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Lokales Tischlerlehre in Hellerau begehrt
Dresden Lokales Tischlerlehre in Hellerau begehrt
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21:44 12.04.2017
Carl Robert Frenkel (19) aus dem Rheingau ist mit seiner Tischlerlehre bei den Deutschen Werkstätten Hellerau glücklich. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Carl Robert Frenkel will Tischler werden. Er ist 19, stammt aus der Nähe von Wiesbaden, hat Abitur und einen Onkel, der übers Tischlern zur Architektur kam. Doch nicht der Onkel war ausschlaggebend für seine Bewerbung bei den Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) in Dresden, sondern ein Freund aus Stralsund, der hier schon lernt. Carl hatte zwei Prämissen: „Ich wollte eine Lehre machen, und ich wollte woanders hingehen.“

Was er auf der DWH-Homepage sah, hatte ihm gefallen. Also bewarb er sich, wurde zum Test eingeladen und genommen. Nun lernt er Hobeln, Fräsen und Sägen, alles übers Holz und all die anderen Materialien wie Bähglas, Kunststoff, Metall, die in Hellerau kunstvoll verarbeitet werden. Er hat den ersten Kurs an den großen Maschinen hinter sich und seine Abschlussarbeit fürs erste Lehrjahr vor sich. Wie seine fünf Mitazubis baut auch er in der Lehrwerkstatt eine Sitztruhe. Mit den Zeichnungen dauert das gut und gern drei Wochen. „Da muss alles stimmen: Die Bauteile müssen eins zu eins auf die Bauzeichnung passen, korrekt aufeinanderstehen und dürfen in den verschiedenen Verbindungsarten keine Lücken aufweisen“, erklärt Lehrmeister Thomas Redweik, worauf er bei seinen Schützlingen achtet. „Wichtig ist, dass sie alles so machen, wie sie es gelernt haben“, Fehler seien erlaubt, Kreativität, sie auszumerzen, wünschenswert, Ideen, sie künftig zu vermeiden, am besten.

„Was wir auch lernen, ist Respekt vorm Material“, sagt Carl. Und dass er seit Lehrbeginn Möbel ganz anders ansieht. „Jetzt schaue ich: Wie gut wird das halten? Stimmt die Qualität? Funktioniert das alles, wie es soll?" So ein Blick auf den Beruf ist in einem Traditionsunternehmen wie den Deutschen Werkstätten unerlässlich, denn wer hier arbeitet, bestückt mit seiner Arbeit Luxusyachten, Nobelvillen, exklusive Büros. Das Material ist oft so edel wie teuer und Genauigkeit dabei so wichtig wie der Blick für Maserungen und Oberflächen.

Um das Große und Ganze zu erfassen, haben die Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr die Chance, mal mit auf Montage in alle Welt zu reisen. „Da geht es schon mal auf Yachten in die Karibik oder ins Mittelmeer, öfter aber auf Werften wie die in Bremen“, sagt Lehrmeister Redweik. Die Jobs dort mit vielen anderen Gewerken zusammen seien stressig – nicht nur wegen des Zeitdrucks, sondern weil von den edlen Sachen auch mal was kaputtgehen kann. Aber nur so könne man lernen, mit potenziellen Pannen umzugehen und einzuordnen, was die eigene Arbeit im Gesamtkontext eigentlich ausmacht.

Carl wohnt in Hellerau und auf die Frage, ob das nicht viel zu ruhig sei für einen jungen Menschen, sagt er: Es sind doch nur zehn Minuten bis in die Neustadt“. Abstürzen im Szeneviertel allerdings sei eher kontraproduktiv: „Morgens um sechs fangen wir an“. So zeitig? Das sei eine Chance herauszufinden, ob so eine Lehre zu einem passe, meint er trocken zum Thema Pünktlichkeit. Der Rheingauer mag die Atmosphäre bei der Ausbildung. „Weil wir viele sind, ist es logisch, dass man sich gegenseitig ein bisschen hochzieht“. das gelte nicht nur beim praktischen Teil, sondern auch bei der theoretischen Ausbildung am BSZ Freital. Was sich mit Hellerau an Traditionen und Ideen verbindet, ringt den jungen Leuten viel Bewunderung ab und ist natürlich einer der vielen Gründe, hier um eine Lehrstelle zu ringen. „Das Praxiswissen kann man später überall gut brauchen“, meint Carl Frenkel und will nicht ausschließen, später noch zu studieren. Doch mit der Entscheidung wolle er sich Zeit lassen.

Im vergangenen Jahr haben sich auf die sechs Tischlerlehrstellen 100 Bewerber gemeldet, erklärt Personalchefin Antje Heinrich. Zwei der sechs Tischler würden in der Regel übernommen, aber zu viele sehen in der Lehre ein Sprungbrett fürs Studium. „Wir suchen Leute, die eine Zukunft als Tischler erwägen“, sagt Antje Heinrich. Da gehe es inzwischen längst nicht mehr nur nach guten Noten, sondern viel mehr um ein gewisses technisches Verständnis. „Wir brauchen Praktiker“, erklärt die Personalverantwortliche, warum sie künftig unter anderem auch auf das Portal azubify baut, das ab Mai sowohl online wie auch als Print-Magazin auf den Markt kommt und als Scharnier zwischen Azubis und Firmen funktionieren soll.

http://www.dwh.de/

Von DNN

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