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Lokales Überraschungskonzert: Die Toten Hosen rocken gegen Pegida
Dresden Lokales Überraschungskonzert: Die Toten Hosen rocken gegen Pegida
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08:52 28.03.2017
Die Toten Hosen haben am Montagabend überraschend ein Konzert auf der NOPE-Demo gegeben. Quelle: dpa
Dresden

Es war die wohl größte positive Überraschung seit langem für die Gegner von Pegida in Dresden: Die Punkrock-Legenden der „Toten Hosen“ unterstützten am Montagabend die Demo der Gruppe „Nope“ musikalisch. Auf einem LKW spielte die Band zweieinhalb Stunden lang – inklusive eines lautstarken Ständchens für Pegida am Altmarkt.

Die Toten Hosen sind aktuell auf Promo-Tour für ihr neues Album und spielen dabei mehrere Mini-Konzerte in Wohnzimmern, Partykellern oder Proberäumen. Für die Konzerte konnten sich die Fans per Videobotschaft bewerben – Mitstreiter von Nope versuchten ihr Glück und erhielten den Zuschlag.

Damit hatte niemand gerechnet: Die Toten Hosen haben mit einem Überraschungskonzert am Neumarkt die „Nope“-Aktivisten unterstützt, die sich jeden Montagabend mit eigenen, zumeist dünn besuchten Demonstrationen gegen Pegida stellen.

Wie Sänger Campino hinterher verriet, hatte die Band sofort zugesagt. Nope mache in Dresden einen Job, der unglaublich ist. Man wolle mit dem Konzert jenen Danke sagen und den Respekt erweisen, die hier Woche für Woche die Stellung halten.

Im Februar 2016 hatten bereits Deichkind mit einem Gratis-Konzert die Pegida-Gegner unterstützt. Damals waren Tausende auf den Theaterplatz gekommen, die aber sonst größtenteils am Montagabend zuhause bleiben. Genau das wollten die Toten Hosen nicht. Daher blieb der Gig bis zuletzt geheim, auch Polizei und Ordnungsamt waren nicht vorab informiert worden. Erst als die Plane des LKW kurz nach 18.30 Uhr auf dem Neumarkt geöffnet wurde, erfuhren die meisten Nope-Demonstranten, was da vor sich geht. So spielten Campino und Co. zu Beginn wie gewünscht nur für die, die jede Woche gegen Pegida auf die Straße gehen, auch wenn sich die Nachricht schnell verbreitete und immer mehr Hosen-Fans dazu stießen.

Nach dem Start auf dem Neumarkt zog der Demo-Tross weiter zum Altmarkt, wo die Pegida-Anhänger dieses Mal deutlich weniger schadenfroh als sonst zur Gegendemo blickten. Mit Songs wie „Madelaine aus Lüdenscheid“, „Willkommen in Deutschland“ oder „Schrei nach Liebe“ von der Konkurrenz von den Ärzten hatten die Musiker auch die passende Botschaft für die  „Friede-Freude-Eierkuchen-Truppe“, wie Campino kommentierte.

Über den Postplatz und die Augustusbrücke ging es bis zum Albertplatz. Neben jeder Menge eigener Hits – die geplante Setlist war beim Überqueren der Elbe schon abgespielt – gab die Band auch Nope und anderen Aktivisten Raum für Ansprachen. Nope wünschte sich dabei vor allem eins: Dass möglichst viele der Besucher auch an normalen Montagen dabei sind, wenn keine Stargäste auftreten.

Neben Nope hatte am Montagabend auch das City-Management samt „Dresden.Respekt“ auf den Neumarkt eingeladen. Zu „Das Volk tanzt – für mehr Respekt“ kamen rund 100 Menschen, von denen einige auch wie gewünscht das Tanzbein schwangen. "Wir sind zufrieden damit", so Citymanager Jürgen Wolf. Das Tote Hosen-Konzert hatte ihn zunächst komplett überrumpelt, beide Veranstalter hatten den jeweils anderen nicht über ihre Pläne informiert. Am Ende kamen sich beide jedoch nicht ins Gehege und Wolf freute sich über die gelungene Überraschung.

Während Pegida demonstrierte, wurde auf dem Neumarkt getanzt. Zu der Veranstaltung, die sich explizit gegen das islamfeindliche Bündnis richtete, kamen rund 100 Menschen auf den Platz vor der Frauenkirche - und einige schwangen das Tanzbein.

Bei der Pegida-Demonstration kamen in etwa so viele Menschen wie in den vergangenen Wochen, vielleicht etwas weniger. Die Forschungsgruppe „Durchgezählt“ hat die wöchentliche Zugzählung eingestellt, will nur noch sporadisch Stichproben machen. Knapp 2000 Teilnehmer – das ist mit geringen Schwankungen das Potenzial, das Pegida seit Wochen und Monaten auf die Straße bringt. Unter den Rednern ließ sich Pegida-Vize Siegfried Däbritz als Geburtstagskind feiern. Der Wiener Martin Sellner von der Identitären Bewegung erklärte den Pegidisten das Deutschsein und verglich sie mit Hausmeistern und den „denkbar unqualifiziertesten Mitarbeitern, die den größten Unfall verhindern müssten“.

sl/jw/uh

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