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Lokales Trotz WhatsApp - Ansichtskarten noch immer sehr beliebt
Dresden Lokales Trotz WhatsApp - Ansichtskarten noch immer sehr beliebt
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12:58 22.07.2018
Zwinger, Frauenkirche, Elbdampfer und blauer Himmel: Ansichtskarten sind noch immer beliebt. Quelle: dpa
Dresden

Zwinger, Frauenkirche, Elbdampfer und blauer Himmel: Trotz Facebook, WhatsApp & Co sind vor allem während der Urlaubszeit, zu Weihnachten und Ostern handgeschriebene Ansichtskarten noch immer beliebt. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Dann sei „Postkartenzeit“, heißt es bei der Deutschen Post. Dennoch: Die Postkarten werden weniger. Die Deutsche Post hat nach eigenen Angaben 2017 rund 195 Millionen Postkarten transportiert, rund 5 Millionen weniger als im Jahr zuvor. 2014 waren es noch 210 Millionen Karten. Wie viele Karten in Sachsen jährlich verschickt werden, ist nicht bekannt.

Seit 1870 werden in Deutschland Postkarten verschickt. Die damalige „Correspondenzkarte“ hatte der Postreformer Heinrich von Stephan (1831-1897) als günstige Form der Mitteilung für die Bevölkerung eingeführt. Mit Erfolg. Etwa zur Jahrhundertwende 1900 wurden jährlich um eine Milliarde Postkarten versandt.

„Der Abschwung der Postkarte hat nicht erst mit WhatsApp begonnen“, sagt der Direktor des Institutes für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden, Lutz Hagen. Schon in den 1950er Jahre habe sich deren Zahl etwa halbiert. „Mehr Menschen konnten sich Auslandsreisen leisten. Fremde Städte waren nichts Besonderes mehr.“ Später habe das Fernsehen die Welt ins Wohnzimmer gebracht, das Telefonieren sei einfacher und günstiger geworden, dann seien das Internet und das Mobiltelefon hinzu gekommen. „Aber aussterben wird die Postkarten dennoch nicht“, ist Hagen überzeugt.

Thomas Böttger, der Mitinhaber eines kleinen Verlages in Witzschdorf im Erzgebirge, stimmt ihm zu. „In den klassischen Touristenregionen ist die Nachfrage relativ konstant.“ Abseits vom Tourismus gebe es die klassische Ansichtskarte hingegen kaum mehr. Seit 1992 hat der Verlag Böttger zufolge rund 4000 verschiedene Ansichtskarten von sächsischen Städten herausgegeben. „Eine handschriftliche Karte ist noch immer etwas Besonderes.“ Es gebe auch viele Sammler.

Die Tourist Information in Leipzig etwa hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mehr als 10 500 Karten verkauft. Beliebt als Motive seien das Alte Rathaus, das Völkerschlachtdenkmal sowie die Thomas- und die Nikolaikirche. Das Interesse des Publikums sei auch von Ereignissen abhängig: Beim Bachfest oder während der Adventszeit etwa laufe als Motiv die Thomaskirche gut.

Die CWE Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft verkauft jährlich konstant fast 5000 Karten. Die wichtigsten Motive seien der Karl-Marx-Kopf, das Rathaus mit Markt, der Theaterplatz und der Schlossteich mit Schlossberg, heißt es.

WhatsApp werde meist für einen schnellen Gruß genutzt, sagt die Sprecherin der Dresden Information. Die übermittelten Bilder seien aber meist nicht so gut wie die auf professionellen Postkarten. „Trotz moderner Technik und Messenger-Diensten sind Postkarten noch immer sehr beliebt“, sagt Sprecherin Dorothea Röhner. Die Motive wechselten mit der Jahreszeit: „Im Sommer sind es mehr die klassischen Stadtansichten, zur Striezelmarkt- und Weihnachtszeit die Wintermotive. Immer beliebt sind die Top-Sehenswürdigkeiten wie Frauenkirche, Semperoper und Zwinger.“ Und wo WhatsApp auch nicht mithalten könne, das seien Postkarten mit individuellen Ausmalmotiven für Kinder. „Die gibt es nur bei einem Besuch der Dresden Information.“

„Besucher und Gäste nutzen immer mehr ihr Handy, um schöne Motive zu fotografieren und sie dann sofort elektronisch zu versenden“, sagt die Chefin des Tourismusverbandes Erzgebirge, Veronika Hiebl. Neben schönen Bauwerken und Landschaften würden immer mehr ausgefallene Motive gesucht. „Viele Marketingfachleute installieren auch ganz bewusst sogenannte Selfi points, wo Gäste sich vor bestimmten Motiven selbst fotografieren und das Bild gleich posten können.“ Das sei optimales und kostenfreies Onlinemarketing.

Holger Naumann aus Dresden sammelt Postkarten mit Dresden-Motiven, seit er Schüler war und hat schon auf dem Schulhof Matchbox-Spielzeugautos oder West-Kaugummis gegen Postkarten „gekaupelt“, wie es in Sachsen heißt. Diese müssen original und vor 1945 gedruckt worden sein. „Die Karten dokumentieren Geschichte“, sagt der jetzt 60-Jährige. Rund 8500 verschiedene Motive sind zusammengekommen.

Für einen seltenen Fund muss Naumann jetzt bisweilen tief ins Portemonnaie greifen. Etwa 30 bis 80 Euro zahlen Sammler für Ansichten von Straßen und Plätzen, die es heute nicht mehr gibt. Für seltene Exemplare sind Preise von mehr als 100 Euro nicht unüblich. Selbst 1000 Euro sind im Ausnahmefall fällig. Einfache Karten mit gängigen Motiven oder geknickten Ecken sind hingegen schon ab einem Euro zu haben - und manchmal noch billiger.

Von Ralf Hübner

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