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Lokales Trotz Neubau nebenan verfällt die Behrsche Villa in Dresden immer weiter
Dresden Lokales Trotz Neubau nebenan verfällt die Behrsche Villa in Dresden immer weiter
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09:58 07.12.2017
Über 170 Jahre alt: die Behrsche Villa an der Glacisstraße.   Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 Während Bauarbeiter auf dem Grundstück an der Ecke Glacisstraße / Wigardstraße gerade zwei große Neubauten aus dem Boden sprießen lassen, machen sie einen großen Bogen um die sogenannte Behrsche Villa, die weiter ihr trostloses Dasein als unsaniertes aber denkmalgeschütztes Bauwerk fristet und langsam aber sicher zur Ruine verfällt. Wie es mit dem spätklassizistischen Bau weitergeht, ist offen. Sogar ein Abriss ist möglich.

Zwar sind die Auflagen für einen solchen Schritt hoch, doch auf der Visualisierungstafel von Eigentümer und Bauherr Gamma Immobilien aus Dresden ist nichts mehr von der Villa zu sehen. Laut Stadtverwaltung habe jeder Denkmaleigentümer prinzipiell die Möglichkeit, bei nachgewiesener Unwirtschaftlichkeit der Erhaltung eine Abbruchgenehmigung einzuholen.

Eigentümer und Bauherr Gamma Immobilien konzentriert sich auf seine Neubauten und nicht auf die denkmalgeschützte Villa

Das Denkmalamt machte aber auch noch einmal deutlich, dass der Eigentümer verpflichtet sei, das Haus zu erhalten. In jedem Fall muss also etwas mit der Behrschen Villa geschehen. Gamma Immobilien möchte sich aber nicht zur Zukunft des zwischen 1824 und 1832 erbauten Hauses äußern. „Wir haben uns intern beraten und entschieden, nicht mit Ihnen über diese Immobilie sprechen zu wollen“, erklärte eine Mitarbeiterin nach wiederholter DNN-Anfrage. Deshalb lässt sich auch nur mutmaßen, was mit dem Haus geschieht, das einst der sächsische Politiker Johann Heinrich August von Behr (1793 bis 1871) bewohnte. Laut Stadt sollte das Denkmal eigentlich saniert werden. Es lägen derzeit aber weder ein Zeitplan noch ein Bauantrag vor. Auch ein Verkauf an einen anderen Eigentümer ist möglich.

Gamma Immobilien baut derzeit zwei Mehrfamilienhäuser direkt hinter die Villa, insgesamt 22 Mietwohnungen sollen entstehen. Grünen-Stadtrat Thomas Löser, der gleichzeitig baupolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, sieht die aktuelle Bebauung des Grundstückes und den Umgang mit dem Denkmal kritisch. „Wie kann so etwas genehmigt werden?“, so Löser. Man könne nicht die Villa verfallen lassen und ohne sichtbare Grundstücksteilung zwei große Würfel einfach dahinter setzen. „Das ist keine adäquate Lösung, an so einem markanten Punkt muss viel sensibler verdichtet werden“, sagt der Stadtrat.

Zudem will er Gamma Immobilien in die Pflicht nehmen. „Wer Geld mit einer Bebauung verdient, sollte auch die Aufgabe wahrnehmen, ein denkmalgeschütztes Gebäude zu erhalten.“ Noch härter geht Robert Berger vom Verein Stadtbild Dresden mit dem Bauherren ins Gericht. „Die neuen Häuser sind architektonisch fragwürdig, einfach nur unproportionierte, große Klötze, die sich nicht in die Umgebungsarchitektur einfügen“, so der Vereinsvorsitzende. Hoffnung auf eine baldige Sanierung der Villa macht er sich nicht. „In Dresden kommt es mittlerweile leider sehr oft vor, dass die Problematik um nicht sanierte und denkmalgeschützte Objekte totgeschwiegen wird, so lange, bis diese zerfallen und dann abgerissen werden“, erzählt Berger.

In diese Ecke möchte Stadtrat Thomas Löser Gamma Immobilien aber nicht stellen. So sei eine Pauschalkritik unangemessen, denn die Dresdner Immobilienfirma hätte in seinen Augen bislang eine recht gute Arbeit in der Landeshauptstadt geleistet. „Um so mehr verwundert mich jetzt das Projekt an der Glacisstraße und der Umgang mit der denkmalgeschützten Villa“, sagt der Grünen-Politiker.

Von Sebastian Burkhardt

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