Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Verdi: Streiks bei Bussen und Bahnen auch in Dresden
Dresden Lokales Verdi: Streiks bei Bussen und Bahnen auch in Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:48 19.04.2018
Das Bild zeigt den Zustand beim Streik in Leipzig: totaler Stillstand. Quelle: Stephanie Helm
Dresden

Keine einzige Straßenbahn fährt in der Frühschicht, auch die Busse bleiben bis auf wenige Ausnahmen in den Depots. Nach Streikende 14 Uhr dauert es noch vier Stunden, bis der Nahverkehr wieder halbwegs planmäßig rollt. So hat sich der Streik im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) am Freitag auf Leipzig ausgewirkt. So kann es auch in Dresden kommen, wie Gerd Doepelheuer sagt. „Wir verhandeln erneut am 2. Mai. Wenn die Angebote der Arbeitgeberseite dann nicht passen, streiken wir erneut – diesmal in Dresden, Leipzig und Chemnitz“, kündigt Landesfachsbereichsleiter für Verkehr bei der Gewerkschaft Verdi an.

Das wäre vermutlich das erste Mal, dass die Dresdner etwas von den Tarifverhandlungen im ÖPNV mitbekommen. Denn nicht nur im öffentlichen Dienst, wo es in der Nacht zu Mittwoch ein Ergebnis gab, auch bei den Verkehrsbetrieben wird seit Wochen verhandelt. Nachdem Verdi den Tarifvertrag gekündigt hatte, hat es bisher zwei Termine gegeben, bei denen Forderungen und Angebote sehr weit auseinander lagen. Die Folge war der Streik in Leipzig – der erste im Nahverkehr der Messestadt seit 25 Jahren. Verhandelt wird mit einem Arbeitgeberverband, zu dem neben den Verkehrsbetrieben von Dresden, Chemnitz und Leipzig auch die von Zwickau und Plauen gehören.

DVB wollen mehr zahlen

„Es ist nicht so, dass wir als Arbeitgeber keine Entwicklung wünschen“, sagt Lars Seiffert mit Blick auf die Löhne der etwa 2000 Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe. Als DVB-Vorstand für Betrieb und Personal vertritt er die Dresdner Interessen im Arbeitgeberverband. Und die sind durchaus kompliziert gelagert. Denn: Durch jahrelangen Lohnverzicht verdienen DVB-Mitarbeiter inzwischen spürbar weniger als die im öffentlichen Dienst, auch wenn sie vergleichbare Arbeiten verrichten. Daran würde auch die Forderung von Verdi, den Abschluss für den öffentlichen Dienst zu übernehmen, nichts ändern. „In Dresden haben die Arbeitnehmer noch etwas nachzuholen“, sagt Verhandlungsführer Doepelheuer daher. Er fordert deshalb eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei auf 38 Stunden, bei vollem Lohnausgleich.

„Über zwei Stunden weniger Arbeitszeit hätten wir vor 20 Jahren diskutieren können“, entgegnet DVB-Vorstand Seiffert. Damals befanden sich die DVB im Schrumpfungsprozess, gab es genügend Bus- und Bahnfahrer auf dem Arbeitsmarkt. Heute ist das anders, fordert schon der Ersatz altersmäßiger Abgänge bei den DVB kreatives Denken in der Personalabteilung. „Bei zwei Stunden weniger reden wir über 100 Stellen, die neu besetzt werden müssten“, rechnet Seiffert vor. In der derzeitigen Situation kaum zu schaffen.

ÖPNV ist Zuschussbetrieb

Zumal die DVB wachsen, in den letzten beiden Jahren jeweils einen Fahrgastrekord verkünden durften. Dichtere Takte, neue Linien brauchen mehr Fahrer. Kürzere tarifliche Arbeitszeiten würden die Lage verschärfen.

Vom Erfolg der letzten Jahre sollten die Mitarbeiter etwas abhaben, meint Seiffert gleichwohl. „Er hat ja vor allem mit der guten Arbeit zu tun, die unserer Mitarbeiter leisten“, begründet er. „Aber bei uns stapelt sich das Geld nicht im Keller“, wie er anfügt. ÖPNV sei ein Zuschussbetrieb, jede Mehrausgabe müsse man sich anschließend vom Kunden über steigende Tarifgebühren zurückholen. Oder über die Zuschüsse der Technischen Werke, die derzeit für etwa ein Fünftel des DVB-Budgets aufkommen.

Das ist die Zwickmühle: Eigentlich müsste man mehr Geld ausgeben, um in Zeiten von Fachkräftemangel attraktiver Arbeitgeber zu bleiben, gerät bei jeder Mehrausgabe aber in Erklärungsnot, weil man sich das Geld vom Fahrgast, dem Steuerzahler oder dem Drewagkunden holen muss. „45 Euro mehr für jeden DVB-Mitarbeiter machen insgesamt zwei Millionen Euro aus“, sagt Seiffert. Bei einer Mindestlohnerhöhung um 200 Euro, so wie von Verdi für den öffentlichen Dienst zwischenzeitlich gefordert, rede man über einen zweistelligen Millionenbetrag. Andererseits drängt Verdi auf einen großen Schluck aus der Pulle. 17,11 Euro in der Stunde verdiene ein Busfahrer nach dem jüngsten Abschluss in Thüringen, sagt Verhandlungsführer Doepelheuer. In Sachsen seien es dagegen 14,40 Euro.

„Attraktiv ist man ja nicht allein durch die Gehaltstabelle“, sagt Seiffert dazu. Zumal die Verdienstmöglichkeiten in Dresden gar nicht so schlecht seien. Die DVB böten dazu ein gutes Arbeitsklima, einen sicheren Arbeitsplatz, interessante Aufgaben und die Möglichkeit, familienfreundliche Arbeitszeiten für junge Eltern zu organisieren. „Das ist doch auch etwas wert“, sagt der Vorstand.

Von Uwe Hofmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Anna-Luisa Becke ist mit ihrem Fahrrad anderthalb Jahre getourt. Insgesamt 15 000 Kilometer legte die damals 28-Jährige zurück, entdeckte fremde Kulturen und ging an ihre eigenen Grenzen. Am Donnerstagabend hält die Globetrotterin einen Vortrag im „Fahrrad XXL“ in Dresden-Nickern.

19.04.2018

Elektrofahrzeuge sind noch ein Nischenprodukt. Nur 413 sind in der Landeshauptstadt zugelassen. Dresden soll Modellstadt für Elektromobilität werden. Die Stadt will mit Fördermitteln 78 neue Ladepunkte errichten. Der CDU gehen die Pläne nicht weit genug.

19.04.2018

Frank Richter geht – nach etwas mehr als einem Jahr. Eigentlich hätte er einen Vertrag über fünf Jahre gehabt als einer der drei Geschäftsführer der Stiftung.

19.04.2018