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Lokales Vereine schaffen Erinnerungen an Sternenkinder, die nicht verblassen
Dresden Lokales Vereine schaffen Erinnerungen an Sternenkinder, die nicht verblassen
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15:42 11.09.2017
Oft ist es für Eltern schwer, mit dem frühzeitigen Tod des ungeborenen Kindes klarzukommen. Die Sternenkinder-Wiesen schaffen einen Ort der Erinnerung.  Quelle: Tino Plunert
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Dresden

 Man nennt sie Sternenkinder: In den vergangenen zehn Jahren sind in Dresden rund 1500 Babys nach der zwölften Schwangerschaftswoche tot zur Welt gekommen, die unter 500 Gramm wogen. Mit einem Symposium und einer Andacht erinnert der Verein „Sternenkinder“ am Sonnabend an diese ungelebten Leben.

Mitarbeiter aus Gesundheitsberufen, Seelsorger und Ärzte halten am Vormittag ein Fachsymposium. Daran schließt sich 14.30 Uhr eine öffentliche Gedenkfeier für die Sternenkinder in der Dreikönigskirche an, „zu der alle betroffenen Familien und Interessierte herzlich eingeladen sind“, sagt Maria Ziegenfuß, die das Projekt Mitte 2006 initiierte.

Die Babys werden seit zehn Jahren auf dem Neuen Katholischem Friedhof in Friedrichstadt beerdigt. Bisher hat der Verein 21 Trauerfeiern ausgerichtet, die bisher letzte am vergangenen Sonnabend. „Wir wollen den Eltern die Möglichkeit geben, sich in einer Trauerfeier würdig von ihren Sternenkindern zu verabschieden“, sagt die Pathologin Daniela Aust vom Uniklinikum Dresden, Vorsitzende des „Sternenkinder“-Vereins. „Vor 25 Jahren war es gängige Praxis, Mutter und Sternenkind möglichst schnell zu trennen. Heute ist das zum Glück anders.“

Neun Dresdner Kliniken, Kirchgemeinden, Vereine und rund 60 Hebammen, Ärzte und betroffene Eltern engagieren sich für die „Sternenkinder“. Zweimal im Jahr finden Sammelbestattungen für die jährlich rund 150 Babys statt, die nach der 12. Schwangerschaftswoche mit weniger als 500 Gramm in den Kliniken der Landeshauptstadt tot geboren werden. Die Frühchen vor der zwölften Schwangerschaftswoche werden in einer Urne bestattet und die Babys, die bis zum sechsten Schwangerschaftsmonat lebten, gemeinsam in Särgen anonym auf der „Wiese der Sternenkinder“ beigesetzt. Die Zeremonie und der Liegeplatz auf dem Friedhof werden vor allem durch die neun Mitgliedskliniken finanziert.

„Wir wollen den Eltern einen Abschied in Würde ermöglichen“, sagt Aust. Dafür wickeln die Vereinsmitglieder die Sternenkinder in bunte Windeln und organisieren die Trauerfeier. „Eine kleine Herausforderung sind für uns interkulturelle Bestattungen“, erzählt die Pathologin und Privatdozentin aus Erfahrung. Muslimische Sternenkinder müssen beispielsweise gemäß der religiösen Tradition mit dem Kopf Richtung Osten begraben werden.

Seit der Änderung des Personenstandsgesetzes von 2013 können Eltern ihren Sternenkindern im Standesamt einen Namen geben lassen, selbst wenn diese weniger als 500 Gramm wiegen. Geändert hat sich auch die Wahrnehmung von Sternenkindern in der Öffentlichkeit, hin zu mehr Respekt für Leben, bevor es das Licht der Welt erblickt.

 „Es war ein kleines Kunststück, die Vernetzung zwischen Hebammen, Bestattern, Friedhöfen und Kliniken auf die Beine zustellen“, berichtet die Initiatorin und Allgemeinmedizinerin Maria Ziegenfuß. Ein Anliegen des Vereins ist es, diese Vernetzung noch weiter auszubauen, so dass Eltern in ganz Sachsen die Möglichkeit haben, ihr Sternenkind zu beerdigen und ihm einen Ort des Andenkens zu schaffen.

Auch Stefanie Richter, Katrin Brock, Annett Mütze, Anja Kretschmer und Cindy Tamme (v. l. n. r.) engagieren sich als Fotografen für die Sternenkinder. Quelle: Tomke Giedigkeit

Das ist auch das Ziel der Fotografen-initiative „Dein Sternenkind“ in Dresden. Seit vier Jahren engagieren sich Hobby- und Profi-Fotografen ehrenamtlich und fotografieren tot geborene Kinder oder Babys mit sehr geringer Lebenserwartung kostenlos. Viele der Engagierten haben vor langer Zeit selbst ein Sternenkind zur Welt gebracht und bedauern, dass es damals die Möglichkeit noch nicht gab, ein fotografisches Andenken zu schaffen. Zum ersten Mal haben sich die Fotografen der Initiative aus der Landeshauptstadt und der Region nun getroffen, um sich enger zu vernetzen.

„Unsere größte Motivation ist der Dank der Eltern“, erzählt zum Beispiel die professionelle Fotografin Stefanie Richter aus Dresden. Sie kann für ihre Einsätze oft Körbchen oder Decken in den Kliniken nutzen. Besonders freut sie sich über ehrenamtliche Rentnerinnen, die in ihrer Freizeit kleine Kleidchen aus alten Hochzeitskleidern für die Sternenkinder nähen.

Auch die 43-jährige Annett Mütze engagiert sich in der Initiative. Die passionierte Hobbyfotografin möchte „etwas bewirken“, nachdem ihre eigenen Kinder aus dem Haus sind. „Es findet momentan ein gesellschaftlicher Mentalitätswandel im Umgang mit Sternenkindern statt. Und wir kämpfen weiter für die Anerkennung Ungeborener als Babys“, sagt sie.

Momentan organisieren sich 16 Frauen und sieben Männer in der Initiative. Eltern oder Hebammen melden sich bei dem Verein, wenn ein Baby tot zur Welt gekommen ist. Mit einer App werden die Fotografen dann über den Einsatz in ihrer Umgebung informiert und können sich absprechen, wer das Sternenkind fotografieren wird.

Aktuell sucht der Verein nach weiteren ehrenamtlichen Fotografen, da die Mitglieder ausgelastet sind. „Jeder kann in seinem Ermessen entscheiden, ob er den Eltern neben einer digitalen Version auch Printabzüge oder ein Fotobuch zur Verfügung stellen möchte“, erklärt Annett Mütze. Interessierte müssen sich mit drei Fotos bewerben, die Professionalität erkennen lassen.

Weitere Informationen sind unter www.sternenkinder-dresden.de und www.dein-sternenkind.eu verfügbar.

Von Tomke Giedigkeit

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