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Lokales Verwirrung vor Gericht: Wer hat hier denn nun wen verhauen?
Dresden Lokales Verwirrung vor Gericht: Wer hat hier denn nun wen verhauen?
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10:19 03.11.2016
Manche Gerichtsverhandlung, die zunächst so einfach erscheint, entpuppt sich gelegentlich als Überraschungsei. Quelle: dpa
Dresden

Manche Gerichtsverhandlung, die zunächst so einfach erscheint, entpuppt sich gelegentlich als Überraschungsei. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind manchmal fließend. Gestern stand eine 33-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsrichter. Sie soll ihren Lebensgefährten nach reichlich Kräuterlikör und einem handfesten Streit mit dem „Leergut“- also den ausgetrunkenen Schnapsflaschen beworfen haben. Der 31-Jährige erlitt ein Hämatom am Unterarm. Die Angeklagte räumte den Vorwurf ein. „Wir hatten einen über den Durst getrunken und uns dann gestritten und angeschrien. Im Flur kam es zu einer Schubserei und dann habe ich die Flaschen nach ihm geworfen und ihn auch getroffen.“ Häusliche Gewalt mal andersherum – meistens werden ja die Frauen verhauen.

Überraschung, es war auch hier so. Die Angeklagte konnte sich zwar nicht mehr so recht an den Grund für den Streit aber genau an den für die Flaschenwürfe erinnern. „Ich wollte gehen, er kam hinterher und wir rangelten um den Schlüssel. Er schlug mir die Faust ins Gesicht und gegen die Rippen und ich fiel zu Boden. Da habe ich die Flaschen geworfen und bin zu Nachbarn geflüchtet. Dann kam der Krankenwagen. Ich hatte mehrere Knochenbrüche“.

Das war neu, offenbar auch für Richter und Staatsanwalt. Die 33-Jährige konnte aber die Krankenhausunterlagen vorlegen, die ihre Aussage bestätigten. Das tat gestern auch das „angebliche Opfer“, ihr Lebensgefährte. „Ich habe die Kontrolle verloren, so etwas ist mir noch nie passiert.“ Vielleicht hilft weniger trinken, aber da haben wohl beide ein Problem. Sie hat ihm zumindest verziehen.

Bleibt die Frage, wieso sie auf der Anklagebank sitzt. Gut, man wirft nicht mit Flaschen, aber ihre Mittelgesichtsfraktur und Rippenprellungen sind etwas anderes als sein blauer Fleck. Irgendetwas muss bei den Ermittlungen schief gelaufen sein. Sie hat ihn zwar nicht angezeigt, aber die Polizei war ja vor Ort. Vielleicht hat er lauter gejammert? Wie auch immer, das Verfahren gegen die 33-Jährige wurde gegen die Leistung von Arbeitsstunden eingestellt. Jetzt könnte ihm eine Verhandlung bevorstehen. Die Staatsanwaltschaft hat genau hingehört.

Von Monika Löffler

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