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Lokales Über 1000 Nieren an Dresdner Uniklinik transplantiert
Dresden Lokales Über 1000 Nieren an Dresdner Uniklinik transplantiert
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07:48 27.03.2018
Nierentransplantation Uni Klinikum Dresden Ronny Kneipel 1001. Patient und Karsten Dürr 1. Patient (weißer Pullover) Quelle: Anja Schneider
Dresden

Im Dresdner Uniklinikum warten derzeit 254 Patienten auf eine neue Niere. 27 Nieren konnten in diesem Jahr bereits übertragen werden. Eine davon bekam der 45-jährige Ronny Kneipel. Die Spenderin war seine sechs Jahre jüngere Schwester. Im Gegensatz zu vielen Patienten, die jahrelang mehrmals in der Woche zur Dialyse müssen, wurde Kneipel nach nur zweieinhalb Monate von der Prozedur erlöst.

Zystenniere häufigste genetische Erkrankung

Dass seine Schwester ihm ohne zu zögern eine Niere spendete, lag auch an der familiären Vorgeschichte: Ronny Kneipel litt an einer sogenannten Zystenniere, ebenso wie seine Mutter. Sie bekam vor einigen Jahren ein Spenderorgan, welches vom Körper allerdings nach nur sechs Monaten abgestoßen wurde. Davor musste sie sich neun Jahre lang mehrmals wöchentlich einer Dialyse unterziehen.

Professor Manfred Wirth, Direktor der Klinik für Urologie, erklärt, dass eine lange Dialysezeit zu Verkalkungen der Gefäße führt. „Je länger eine Dialyse notwendig ist, desto schlechter sind die Voraussetzung bei einer Transplantation. Durch die Verkalkungen lässt sich nur schwer ein Platz finden, an dem das neue Organ angeschlossen werden kann“, erklärt Wirth. Die Mutter von Ronny Kneipel ist das traurige Beispiel dafür, was jahrelanges Warten auf eine Spenderniere anrichten kann: Ein Jahr nach der Transplantation starb sie mit nur 60 Jahren.

Lebendspenden sollen nicht die Lösung sein

Die Zahlen der Organspender sind so niedrig wie nie zuvor. Deutschlandweit sind es gerade mal 800. Das spiegelt sich auch in den Zahlen der Dresdner Uniklinik wider. Wurden 2015 noch 83 Nieren transplantiert, waren es im vergangenen Jahr gerade mal 54. Die Zahl der Lebendspenden ist leicht gesunken. 2015 und 2016 spendeten 17 Menschen ihre Niere zu Lebzeiten, 2017 waren es 15.

„Bevor eine Lebendspende infrage kommt, wird der potenzielle Spender im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren geprüft“, erklärt Professor Christian Hugo. Er leitet den Bereich der Nephrologie und betreut auch die Kneipels. „Ein Lebendspender muss überdurchschnittlich gesund sein, um spenden zu können“, sagt Hugo und betont, dass natürlich auch der Spender Nachteile davontrage. Die Risiken, früher zu sterben oder nierenkrank zu werden, könne man mit einem Raucher vergleichen, der zwei gesunde Nieren hat. 90 Prozent erholen sich nach einer Spende in den ersten drei Monaten, die restlichen zehn Prozent brauchen bis zu einem Jahr. Dennoch können Lebendspenden laut Wirth „nicht die Lösung sein“.

Mit den Wartejahren sinkt die Erfolgsrate der Transplantionen

Die Ärzte sind sich einig, dass die Zahl der Organspender steigen muss. Dabei reicht es, wenn die Angehörigen informiert sind Es muss nicht zwingend schriftlich festgehalten sein. Positive Beispiele gibt es in Europa. So wird die Organspende in Spanien und Österreich nach dem Prinzip des Widerrufs geregelt. Das bedeutet, die Einwohner werden mehrfach gefragt, ob sie eine Spende ablehnen. Wenn sie darauf nicht reagieren, sind sie automatisch als Organspender eingetragen. In Spanien beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine neue Niere zwei Jahre. In Deutschland sind es sieben, Tendenz steigend. „Nach mehr als acht Jahren Dialyse wird es zunehmend fraglich, ob sich eine Transplantation aufgrund der Verkalkungen noch lohnt“, gibt Wirth zu denken.

Mehr positive Beispiele notwendig

So lange es politisch gesehen keine Änderung der Regelung zur Organspende gibt, müssen die Menschen anderweitig dafür sensibilisiert werden. Positive Beispiele sind Ronny Kneipel, der die 1001. Niere in der Dresdner Uniklinik bekam sowie Karsten Dürr. Der 54-Jährige bekam vor 23 Jahren die erste Niere in Dresden transplantiert. „Sein Organ ist nach all den Jahren immer noch in einem hervorragenden Zustand“, freut sich Professor Wirth und hofft auf weitere positive Beispiele in der Zukunft.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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