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Lokales „Unter Drogen war ich nicht ich selbst“
Dresden Lokales „Unter Drogen war ich nicht ich selbst“
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11:30 31.08.2018
Symbolbild Quelle: picture alliance / dpa
Dresden

Bei Susanna S.war wieder einmal viel zusammengekommen. Sechs Anklagen verlas die Staatsanwältin am Donnerstag im Amtsgericht in Dresden. Und sie hatte da einiges zu verlesen – Diebstähle en masse, Betrug, Schwarzfahren, Hausfriedensbruch, Handel mit Betäubungsmitteln und Abgabe von Drogen an Minderjährige. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass die Angeklagte über eine längere Zeit eine 12-Jährige mit Crystal versorgt hat.

Drogen als Dank fürs Klauen

Das Mädchen bekam die Drogen als Dankeschön fürs Klauen. Denn eine 12-Jährige kann, wenn sie erwischt wird, dafür nicht strafrechtlich belangt werden. So schickte Susanna S. das Mädchen zum Mausen in Geschäfte und zur Belohnung gab es Crystal. Das ist wirklich kriminell, allerdings war die 12-Jährige schon vorher auf die schiefe Bahn geraten, nahm bereits Drogen und lebte auf der Straße, als sich die beiden kennenlernten. Aber statt zu helfen, hat die Angeklagte das Kind ausgenutzt. Auch Susanna S. war zu der Zeit obdachlos, schlief mal hier, mal da.

Dabei lief es bei ihr zuvor ganz normal – Schule, Berufsausbildung, Job, Kinder. Aber als der Kindsvater 2014 ins Gefängnis musste, kam der soziale Abstieg: Susanna S. geriet an die falschen Freunde, nahm Crystal und zwar viel, brach Entgiftungen ab, wurde immer wieder rückfällig, verlor die Kinder und die Wohnung, bekam keine Sozialleistungen, weil sie nicht zum Amt ging und stattdessen lieber klaute und das im großen Stil, es folgten Verurteilungen.

Im November 2016 wurde sie wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde noch einmal zur Bewährung ausgesetzt. Susanna S. ignorierte diese Chance und machte einfach weiter wie bisher.

Sie zog allein, aber meist mit Kumpanen – „Man hilft sich da gegenseitig. Die waren ja in der selben Lage wie ich.“ – und präparierten Taschen durch die Dresdner Geschäfte. Geklaut wurde alles was gut und teuer ist und sich einfach weiterverkaufen lässt – teure Parfüms, Markenklamotten, hochwertige Kindersachen. Namen der Hehler wollte sie nicht nennen. „Wie andere Leute auf Arbeit gehen, gingen Sie stehlen“, so der Vorsitzende Richter im Amtsgericht. Der Erlös der Diebestouren floss in Drogen, manchmal verkaufte sie die auch weiter oder gab sie eben an die 12-Jährige ab.

Angeklagte räumte Vorwürfe ein

Gelegentlich mietete sich die Angeklagte in Pensionen ein und haute dann ohne zu bezahlen ab. Einmal ließ sie sogar einen Fernseher aus einem Zimmer mitgehen – auch der wurde für Crystal verkauft.

Die 28-Jährige räumte die Vorwürfe ein, was ihr positiv angerechnet wurde, da sie dem Gericht so einen langen Prozess ersparte. „Unter Drogen war ich nicht ich selbst. Ich will eine Therapie machen, um mein Leben in der Griff und meine Kinder zurückzubekommen“, erklärte die Frau im Gerichtssaal. Den Kindern, das jüngste ist erst einige Monate alt, wäre das zu wünschen, aber sie werden Jahre warten müssen, bis sie ihre Mutter wiedersehen..

Susanna S. wurde am Donnerstag für Straftaten die sie bis November 2016 beging, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, darin floss die damalige Entscheidung des Amtsgerichts mit ein, die auf Bewährung ausgesetzt worden war. Für die danach folgenden Taten kassierte die 28-Jährige zudem eine Haftstrafe von weiteren zwei Jahren und sieben Monaten. Insgesamt muss sie fast sechs Jahre hinter Gitter.

Von Monika Löffler

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