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Lokales Verdacht auf Fliegerbombe: Großräumige Evakuierung am 23. Oktober
Dresden Lokales Verdacht auf Fliegerbombe: Großräumige Evakuierung am 23. Oktober
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16:42 04.10.2018
Die mutmaßliche Bombe liegt im Ostragehege, wo derzeit vorbereitende Bauarbeiten laufen. Quelle: Roland Halkasch
Dresden

Am Dienstag, dem 23. Oktober, steht Tausenden Dresdnern sowie Mitarbeitern von Polizei, Feuerwehr und städtischen Behörden eine der größten Evakuierungsaktionen in der jüngeren Stadtgeschichte bevor. Wegen einer mutmaßlichen Fliegerbombe im Ostragehege müssen 15.700 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Schulen, Kitas und Unternehmen im Evakuierungsgebiet bleiben geschlossen.

Was ist passiert?

Der sächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst hat die Boden im Ostragehege auf mögliche Munitionsreste überprüft, weil dort gebaut werden soll. Die Experten haben Luftaufnahmen angesehen, die englische und amerikanische Militärs nach den Fliegerangriffen auf Dresden gemacht hatten. Hellgraue Flecke auf diesen Bildern zeigen Krater detonierter Bomben, kleine schwarze Punkte deuten auf nicht explodierte Munition hin. Parallel wurde vor Ort geprüft. Die Messwerte erhärteten den Verdacht, dass es sich um eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, die etwa zwei bis drei Meter tief in der Erde liegt, sagte Polizeidirektor Stefan Dörner von der Polizeidirektion Dresden.

Auf der historischen Luftaufnahme des Ostrageheges ist der Standort markiert, an dem die Kampfmittelräumer die Bombe vermuten. Quelle: Stadt Dresden/Kampfmittelbeseitigungsdienst

Was liegt in der Erde?

Was für ein Gegenstand dort liegt, ist unklar. „Es könnte sich um eine 250-kg- oder 500-kg-Bombe, aber auch um einen völlig ungefährlichen Gegenstand handeln“, schätzt Holger Klemig vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ein. „Richtig wissen werden wir es erst, wenn wir den Gegenstand freigelegt haben.“ Die Experten sind sich jedoch einig: Solange der Gegenstand in der Erde bleibt, ist er ungefährlich. Angst haben muss also niemand.

Warum kann der Kampfmittelbeseitigungsdienst nicht „nachschauen“?

Die Zünder der meisten Bomben reagieren auf Bewegung – schließlich sollten sie seinerzeit bei ihrer unsanften Landung auf der Erde detonieren. Heute können schon eine Berührung mit dem Spaten oder Bauarbeiten in der Nähe dafür sorgen, dass der Zünder auslöst und die Bombe in die Luft fliegt. Wenn also die Kampfmittelräumer den Gegenstand einmal ausgegraben haben, er also Erschütterungen ausgesetzt war, muss umgehend entschärft oder kontrolliert gesprengt werden.

Polizeidirektor Stefan Dörner von der Polizeidirektion Dresden. Quelle: Tanja Tröger

Warnung: Nicht auf Suche gehen!

Polizei, Feuerwehr und Stadtverwaltung warnen deshalb ausdrücklich davor, sich auf die Suche nach der potentiellen Bombe zu begeben oder gar danach zu graben. Deshalb geben sie auch den genauen Lageort nicht preis, nur, dass er sich auf einem Firmengelände befindet. „Wir wollen kein Bomben-Geocaching“, so Stadtsprecher Kai Schulz.

Welches Gebiet wird evakuiert?

„In unseren Worst-Case-Planungen gehen wir von einer 500-Kilo-Bombe aus“, so Dörner. Die Splitter könnten im schlimmsten Fall rund 1500 Meter weit fliegen – bis nach Mickten, Übigau und Pieschen. Deshalb müssen am 23. Oktober 15.700 Menschen ihre Wohnungen verlassen, erläutert der Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes, Andreas Rümpel. Betroffen sind zudem acht Schulen, etwa zwei Dutzend Kitas, Horte und Tagespflegestellen sowie das Einkaufszentrum im ehemaligen Straßenbahnhof Mickten, die Messe und zahlreiche Firmen.

