Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Tillich hält Heimat für unverzichtbar
Dresden Lokales Tillich hält Heimat für unverzichtbar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:25 06.04.2018
Stanislaw Tillich Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Anzeige
Dresden

Heimat hält Sachsens ehemaliger Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) für unverzichtbar. Bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte nach seinem Rücktritt im Dezember 2017 auf einem Podium während des Kongresses des katholischen Verbandes „Neudeutschland“ (ND) hob er im Haus der Kathedrale den großen Wert von Heimat für die Bevölkerung gerade angesichts gravierender Veränderungen hervor. Heimat, das seien die eigenen vier Wände, der Ort, der Verein, die Region, zugleich aber auch mehr: „Es ist das Lebensgefühl, zu Hause und angekommen zu sein“, sagte er. Dies sei Teil des sozialen Gemeinsinns.

„Heimat ist auch nicht Abgrenzung. Jeder, der bereit ist, sich in die Gemeinschaft einzubringen, ist willkommen.“ Nicht Angst vor Fremden, wohl aber Unsicherheit attestiert Tillich vielen Sachsen. Die meisten hätten nie Gelegenheit gehabt, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen. Manche fragten empört: „Was will der hier?“. Für sinnvoller hält er, auf Flüchtlinge zuzugehen und sie selbst zu fragen: „Warum seid ihr da?“. Diesen Dialog gebe es zwar schon, aber nicht in allen Bereichen.

Als erschwerend betrachtet Tillich die Tatsache, dass Sachsen besonders viele Flüchtlinge aus nordafrikanischen Ländern aufgenommen habe. Unter diesen seien rund 800 vornehmlich junge Männer mehrfach straffällig geworden. Das werde in Landstrichen, wo es kaum Erfahrungen mit Zuwanderern gebe, zum Problem.

Die überwiegende Mehrzahl der Flüchtlinge jedoch tue ihr Bestes für die Integration, betonte er. „Gute und weniger gute Menschen gibt es in allen Nationalitäten.“ Politik und Öffentlichkeit müssten hier ehrlicher miteinander umgehen. Dazu gehöre beispielsweise auch, die Nationalität von Tätern in der Polizeistatistik zu nennen.

Dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen hält Tillich für besser. Auch in Dörfern sollten sie verteilt werden. Nur so könnten sie das Leben hier kennenlernen und bereichern. Leider zögen sie aber derzeit dorthin, wo ihre Landsleute lebten, vor allem in größere Städte im Westen Deutschlands. „Damit könnten wir Probleme bekommen.“

Gregor Buß wiederum erlebt als Deutscher, wie es ist, Fremder zu sein. Der katholische Theologe aus Westfalen ist derzeit in Jerusalem tätig. Dort gebe es eine Vielfalt an Identitäten: streng religiöse oder säkularisierte Juden, Palästinenser, die Minderheit der Christen. „Es gibt unheimliche Spannungen“, sagte er in der Diskussion mit Tillich. „Das funktioniert aber.“

Die Israelis seien in dieser Hinsicht Experten. „Jeder von ihnen hat Migrationshintergrund.“ Zum Problem geworden seien allerdings die etwa 40 000 illegalen Einwanderer, drei Viertel von ihnen aus Eritrea, der Rest aus dem Südsudan. „Über diese Flüchtlinge ist die israelische Gesellschaft gespalten.“ Dass sie Muslime und Christen seien, sei für viele eine zusätzliche Schwierigkeit. Zudem seien sie durch ihre Hautfarbe besonders auffällig. Seine Auslandserfahrungen jedenfalls haben Gregor Buß geholfen, zu differenzieren. „Man muss sich mehr in die Köpfe derer versetzen, die zu uns kommen.“

Von Tomas Gärtner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch – das Podium zu einer Diskussion über das Sachsenbad am Montag im Rathaus Pieschen ist hochrangig besetzt. CDU-Stadtrat Veit Böhm warnt jedoch davor, falsche Erwartungen zu wecken.

06.04.2018

Noch machen via Smartphone gelöste Tickets nur einen geringen Anteil am Fahrkartenverkauf der Dresdner Verkehrsbetriebe aus. In ein paar Jahren sollen es aber bereits zehn Prozent sein. Dazu gibt es viele Pläne.

06.04.2018

In Dresden gibt es zwölf Grundschulen und sechs Oberschulen, an denen der Anteil von Schülern, die Unterricht „Deutsch als Zweisprache“ erhalten, bei über 20 Prozent der Schulkinder liegt. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit fordert nun in einem Antrag, das Handlungsprogramm „Aufwachsen in sozialer Verantwortung“ zu erweitern.

06.04.2018
Anzeige