Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Verbund für seltene Erkrankungen gefördert
Dresden Lokales Verbund für seltene Erkrankungen gefördert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:12 27.02.2017
Madlen und Henry Muder mit ihrer Tochter Emma. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Am Uniklinikum stehen dafür in den nächsten drei Jahren 1,5 Millionen Euro zur Verfügung – Dresden ist spezialisiert auf die Bereiche angeborene Krankheiten und Immunsystemschwächen. „Wir reden von seltenen Krankheiten, wenn sie weniger als fünf von 10 000 Patienten betreffen“, so Prof. Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Es sind oft genetische Erkrankungen, die direkt nach der Geburt auftreten, daher ist das in der Pädiatrie ein großes Thema.“

Ein Fall, der die Klinik in den letzten Monaten besonders beschäftigt hat, war der der kleinen Emma Muder. Kurz nach ihrer Geburt im Mai 2016 hatte sie bereits hohes Fieber und stark entzündete Hautareale. In ihrer Geburtsklinik in Zittau waren die Ärzte ratlos, eine Behandlung mit Antibiotika schlug nicht an. Nachdem man eine seltene autoinflammatorische Krankheit vermutete, schickten die Ärzte sie zu den Spezialisten nach Dresden. „Hier hatte man gleich einen Plan“, berichtet Emmas Mutter Madlen Muder. „Das war ein Lichtblick nach all den Katastrophen, die wir bis dahin durchlebt hatten.“

„Bei autoinflammatorischen Krankheiten startet der Körper von innen heraus eine Infektion“, erläutert Prof. Min Ae Lee-Kirsch von der Molekularen Pädiatrie. „In diesem Fall handelt es sich um eine Mutation des körpereigenen Cryopyrin, welche immer wieder Entzündungsschübe hervorruft. Diese hätte im weiteren Verlauf der Krankheit auch die Hirnhaut und Gelenke befallen sowie zu Nierenschäden und Entwicklungsverzögerung führen können.“ In der Form steht das Risiko auf diese Erkrankung weltweit bei eins zu einer Million. „Vor zehn Jahren wäre eine Behandlung gar nicht möglich gewesen“, so Prof. Berner. Heute habe man eine Lösung in Form eines noch relativ neuen Medikaments gefunden, das alle acht Wochen injiziert wird.

„Wenn ich heute sehe, wie gut es Emma geht, und dass sie trotz dieser Medikamente ein normales Leben führen kann, dann bin ich unglaublich erleichtert und glücklich“, so Muder.

„Emma ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich durch ein strukturiertes Vorgehen seltene Erkrankungen schneller erkennen und behandeln lassen“, so Prof. Berner. „Wir hatten Glück, dass wir eine schnelle Diagnose stellen konnten.“ Auf dieses Glück kann man sich nicht in jedem Fall verlassen. Erst vor Kurzem sei ein Säugling in der Klinik an einer seltenen Krankheit gestorben. „Wir standen weltweit mit Experten in Kontakt, mussten aber erkennen, dass wir nicht immer rechtzeitig das Problem erkennen können.“ In den vergangenen Jahren habe man auf dem Gebiet viel erreicht, aber der Weg müsse stetig weiter gegangen werden.

Von Gerrit Menk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Zweiter Rettungsweg für Wohngebäude - Dresdner Baubürgermeister widerspricht Innenministerium

Zwischen Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) und dem sächsischen Innenministerium gibt es Streit. Kann der zweite Rettungsweg für Wohngebäude im öffentlichen Verkehrsraum gewährleistet werden? Oder verbaut sich damit die Stadt ihre Zukunft?

27.02.2017

Nicht nur im Sport, sondern auch im Umgang miteinander: Für mehr Fairness wirbt der Kriminalpräventive Rat der Landeshauptstadt Dresden mit einer Plakat-Kampagne und macht gleichzeitig auf seine Arbeit aufmerksam. Ab Dienstag werden zwei Wochen lang 268 City-Light-Poster mit dem Titel „Fair – Auf jedem Platz“ im gesamten Stadtgebiet zu sehen sein.

27.02.2017
Lokales Feinstaubwerte explodieren um Mitternacht - Silvester in Dresden heißt auch "Prosit dicke Luft!"

Die Erkenntnis ist nicht überraschend, aber eindrucksvoll: Zum Jahreswechsel steigen die Feinstaubwerte dramatisch an. Schuld ist die Silvesterknallerei der Dresdnerinnen und Dresdner, die für dicke Luft sorgt. Schwacher Trost: In München ist alles noch viel schlimmer.

27.02.2017