Im Themenstadtplan Dresden unter stadtplan.dresden.de kann man hausnummerngenau sehen, ob man selbst betroffen ist. Dazu links unter „Themen“ auf „Aktuelles“ klicken, dort „Evakuierungsbereich Fliegerbombe im Ostragehege“ auswählen und dann mit dem Plus rechts oben den Stadtplan vergrößern.

Das Evakuierungsgebiet umfasst das Ostragehege, Pieschen-Süd, Mickten und Übigau. Quelle: Themenstadtplan Dresden

Wo kommen die Bürger unter?

Die Einsatzkräfte bitten alle betroffenen Dresdner, sich zunächst bei Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen nach einer Unterkunft für den 23. Oktober und vorsichtshalber auch für die Nacht zum 24. Oktober zu erkundigen. Vielleicht kommt auch die Gartenlaube in Betracht. Wer keine andere Möglichkeit findet, kann in einer der Notunterkünfte Platz finden. Diese wird die Stadt Dresden am Freitag, dem 5. Oktober, bekanntgeben.

Andreas Rümpel, Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes. Quelle: Tanja Tröger

Was muss man mitnehmen?

Ins Gepäck für die Evakuierung gehören neben Ausweis, Krankenkassenkarte und wichtigen persönlichen Dokumenten auch Medikamente und Hygieneartikel, Geld und Mobiltelefon sowie Essen und Getränke für mindestens zwölf Stunden. Außerdem sollte man Dinge zur Beschäftigung mitnehmen, also Bücher, Spiele oder Musikplayer. Wer Kinder hat, sollte an das Lieblingskuscheltier, Kissen, Spielzeug, gegebenenfalls Windeln, Töpfchen und Babynahrung denken. Für Haustiere müssen Futter und Käfig mit.

Auch Isomatte, Schlafsack oder Decke für eine mögliche Übernachtung in einer Ausweichunterkunft sollte man einpacken.

Zeitplan

Donnerstag, 18. Oktober:

Es wird eine entsprechende Allgemeinverfügung veröffentlicht, in der die geplante Evakuierung und Maßnahme bekanntgemacht werden. Sie erscheint im Dresdner Amtsblatt. Das Bürgertelefon nimmt ab 8 Uhr seinen Dienst auf.

Montag, 22. Oktober:

Einsatzbeginn der Feuerwehr und Vorbereitung der Notunterkünfte.

Dienstag, 23. Oktober:

Ab 7 Uhr sind die Notunterkünfte geöffnet. Um 8 Uhr wird das Evakuierungsgebiet geschlossen. Bis spätestens dahin sind alle Gebäude und Objekte zu verlassen. Öffentlicher und der private Verkehr werden eingestellt. Das Evakuierungsgebiet wird kontrolliert. Ab 11 Uhr startet der Kampfmittelbeseitigungsdienst seine Arbeit. Im günstigsten Fall können die Bürger am Nachmittag wieder in ihre Wohnungen.

Informationen

Ab sofort steht im Stadtbezirksamt Pieschen, Bürgerstraße 63, für Anliegen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu den Geschäftszeiten ein Ansprechpartner zur Verfügung: Sebastian Klemm, Telefon (0351) 488 54 14.

Ab Donnerstag, 18. Oktober 2018 richtet die Stadt ein Bürgertelefon unter der Telefonnummer (0351) 488 76 66 ein. Die Mitarbeiter sind zunächst tagsüber und am 23. Oktober ab 6 Uhr zu erreichen.

Wer ist im Einsatz?

Feuerwehr und Polizei planen für den 23. Oktober mit je 300 Bediensteten pro Schicht. Dazu kommen Hunderte städtische Mitarbeiter. Wegen dieses hohen Personalaufwands kann die Großaktion auch erst am 23. Oktober stattfinden, erklärte Polizeidirektor Dörner. An den Wochenenden seien die Beamten mit der Absicherung von Fußballspielen und anderen Veranstaltungen ausgelastet.

Von ttr

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