanischem Palais mit viel Aufwand künstlich erzeugt werden. Am Flughafen lief dazu eine Schneeproduktion, die an einem Tag so viel Energie verbraucht wie eine Familie im ganzen Jahr.

Doch die Umweltpartei honoriert, dass Ökostrom eingesetzt wird, die Zuschauer mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen konnten und die Veranstalter um die Journalisten Torsten Püschel und René Kindermann ganz eng mit der Stadtpolitik zusammenarbeiten.

Am kommenden Mittwoch werden die Organisatoren bei einer Mitgliederversammlung der Grünen erwartet, um über die Umwelt-Seite der Veranstaltung zu sprechen. Dann sollen die Mitglieder über die nächste Förderung entscheiden.

Wenig Protest

Der Protest aus dem grünen Lager hatte sich Mitte Januar stark in Grenzen gehalten. Neben einer losen Gruppe von Jugendlichen, die während des Wettkampfes gegen das aus ihrer Sicht „ökologisch absurde“ Event protestierten, zeigten sich auch ein paar Vertreter der Grünen Jugend mit kritischen Plakaten.

Wirkliches Ungemach droht stattdessen von ganz anderer Seite. Püschel und Kindermann sind zwar Gesellschafter der Veranstalter-GmbH, aber im Hauptberuf Journalisten beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) oder der ARD. Dort berichten sie unter anderem über die Ski-Wettbewerbe der Nordischen Kombinierer. Vor der ersten Veranstaltung war bereits eine Diskussion über die Doppelrolle entstanden. Können die Journalisten mit kritischer Distanz über die Sportler im Deutschen Skiverband berichten, wenn sie auf der anderen Seite mit dem Verband als Veranstalter zusammenarbeiten?

Der Fan hinter der Absperrung

Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben, ätzte der Deutschlandfunk (DLF) und verwies auf manch devot wirkende Ansage Kindermanns.

MDR-Verantwortliche wie Programmdirektor Wolf-Dieter Jakobi und Intendantin Carola Wille sahen keine Probleme. Gegenüber dem öffentlich-rechtlichen DLF und der „taz“ machten sie übereinstimmend klar: Die beiden Journalisten würden nur einen Organisationsjob für die Rahmenbedingungen machen. Es sei alles „juristisch einwandfrei“, den Wettkampf organisiere der DSV und die Berichterstattung liege beim ZDF. Der MDR steht heute noch zu dieser Einschätzung.

Anfragen blieben unbeantwortet

Die Journalisten sahen auch kein Problem. Er berichte sonst von den nordischen Kombinierern und nicht vom Langlauf, sagte Püschel einmal. Anfragen bei beiden blieben aktuell unbeantwortet.

Moderatoren wie Püschel und Kindermann sind bei der ARD häufig freie Mitarbeiter, sie müssen sich schon aus Schutz vor dem Vorwurf der Scheinselbstständigkeit mehrere Arbeitgeber suchen und aus wirtschaftlichen Gründen sind mehrere Standbeine sicher auch nicht schlecht. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk zahlt sicher nicht die miesesten Honorare in der Branche – eine Einnahmegarantie ist freie Mitarbeit aber nie.

Zapp ist etwas „aufgestoßen“

Nach dem Sportfest auf Kunstschnee gab es plötzlich andere Töne – aus der ARD. Die Konstruktion hinter dem Weltcup „ist uns etwas aufgestoßen“, raunte Anja Reschke in einer Sendung des NDR-Magazins „Zapp“ am 17. Januar 2018, also drei Tage nach dem Event. In dem anschließenden Beitrag wollte Jakobi nicht darüber nachdenken, wie die Sache bewertet werden müsste, wenn die ARD über den auf mehrere Jahre angelegten Weltcup-Reigen die Hauptberichterstattung tragen würde. „Da mache ich mir erst Gedanken, wenn es so weit ist.“

Einen Monat später ist der Denkprozess in der ARD ein Stück vorangeschritten. „Da begeben wir uns in eine Grauzone, bei der es wirklich schwierig wird, das Thema ’Glaubwürdigkeit’ hoch zu halten“, zitiert „Zapp“ den ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Nach einer Sitzung der ARD-Sportchefs zu dem Thema erklärt Balkausky. „Solche Vermischungen wird es in Zukunft nicht mehr geben.“

Doch was bedeutet das nun konkret? Steht der Skiweltcup, über dessen Förderung die Politik demnächst entscheiden will, womöglich plötzlich ohne Organisatoren da? Dürfen Kindermann und Püschel nicht mehr journalistisch arbeiten bei der ARD, dürfen sie nur nicht mehr im Wintersport arbeiten? Müssen sie ihre Tätigkeit bei der Ski-Veranstaltung niederlegen oder sich als Gesellschafter zurückziehen, oder beides?

ARD: „Muss noch besprochen werden“

Das wissen die Verantwortlichen bei der ARD bis heute offenbar selbst nicht. Beim Mitteldeutschen Rundfunk wird auf laufende Prüfungen verwiesen und direkt an den obersten Sportkoordinator.

Doch von dort gibt es nach den deftigen Worten bei Zapp noch nicht viel mehr. Aus der Programmdirektion Koordination Sport der ARD in München hieß es auf DNN-Anfrage: „Da es sich bei der Sache Kindermann/Püschel um eine Angelegenheit handelt, die erst ARD-intern besprochen werden muss, kann Ihnen Her Balkausky zum jetzigen Zeitpunkt leider keine weitere Auskunft geben.“

Nach Ski Weltcup und Sachsencup öffnete die Langlaufstrecke am Elbufer am Sonntag offiziell für alle. Beim „Skifahren für jedermann“ probierten gut hundert Dresdner den Kunstschnee auf der 1,4 Kilometer langen Strecke zwischen dem Japanischem Palais und der Carolabrücke aus.

Von Ingolf Pleil

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