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Lokales Unterwegs mit der DVB-Polizei
Dresden Lokales Unterwegs mit der DVB-Polizei
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07:41 10.08.2018
René Klemm und Thomas Böhme (v.l.) sind für die Dresdner Verkehrsbetriebe als Dispatcher im Einsatz. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Während die Stadt schläft, herrscht auf dem Betriebshof Trachenberge reger Betrieb. Dennoch ganz ohne Hektik. Es ist kurz vor vier Uhr am Donnerstagmorgen. Der Himmel ist schwarz, die Luft angenehm kühl und die Straßen leer. In regelmäßigen Abständen fährt eine Straßenbahn aus dem Betriebshof, um die ersten Berufstätigen abzuholen oder die letzten Discogänger nach Hause zu bringen. Vor dem Einsatzleitergebäude hält ein Dispatcher-Wagen. Die Nachtschicht ist vorbei, die Ablöse wartet schon im Büro.

Die Berufsbezeichnung „Dispatcher“ lässt sich mit Fahrdienstleiter oder Koordinator übersetzen. Allerdings bürgerte sich der Name bereits zu DDR-Zeiten ein, ist also keine Erfindung der Neuzeit. Wer bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) Dispatcher werden möchte, kann sich nur unternehmensintern bewerben und muss Straßenbahn- und/oder Busfahren können, sowie einen Meisterabschluss vorweisen können.

Die „Mädchen für alles“

Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft, bei einem „Schälchen Heeßen“ wird die anstehende Frühschicht besprochen. An diesem Morgen sind die Dispatcher René Klemm und Thomas Böhme im Einsatz. „Über Nacht haben wir ein neues PC-System bekommen, da müssen wir uns jetzt erstmal reinfuchsen“, sagt Böhme munter und gut gelaunt. Er ist seit 1995 mit dem Dispatcher-Wagen entlang des Dresdner Streckennetzes unterwegs. Vor etwa sieben Jahren hat er René Klemm eingearbeitet und seitdem verbringen sie immer mal wieder eine Schicht gemeinsam.

Was Türen stoppen kann, stoppt auch Weichen: Einfache Holzkeile verhindern bei Sperrungen ein automatisches Umstellen der Weichen. Quelle: Anja Schneider

Und die ist meist alles andere als eintönig. „Man kommt morgens zur Arbeit und weiß nicht, was einen erwartet“, sagt Klemm. Jetzt gerade ist es ruhiger, weil Sommerferien sind. Doch das wird sich schon am kommenden Montag ändern: „Dann bricht erstmal Chaos aus“. Rund 20 Dispatcher und noch mal 20 Mitarbeiter in der Leitstelle sorgen dafür, dass die Wiederaufnahme des dichteren Fahrplanes nach den Ferien so reibungslos wie möglich vonstatten geht. Da kommen etliche Aufgaben zusammen: Schlafende Fahrgäste oder Obdachlose an der Endhaltestelle aus der Bahn begleiten, kleine Reparaturen vornehmen, Alkoholkontrollen bei den Fahrern oder auch das Absichern und Dokumentieren von Unfällen, bei denen Straßenbahnen oder Busse involviert sind. „Ich bezeichne uns gern als DVB-Polizei, nur ohne Blaulicht“, sagt Böhme.

In den vergangenen Jahren hat er schon einiges erlebt und manche Bilder werde er auch nie wieder los, wie er erzählt. „1995 wurden wir zu einem Unfall gerufen, da hatte es richtig schlimm gekracht. Ein Pkw-Fahrer war gegen einen unserer Fahrleitungsmasten gerast und musste mühsam von der Feuerwehr rausgeschnitten werden. Mein Einarbeiter meinte noch, ich müsse mir das nicht anschauen. Aber man ist eben neugierig“, erinnert sich der gelernte Straßenbahnfahrer. Aber auch schöne Erlebnisse prägen den Arbeitsalltag der Dispatcher. Da kann es auch mal vorkommen, dass sich eine gemeldete Fundsache als Kleinkind herausstellt. „Plötzlich hatte ich ein kleines Kind auf dem Arm, dessen Eltern wohl nicht ganz beisammen waren und es in der Bahn vergaßen“, berichtet Klemm. In solchen Fällen werde natürlich die Polizei verständigt, die den Fall dann übernimmt.

