Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Urkomisch: Der Zirkus des Horrors in Dresden
Dresden Lokales Urkomisch: Der Zirkus des Horrors in Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 15.09.2018
Professor Salvatore dei Morti (r) und Zirkusclown Brian Ernest (m), flankiert von zwei Pflegern. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Im Elbepark, in Sichtweite der magischen Welt Sarrasanis hat seit Freitag ein Zirkus der gegensätzlichen Art seine Zelte aufgeschlagen: Der Zirkus des Horrors. Die Gäste zu gruseln – zumindest die erwachsenen – das gelang den Horrorartisten zwar nur bedingt. Dafür waren Teile der Premiere zum Brüllen komisch.

Den roten Faden der neuen Show „Asylum – Das Irrenhaus“ spinnt Salvatore dei Morti. Der „schizophrene Psycho-Forscher“ mit charmantem Akzent und Hipsterbart, hinter dem sich der französisch-italienische Kreativkopf Giovanni Biasini verbirgt, leitet das Asylum. Er führt an seinen „Patienten“-Artisten Experimente durch. Das Behandlungsergebnis leitet meist die nächste Showeinlage ein.

So bringt die Therapie eines vermeintlichen Supermannes denselben tatsächlich zum Fliegen: Plötzlich erscheint der gesamte männliche Teil der „Puje“- Artistentruppe, der sich mit kraftvoller Akrobatik ans Werk macht, die Zuschauer in unterschiedlichster Weise übereinandergestapelt, durch- und aufeinander springend zu beeindrucken. Die Darstellung stereotyper Verrücktheit (schlurfen, schreien und wie man im Asylum eben so sein Dasein verbringt) fällt den entsprechend geschminkten Darstellern zwischen den Einlagen zwar etwas schwer. Den sexy Krankenschwestern des Professors gelingt das dafür umso besser. Ihre abgehackte Tanzeinlage wird Horrorenthusiasten zwei Wörter in den Kopf geschossen haben: Silent Hill.

Premierenshow: Zirkus des Horrors in Dresden

Ebenfalls Teil der Show: Drei versteinerte junge Mädchen (ebenfalls Teil der „Puje“-Truppe), die von Professor dei Morti mittels Infusion aus ihrer Erstarrung erweckt werden und sich verbiegen, dass einem schon beim Hinschauen das eigene Rückgrat knackt. Eines der Mädchen schnappen sich die Artisten gar, um sie als Springseil zu benutzen.

Spannend auch die Hetzjagd zwischen dem entflohenen Patienten 774 – zu Kannibalismus neigend und deshalb mit Lecter-Beißschutz auftretend – und einem der Asylum-Wärter in brauner Montur. Die Artisten Maik und Siegfried Sperlich laufen sich im Rad des Todes mit hohen Sprüngen, freihändig und auch mit verbundenen Augen hinterher. Keiner wird den anderen je erreichen. Jesus in Crocs und zwei unterschiedlichen Socken wirft aus der Unterhose Konfetti und wandelt sich nach der Transplantation eines künstlichen Herzens – die einzige wirklich eklige Stelle im Programm – in den Artisten Johnny Cognetti, der sich selbst zu Musik von Marylin Manson in einem großen Reifen durch die Manege wirbelt.

Fühlt sich im Asylum fehl am Platz: Horrorclown Ernest. Quelle: Dietrich Flechtner

Den größten Applaus und die lautesten Lacher aber sichert sich Horrorclown Brian Ernest, gespielt von Milano Kaiser. Der im Gestus leicht an den vierten Zwerg Mirco Nontschew erinnernde Hüne treibt seinem Publikum scheinbar mühelos Lachtränen in die Augen. Ohne den großen intellektuellen Witz, ohne feinsinnige Ironie, aber zum Brüllen komisch führt Ernest seine Zuschauer mit viel Sarkasmus vor.

Seine Show ist eine Mitmach-Show. Immer wieder dürfen/müssen Zuschauer auf die Bühne und sich vom Gruselclown mit den schlechten Zähnen konfuse Aufgaben stellen lassen, deren sinnfreie Ergebnisse – das ist wohl die hohe Kunst – trotzdem nicht zu purem Spott verkommen. Besonders hart – oder glücklich, wie man´s nimmt – trifft es zur Premiere den jungen Max, der seine Rolle als Running Gag des Abends mit Fassung trägt und sich gegen Ende gar zum hüftwiegenden Casanova aufschwingt.

Belohnt werden all diese Verrücktheiten nach zweieinhalb Stunden (samt 20-minütiger Pause) mit stehenden Ovationen. Schönes Detail im Anschluss: Alle Artisten stehen im Foyer für gruselige Fotos zur Verfügung.

Service

Der Zirkus des Horrors gastiert noch bis 23. September in Dresden.

Showzeiten: montags bis freitags um 19.30 Uhr

samstags um 15.30 + 19.30 Uhr

sonntags um 18.00 Uhr

http://zirkusdeshorrors.de

Von Franziska Kästner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1966.

15.09.2018

Das Städtische Klinikum Dresden schreibt Verluste, das Universitätsklinikum dagegen Gewinn. Im DNN-Interview erklärt der Medizinische Vorstand Professor Michael Albrecht, welche Leistung dazu führt. Wettbewerbsvorteile sieht er nicht auf seiner Seite.

15.09.2018

Volkswagens Elektro-Bolide I.D.R ist in Dresden. Der Rennwagen hatte im Juni beim Pikes Peak-Rennen in Colorado Geschichte geschrieben. Nun ist er vom 15. bis zum 23. September in der Gläsernen Manufaktur Dresden zu bestaunen.

15.09.2018