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Lokales Traumberuf Metaller - Wie das Handwerk Flüchtlinge gewinnen will
Dresden Lokales Traumberuf Metaller - Wie das Handwerk Flüchtlinge gewinnen will
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15:49 10.02.2017
Harald Mogel (M), Schweißlehrer der Handwerkskammer Dresden, arbeitet am 10.02.2017 in Dresden (Sachsen) gemeinsam mit Awet Afewerki (l) und Esmael Mahmud aus Eritrea an einem Werkstück. Quelle: dpa
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Dresden

Eifrig beugen sich Awet Afewerki und Esmael Mahmud über die Werkbank, in ihrer Hand ein Stück Metall. Es hat die Form ihres Heimatlandes Eritrea. „Das war die Aufgabe für den Kurs, die jeweiligen Länder aus Metall zu brennschneiden“, erläutert Schweißlehrer Harald Mogel. Er schaut seinen beiden Schützlingen über die Schulter, gibt Tipps und lobt. Die Flüchtlinge, beide 23 Jahre alt, haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen eine Ausbildung in Deutschland machen, Afewerki als Metalltechniker, Mahmud als Elektrotechniker. „Das war schon immer mein Wunschberuf.“

Mit dem Pilotprojekt „Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk“ sind sie ihrem Traum ein ganzes Stück näher gekommen: Im Juli 2016 starteten die Handwerkskammer Dresden und die Agentur für Arbeit gemeinsam das Projekt, um mehr Flüchtlinge für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen. „Es ist eine Chance, unseren Fachkräftebedarf ein Stück weit abzudecken“, sagt Andreas Finke, Geschäftsführer für den operativen Bereich der Agentur für Arbeit Dresden.

24 Flüchtlinge nahmen an dem Programm teil, zwischen 18 und 25 Jahre sind sie alt, aus Ländern wie Eritrea, Somalia, Syrien, Marokko oder Indien. Sechs Monate lang lernten die jungen Männer verschiedene Ausbildungsberufe kennen - vom Friseur, über Maler, Tischler und Metalltechniker bis hin zum Gebäudereiniger. Auch Deutsch und Landeskunde standen auf dem Stundenplan, zudem ein sechswöchiges Praktikum in einem Handwerksbetrieb. Das hat Esmael Mahmud bei einem Elektrotechnik-Unternehmen in der Nähe von Dresden absolviert. „Das hat ganz gut geklappt. Ich denke, ich bekomme dort auch einen Ausbildungsplatz“, sagt der junge Mann im knallroten Arbeitsoverall.

Flüchtlinge auf dem sächsischen Arbeitsmarkt

Aktuell sind im Freistaat 161 544 Frauen und Männer als arbeitslos registriert. Darunter sind zu 4,1 Prozent geflüchtete Menschen (6571). Damit stieg deren Zahl im Vergleich zum Dezember 2016 um 7,7 Prozent. Von den Flüchtlingen ohne Arbeit sind 75 Prozent Männer und 25 Prozent Frauen - die meisten sind jünger als 35 Jahre. Gut die Hälfte von ihnen kommt aus Syrien (53,1 Prozent), gefolgt von Afghanistan (10,5 Prozent), Irak (9,1 Prozent) und Eritrea (4,1 Prozent).

Laut Landesarbeitsagentur können die meisten allerdings nur als Helfer arbeiten. Das liegt neben fehlenden Sprachkenntnissen vor allem an fehlender Qualifikation. Nur jeder fünfte Geflüchtete kann demnach als Fachkraft mit vergleichbar guten Kenntnissen arbeiten. Etwa zwei Drittel haben den Angaben zufolge kaum deutsche Sprachkenntnisse, die übrigen verfügen über Grund- und Sprachkenntnisse, die für den Einstieg in eine Berufsausbildung ausreichen. 2016 wurden in Sachsen rund 1400 geflüchtete Frauen und Männer in Arbeit oder Ausbildung integriert.

Insgesamt bewarben sich knapp 22 000 junge Männer und Frauen im vergangenen Jahr in Sachsen für eine Ausbildung - darunter 174 geflüchtete Jugendliche. Fast jeder Dritte von ihnen hat laut Landesarbeitsagentur bis September 2016 eine Berufsausbildung begonnnen.

Auch Handwerkskammer und Arbeitsagentur zeigen sich nach Abschluss des Pilotprojektes zufrieden. „Wir haben von Ausbildern und Betrieben die Rückmeldung, dass die jungen Männer die Aufgabenstellung gut umgesetzt haben, fleißig und höflich waren“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Andreas Brzezinski. Bei manchen gab es auch Probleme: Mit mangelnden Deutschkenntnissen, der Zuverlässigkeit oder technisch-mathematischen Kenntnissen.

Davon will sich die Handwerkskammer aber nicht entmutigen lassen. Auch in diesem Jahr sollen junge Flüchtlinge im Handwerk wieder eine Perspektive finden - zwei neue Kurse sind ab April geplant. Die Auswahl erfolgt über die Agentur für Arbeit. Wer teilnehmen will, braucht einen gesicherten Aufenthaltsstatus, muss an einem Integrationskurs teilgenommen haben und gut Deutsch sprechen.

Nicht zuletzt müssen auch die Flüchtlinge nicht selten von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugt werden: Viele junge Asylbewerber wollen möglichst schnell einen Job, um Geld nach Hause schicken zu können. Zudem kennen viele das System einer dualen Ausbildung nicht. „Eine Herausforderung“, weiß Finke.

Mit 18 Flüchtlingen wird ein Großteil der Pilotgruppe nun in einem weiterführenden Programm gezielt auf eine Ausbildung im ostsächsischen Handwerk vorbereitet - in ihrem Wunschberuf. Den Betrieben und Flüchtlingen zur Seite steht eine „Willkommenslotsin“ für rechtliche und organisatorische Fragen zur Seite.

Awet Afewerki und Esmael Mahmud sind aus Eritrea geflüchtet, weil sie keine Soldaten werden wollten - und in ihrer Heimat keine Perspektive sahen. Sie hoffen, bald einen Ausbildungsvertrag in der Tasche zu haben und einen Job zu finden. Ihnen gefällt es in Deutschland, sagen sie. Nur an den kalten Winter müssen sie sich erst gewöhnen.

Von Christiane Raatz, dpa

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