Doch dann ist die morgendliche Plauderrunde erstmal vorüber und es geht in die Spur. Insgesamt sind vier Dispatcher-Wagen unterwegs, einer davon rund um die Uhr. Das erste Ziel der morgendlichen Kontrollrunde: Der Betriebshof in Gorbitz.

Die Aufträge müssen oft mitten im Straßenverkehr erledigt werden. Warnwesten sind dabei Pflicht. Quelle: Anja Schneider

Auf dem Weg dahin werfen die Dispatcher einen Blick auf die Haltestellen, bestehende Umleitungen und Baustellen. Auf dem Betriebshof wird eine Runde gedreht und dann geht es auch schon weiter nach Gruna. Präsenz zeigen zählt auch zu den Aufgaben der Koordinatoren. „Wenn es die Zeit zulässt, fahren wir zu den Endhaltestellen und reden mit den Fahrern. Die sind dort oft allein und wir merken, dass viele Fahrer froh über einen Besuch sind und sich eventuelle Sorgen von der Seele reden können“, sagt Klemm.

Dann klingelt plötzlich das Telefon im Auto. Unüberhörbar laut. Ein Bus habe technische Probleme und wartet bei den Flugzeugwerken auf die Dispatcher. „Der Bus wird in der Leitstelle auf der Videowand nicht mehr angezeigt, da müssen wir die Elektronik neustarten“, erklärt Böhme. Eine Sache von weniger als einer Minute, allerdings benötigt das System einige Minuten, um wieder hochzufahren. „Deshalb können wir solche Reparaturen nur an der Endhaltestelle erledigen“, ergänzt er. Während er das Technikproblem im Bus der Linie 70 löst, geht die Sonne über Dresden auf.

Holzkeile statt aufwendige Elektronik

Nun ist allerdings Eile gefragt: 7.49 Uhr fährt die letzte Linie 9 am Carolaplatz in Richtung Antonstraße/Leipziger Straße, danach ist die Strecke für den Rest des Tages gesperrt. Damit keine Straßenbahn versehentlich abbiegen kann, müssen die Weichen mechanisch blockiert werden. Etwa 20 Minuten bleiben den Dispatchern, um von Klotzsche durch den Berufsverkehr zum Carolaplatz zu gelangen. Doch alle Bedenken sind unnötig, die Königsbrücker Straße gewährt freie Fahrt. Am Carolaplatz angekommen, wird es Zeit für den Hauptakteur des Auftrages: einfache Holzkeile. „Erzgebirgische Volkskunst“, scherzt der gelernte Berufskraftfahrer Klemm und legt die Keile an ihren Platz. Mehr braucht es nicht. „So verhindern wir, dass die Weichen elektronisch umgestellt werden und die Bahn in die gesperrte Zone abbiegt. Bei längeren Sperrungen würden wir das über die Elektronik regeln, aber bei wenigen Stunden lohnt sich der Aufwand nicht“, erklären die Dispatcher.

Nach etwa einer halben Stunde ist auch dieser Auftrag erledigt und die anschließende Fahrt führt zurück zum Betriebshof Trachenberge: Frühstückspause. Nicht immer ist dafür Zeit, manchmal muss die Schnitte auch nebenbei gegessen werden. Aber heute nicht. Inzwischen ist es 8.30 Uhr und Zeit für frischen Kaffeeduft im Haus der Einsatzleiter. Nach und nach gesellen sich weitere Dispatcher an den Pausentisch und erzählen von ihren Einsätzen. Dazu zählte auch der Unfall mit Todesfolge in Zschertnitz am Mittwochmorgen. Auch wenn die Bahn nicht direkt betroffen war, wurde die Linie 11 für eine Stunde ausgesetzt. „Aus Pietätsgründen“, erklärt der Kollege. Bei solch tragischen Einsätzen muss der Dispatcher-Wagen auch mal zum Sichtschutz umfunktioniert werden. Für Thomas Böhme und René Klemm geht es 9 Uhr weiter mit der nächsten Kontrollfahrt, bevor 11.30 Uhr der wohlverdiente Feierabend wartet.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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