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Lokales Uniklinikum erhält neues Forschungszentrum für Stoffwechselerkrankungen
Dresden Lokales Uniklinikum erhält neues Forschungszentrum für Stoffwechselerkrankungen
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18:14 03.12.2018
Professor Jan Schulze (l.) hat in Dresden auch in Sachen Diabetes Bahnbrechendes geleistet, Professor Stefan Bornstein hat mit MITS und dem Bioreaktor für Diabetes-Kranke ähnliches vor. Quelle: Uwe Hofmann
Dresden

Am Dresdner Uniklinikum entsteht ein neues Forschungszentrum. Das Zentrum für Metabolisch-Immunologische Erkrankungen und Therapietechnologien Sachsen (MITS) wird auf einer Brache an der Ecke Augsburger Straße und Fiedlerstraße errichtet. Ab 2023, vielleicht auch schon ein Jahr eher, sollen die ersten der rund 100 Wissenschaftler, Mediziner und Techniker, die dort in 13 Projektgruppen einmal Grundlagenforschung zu Stoffwechselerkrankungen betreiben werden, in den rund 35,5 Millionen Euro teuren Neubau einziehen, sagte Sprecher und Diabetes-Experte Stefan Bornstein am Rande des ersten Spatenstichs am Montag. In die Finanzierung teilen sich Bund und Freistaat.

Die Fassade des neuen Forschungszentrums für Stoffwechselerkrankungen MITS greift den Bioreaktor für Diabetes-Patienten auf. Quelle: wörner traxler richter

Bis zur Finanzierung war es ein weiter Weg, merkte der sichtlich zufriedene Professor Bornstein an. Auf dem Weg dorthin kam immer wieder ein kleiner runder Kasten mit etwa sechs Zentimetern Durchmesser zum Einsatz, den Bornstein auch am Montag zur Erläuterung aus seiner Tasche zog. Es handelt sich um eine Art Herzschrittmacher für Patienten, die am Diabetes Typ I leiden. Und Diabetes ist „eine Volksseuche“, wie der Medizinische Vorstand des Uniklinikums, Heinz Reichmann, betonte.

Acht Millionen Erkrankte in Deutschland

In Deutschland soll es acht Millionen Erkrankte geben, darunter etwa 1,3 Millionen, die noch gar nicht wissen, dass sie unter einen der beiden Diabetes-Typen leiden. Hinzu kommt, dass Diabetes als Zivilisationskrankheit gilt, die von mangelnder Bewegung, zu fetter und süßer Ernährung und Stress begünstigt wird. Alle Experten gehen daher von künftig steigenden Erkrankungsraten aus. Das sind keine schönen Aussichten, aber in Sachen Finanzierung in Ministerien und Parlamenten ein Türöffner. Wer Grundlagen zur Therapie und Vermeidung von Diabetes erforscht, hat derzeit gute Chancen.

Und die haben die Dresdner genutzt, um ein besonders innovatives Konzept zu verwirklichen. Im neuen Forschungszentrum kommen nicht nur Ärzte und Forscher verschiedener Richtungen zusammen, sondern auch Techniker, Ingenieure und Informatiker. So soll zum Beispiel die Entwicklung der kleinen Dose vorangebracht werden. Sie wird mit Beta-Zellen von Schweinen befüllt und in den Körper Erkrankter verpflanzt. Im Bauchfell des Patienten verhindert eine Membran dieses Bioreaktors, dass die Immunabwehr des Patienten die Beta-Zellen angreift, lässt aber Nährstoffe hindurch. Die Beta-Zellen können dann nach Bedarf Insulin herstellen und die Gabe von außen ersetzen. „Wir machen das Schweinefleisch koscher“, sagt Professor Bornstein über den Bioreaktor.

Bessere Ergebnisse durch kurze Wege

Damit dieser künftig bei möglichst vielen Patienten zum Einsatz kommen kann, muss seine Arbeitsweise aber noch verbessert werden. Daran sind nicht nur Biologen und Ärzte beteiligt, sondern auch Materialforscher. Während sie jetzt noch auf verschiedene Einrichtungen verteilt arbeiten, kommen sie am MITS unter einem Dach zusammen, was für kurze Wege und bessere Ergebnisse sorgen soll.

Auch bei anderen Forschungsprojekten sollen unterschiedliche Disziplinen zusammenkommen. „Wir bringen Genetiker mit Informatikern zusammen“, nannte Professor Bornstein ein Beispiel. Die klinische Anwendung der neuen Therapieansätze, bei denen es zum Beispiel auch um die Aktivierung blockierter Beta-Zellen bei Diabetes-II-Patienten geht, kann dann nebenan in den entsprechenden Fachabteilungen des Uniklinikums geschehen – und das vielleicht weltweit zum ersten Mal.

Wichtige Grundlagenforschung

Bei anderen der 13 Forschungsprojekte im MITS geht es um strenge Grundlagenforschung, die allerdings wichtige Erkenntnisse für anwendungsnähere Forschungsprojekte liefern kann. Man versuche zum Beispiel zu verstehen, wie genau die Rezeptoren von Inselzellen funktionieren, nennt Bornsteins Mitstreiter Professor Michele Solimena ein Beispiel.

Und auch andere Forschungsprojekte werden in den Laboren und Arbeitsräumen des MITS auf 2000 Quadratmetern ein Zuhause finden. Dabei geht es zum Beispiel um Stoffwechselerkrankungen, die sich auf den Knochen oder die Nebennieren auswirken. Auch für sie waren Diabetes-Experte Bornstein und sein kleiner, stets griffbereiter Bioreaktor so etwas wie ein Türöffner.

Von Uwe Hofmann

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