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Lokales Trinkwasser in Gefahr: Pferde am Wasserwerk müssen weg
Dresden Lokales Trinkwasser in Gefahr: Pferde am Wasserwerk müssen weg
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14:51 18.01.2017
Diese beiden Pferde jagen sich gerade über die Elbwiesen nahe des Wasserwerkes Hosterwitz.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

Es war ein romantisches Bild am Montagmittag auf den Elbwiesen unweit vom Wasserwerk Hosterwitz. Pferde jagen sich durch den frisch gefallenen Schnee, steigen, wälzen sich im nächsten Moment in der weißen Pracht und traben dann entspannt zum Futterplatz. Schon der Dresdner Maler und Grafiker Wilhelm Rudolph (1889-1982) hat in einem Holzschnitt ein „Pferd an der Elbe (Hosterwitz)“ – entstanden zwischen 1950 und 1960 – verewigt. Pferde auf den Elbwiesen in Hosterwitz sind nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt müssen die Vierbeiner dort weg.

Ein Pferd in unmittelbarer Nähe eines Brunnens des Wasserwerkes Hosterwitz an der Elbe. Quelle: LHD

Der Grund: Das Trinkwasser sei in Gefahr. Das sagt die Stadt. Denn die Pferde werden nahe des Wasserwerkes Hosterwitz in der Trinkwasserschutzzone gehalten. „In jüngerer Zeit wurde im Bereich der dortigen Schutzzone I und der Schutzzone II festgestellt, dass diese Flächen verstärkt für Pferdebeweidung genutzt werden. Die belebte Bodenschicht und die das Grundwasser schützenden Deckschichten werden durch diese Nutzungen massiv zerstört. Es besteht ferner die Gefahr, dass die Verunreinigung des Bodens durch die Pferdeexkremente zur Verbreitung von Keimen und Bakterien im Grundwasser führt“, hieß es in der Einladung zum Pressetermin am Montag.

Dort bekräftigten Jürgen Altmeyer von der Wasserbehörde des Umweltamtes, Rüdiger Opitz vom Anlagenmanagement der Drewag Netz GmbH und Jürgen Storm Leiter Qualitätssicherung bei der Drewag Netz diese Position. „Wir beabsichtigen, die Beweidung in der Schutzzone I und II zu verbieten, um mikrobakterielle Einträge ins Grundwasser zu verhindern“, so Altmeyer.

Nahe des Wasserwerkes Dresden-Hosterwitz werden Pferde gehalten. Weil deren Zahl immer weiter wächst, sieht die Stadt das Trinkwasser in Gefahr. Denn viele Koppeln befinden sich in der Schutzzone II. Deshalb sollen die Pferde jetzt dort weg.

Opitz und Storm sehen ein hohes Gefährdungspotential durch Überweidung. Die Zahl der Pferde im Schutzgebiet wachse zusehends, demzufolge werde auch das Problem immer größer und man sei an einem Punkt angekommen, wo man nicht mehr wegsehen könne. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass das Rohwasser, das wir fördern, eine hohe Qualität hat und haben das Umweltamt aufgefordert, tätig zu werden“, so Opitz. Storm sagte auf Nachfrage, dass es gelegentlich Werte im Rohwasser gebe, die nicht den Anforderungen entsprechen, diese Beeinträchtigungen seien bislang nicht auf die Pferdehaltung zurückzuführen. Aber man wolle den Anfängen wehren.

Auch Kühe und andere Großtiere dürfen künftig in Hosterwitz in der Schutzzone I und II nicht gehalten werden. Ebenso würden Rehe auf Dauer nicht geduldet, da sei man mit der entsprechenden Jagdbehörde im Gespräch. Ausgenommen sei die Beweidung des Gebietes mit Schafen. Diese seien immer nur kurze Zeit an einem Ort und dann wieder woanders und deshalb nicht das Problem.

Die Stadt sei mit den Pferdehaltern in Kontakt. Das Problem sei den Betroffenen seit einem Jahr bekannt. Auch der Ausschuss für Umwelt- und Kommunalwirtschaft sei unterrichtet. Nun soll die Allgemeinverfügung so bald wie möglich im Amtsblatt veröffentlicht werden. Die Pferdehalter hätten sechs Monate Zeit, für ihre Pferde eine andere Bleibe zu finden. Tun sie das nicht, drohe Zwangsgeld. „Als letztes Mittel“ müsse das Veterinäramt aktiv werden.

Trinkwasserschutzzonen Hosterwitz. Orange = Stufe I, Gelb = Stufe II (engere Schutzzone), Grün = Stufe III. Quelle: Quelle: LHD/Bearbeitung: Eylert

Ingo Thomzyck, einer derjenigen, die nahe des Wasserwerkes Hosterwitz Pferde halten, war gestern überrascht von der Nachricht, dass die Pferde weg müssen. „Das wäre ja eine Verletzung des Pachtvertrages, den ich mit dem Wasser- und Schiffahrtsamt habe“, sagte er gegenüber DNN. Auch im Wasser- und Schiffahrtsamt, das viele Pachtverträge auch mit landwirtschaftlicher Nutzung geschlossen hat, bekamen wir die Auskunft, dass man keine Information darüber habe, dass auf den Elbwiesen nahe des Wasserwerkes künftig keine Pferdehaltung mehr möglich ist.

Bleibt die Frage, ob auch an anderer Stelle in Dresden auf den Elbwiesen künftig keine Pferde bzw. Großtiere mehr gehalten werden dürfen. Denn sieht man sich im Internet den Themenstadtplan an, wird deutlich, dass es auch eine Trinkwasserschutzzone II z.B. auch an der Elbe etwa ab Höhe Wollnerstr./ Preßgasse bis Fidelio-Finke/Ratsstraße in Loschwitz gibt. „Die Allgemeinverfügung zur Untersagung der Pferdehaltung bezieht sich ausschließlich auf das Trinkwasserschutzgebiet der Wasserfassung Hosterwitz“, heißt es da jedoch auf Anfrage aus der Stadtverwaltung.

Von Catrin Steinbach

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