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Lokales Uniklinikum und Klinik Bavaria gründen Pilotprojekt gegen Sepsis
Dresden Lokales Uniklinikum und Klinik Bavaria gründen Pilotprojekt gegen Sepsis
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11:03 19.09.2018
Das Tattoo von Sepsis-Patientin Ute Hinze zeigt, wie einschneidend der Kampf gegen die in 30 Prozent der Fälle tödlich verlaufende Blutvergiftung für sie gewesen ist. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ein Tattoo auf ihrem linken Unterarm erinnert Ute Hinze täglich daran, wie sie ihre lebensbedrohliche Sepsis schließlich besiegt hat. Weihnachten 2016 ruft sie einen Notarzt – denn das Fieberthermometer zeigt über 40 Grad. Der Notarzt vermutet einen grippalen Infekt und nimmt sie nicht mit. Daraufhin weist sie sich selbst in Krankenhaus St. Johannstift ein und wird sofort an die Uniklinik überwiesen. Der Verdacht: akute Sepsis. „Eine Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland“, sagt die Professorin Thea Koch, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Uniklinikum.

Zusammen mit der Klinik Bavaria in Kreischa geht am 1. Oktober das neue „Comprehensive Sepsis Center“ in Betrieb. Es sieht als weltweit erstes Zentrum dieser Art vor, alle Behandlungsphasen von Patienten mit einer schweren Blutvergiftung von der Akutbehandlung bis zur Reha zentral zu organisieren.

Uniklinik-Professorin Thea Koch und Ulf Bodechtel vom Zentrum für Intensivmedizin der Klinik Bavaria wollen die Überlebenschancen für Betroffene erhöhen. Quelle: Anja Schneider

„Aktuell sterben rund 30 Prozent der Sepsis-Patienten“, sagt der Medizinische Vorstand des Uniklinikums Michael Albrecht. Das Pilotprojekt soll die einzelnen Behandlungsschritte in der meist monatelangen Behandlungsdauer nun besser miteinander verzahnen und dadurch die Überlebenschancen der Patienten mit einer schweren Blutvergiftung erhöhen.

„Rund 60 Prozent entwickeln eine Sepsis außerhalb des Krankenhauses, wie Ute Hinze“, erklärt Koch. Rund 40 Prozent erkranken an der Blutvergiftung mit Keimen im Krankenhaus, wenn das Immunsystem bereits durch andere Krankheiten sehr geschwächt ist.

Hightech hält Sepsis-Patienten am Leben

„Mit jeder Stunde, in der die Sepsis unbehandelt voranschreitet, sinkt die Überlebenschance um 7 Prozent“, erklärt Koch. Die Blutvergiftung führt zu multiplen Organversagen – so wie bei Hinze, deren Lunge schwer angegriffen wurde. Bis heute leidet sie unter Asthma.

Wie sie werden jährlich rund 500 Patienten mit einer schweren Blutvergiftung im Uniklinikum akut mit Antibiotika behandelt und mit Hightech-Maschinen am Leben gehalten, die versagende Organe vorübergehend ersetzen. Anschließend müssen die Patienten viele Fähigkeiten wie Laufen, Sprechen und Schlucken wieder neu lernen. Zur Reha werden die Patienten in die Bavaria Klinik in Kreischa verlegt. „Mit Hilfe von Telemedizin können wir uns mit dem Uniklinikum abstimmen, wann ein Patient bereit für die Verlegung ist“, sagt Ulf Bodechtel von der Bavaria Klinik. Das Ziel: Dass möglichst viele Sepsis-Patienten wieder in ihren Alltag finden – so wie Ute Hinze, die seit kurzem wieder arbeiten gehen kann.

Von Tomke Giedigkeit

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