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Lokales Totschlag in der Huschhalle: Angeklagter sagt aus und spricht von Zivilcourage
Dresden Lokales Totschlag in der Huschhalle: Angeklagter sagt aus und spricht von Zivilcourage
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08:22 22.06.2018
Symbolfoto Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

„Es ist total frustrierend. Ich wollte ihm nur helfen, habe Zivilcourage gezeigt und nun sitze ich hier“, beschwerte sich Kenny P. am Donnerstag im Landgericht. Der Angeklagte fühlt sich ungerecht behandelt und sieht sich wohl eher als Opfer, denn als Täter. Der 36-Jährige muss sich wegen Totschlags vor der Schwurgerichtskammer verantworten. Er soll am späten Abend des 1. August 2017 in der „Huschhalle“ am Dreikaiserhof einen Gast, einen 61-jährigen Ungarn, totgeprügelt haben (DNN berichteten).

Laut Anklage hat er in den Toilettenräumen des „Etablissements“ in Löbtau auf den Mann eingeschlagen und getreten und erst von ihm abgelassen, als ein Kellner erschien. Das Opfer erlitt massivste Verletzungen und verstarb noch am Tatort an Herzversagen.

Der Angeklagte präsentierte eine etwas andere Geschichte. Er habe an jenem Tag Crystal und sehr viel Alkohol konsumiert und deshalb Streit mit seiner Verlobten gehabt – die übrigens bei ihrer Polizeivernehmung eine Verlobung verneinte. Als sie die Wohnung verließ, habe er aus Frust noch etwas randaliert, sei dann gegangen und irgendwann in der „Huschhalle“ gelandet.

Auf der Toilette habe er das Opfer bemerkt, das zusammengesunken an einer Tür lehnte, den Mann gefragt, ob alles in Ordnung sei, und ihm dann aufgeholfen. Kenny P. beklagte sehr, dass seine gute Tat nicht honoriert und er von dem Mann attackiert wurde. „Der griff mich plötzlich an, ging mir an den Hals und riss mir dabei meine Kette ab.“ Er habe den Mann daraufhin weggeschubst und ihm auch ein oder zwei Schläge verpasst, so dass der zu Boden ging. Als er sich über ihn beugte, um die Kette zu nehmen, sei der Kellner gekommen, erinnerte sich der Angeklagte, der nach eigenen Aussage schnell „vom Tatort“ weg wollte.

„Ich bin gegangen und habe in einem Dönerladen in der Nähe am Automaten gespielt, bis das Geld alle war. Auf dem Heimweg sah ich an der ,Huschhalle’ Rettungswagen und Polizei stehen. Ein Bekannter sagte mir, dass es da einen Toten gibt.“ Kenny P. ging nach Hause, wenig später klingelte die Polizei. Kein Wunder, der 36-Jährige ist in dem „Trinkertreff“ gut bekannt und er hat wohl an jenem Tag schon vorher Ärger mit der Polizei gehabt, weil er sich daneben benommen hatte.

Der Angeklagte will nicht bemerkt haben, dass der Mann verletzt war und blutete. Er habe ihn auch nicht gekannt. Es gibt aber offenbar Videoaufnahmen, die den Angeklagten und das Opfer gemeinsam am Spieltisch zeigen. Nicht das Einzige, was an der Geschichte, die er erzählt, nicht stimmig ist, da passt vieles nicht zusammen.

Kenny P. hat sich wohl seine eigene Version zusammengebastelt, die aber mit Fakten und Gutachten und selbst seinen eigenen früheren Aussagen beim Ermittlungsrichter nicht zusammenpasst. Und er wird laut und sehr gereizt, wenn ihn die Kammer auf Unstimmigkeiten hinweist und nachfragt – so aggressiv, dass der Vorsitzende Richter Herbert Pröls ihn zu einer Beruhigungspause in den Haftkeller schickte. „Es ist leichter, wenn man sich nicht schon im Vorfeld der Fragen auf 180 begibt“, so Pröls.

Es gibt da noch viel Klärungsbedarf, zunächst sind neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

Von Monika Löffler

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