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Lokales Uniklinikum Dresden: Schnelle Hilfe kurz nach der Geburt
Dresden Lokales Uniklinikum Dresden: Schnelle Hilfe kurz nach der Geburt
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14:54 12.12.2015
Prof. Günter Lauer mit Laura Hackeschmidt. Sie war eine der ersten Patienten des Interdisziplinären Zentrums. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

In ihrem Fall war das eine Gaumensegelspalte und eine Sehschwäche durch den Grauen Star. Die 20-Jährige hat über das Krankheitsbild einen Aufsatz verfasst, den man im Internet nachlesen kann. Heute führt Laura Hackeschmidt, die am Radebeuler Lößnitzgymnasium Abitur gemacht hat und jetzt Kindheitspädagogik an der Fakultät Sozialwissenschaften der Hochschule Zittau/Görlitz studiert, seit vielen Jahren im Chor singt und begeistert Klavier spielt, ein normales Leben.

Dass das so ist, daran hat das Interdisziplinäre Zentrum für die Behandlung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten am Universitätsklinikum "Carl Gustav Carus" an der TU Dresden einen großen Anteil. Das Zentrum gibt es seit nunmehr 20 Jahren.

Gegründet wurde es von Prof. Uwe Eckelt. Zu einer Zeit, da das vormals größte Spaltzentrum der DDR, die Klinik für Plastische und Wiederherstellende Kiefer- und Gesichtschirurgie "Wolfgang Rosenthal" Thallwitz/Sachsen, aufgelöst worden war. "Die Unterlagen der Patienten gingen im Wesentlichen nach Leipzig. Doch für alle, die in Ostsachsen wohnten, war es dahin ein weiter Weg", erzählt Prof. Günter Lauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Uniklinik. So entstand das Spaltzentrum an der Uniklinik in Dresden - heute eines von dreien in Sachsen.

Etwa 850 Patienten wurden seitdem operiert. Gegenwärtig sind es über 50 pro Jahr. Der Vorteil des Zentrums ist, dass verschiedene Fachrichtungen, die an der Behandlung mitwirken, eng und abgestimmt zusammenarbeiten. Dazu gehören Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Kieferorthopäden, Hals-Nasen-Ohrenärzte und Logopäden. Da die Lippen-Kiefer-Gaumenspalten mit anderen Fehlbildungen an den Augen und/oder dem Herzen einhergehen können, sind also weitere Fachrichtungen involviert. Zudem werden die Patienten in dem Zentrum auch nach den Operationen betreut - und zwar bis zum 18. Lebensjahr. "Wir prüfen, wie sich die Kinder entwickeln, beraten die Familien, können sofort reagieren und entsprechende Behandlungen einleiten oder wenn nötig noch einmal operativ korrigierend eingreifen." Den betroffenen Familien bleiben viele Wege erspart.

"Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zählen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen", weiß Prof. Lauer. Eines von 500 Neugeborenen ist davon betroffen. Eine eindeutige Ursache gibt es nicht. Günter Lauer spricht von einem "multifaktoriellen Geschehen". "Die Spaltbildung kann genetisch bedingt sein, es können Umweltfaktoren und Stoffwechselstörungen eine Rolle spielen." Er habe im Studium noch gelernt, dass die Häufigkeit des Auftretens einer solchen Fehlbildung bei 1:700 liegt. Dass sie offensichtlich häufiger geworden ist, schiebt er darauf, "dass Paare immer älter werden, bevor sie Eltern werden", und dass die Fehlbildung nicht als Grund gesehen werde, ein (lange) gewünschtes Kind abzutreiben.

Tatsächlich ist die Medizin heute so weit, dass man von einer Spaltbildung betroffenen Kindern auf eine Weise helfen kann, die die körperlichen Beeinträchtigungen auf ein Minimum reduziert bzw. ganz verschwinden lässt. "Durch verbesserte und schonendere Narkoseverfahren können wir bereits wenige Monate nach der Geburt Operationen ohne größeres Risiko für die Kinder durchführen." Zudem seien die Operationstechniken so weiterentwickelt worden, dass ästhetisch immer bessere Ergebnisse erzielt werden. In der Regel sind die Operationen überstanden, wenn die Kinder ein Jahr alt sind.

Der 20. Geburtstag des Interdisziplinären Zentrums für die Behandlung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist heute Anlass für ein Symposium am Dresdner Uniklinikum.

Catrin Steinbach

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