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Lokales Tillich bei Asylbewerbern in Freital - Hetze „völlig inakzeptabel“
Dresden Lokales Tillich bei Asylbewerbern in Freital - Hetze „völlig inakzeptabel“
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21:02 09.09.2015
Quelle: dpa
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In den Tagen zuvor nahmen die Auseinandersetzungen erst später, gegen 18 Uhr, an Schärfe zu. Umso mehr Presseleute sind vor Ort; dazu Freitaler Stadträte und Landräte des Kreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, die zum Gespräch mit Tillich gekommen sind. Doch zunächst rauscht der Pulk aus Ministerpräsident, Bodyguards, Regierungssprecher und Journalisten nach kurzen Worten an den Kommunalpolitikern vorbei ins Heim und sorgt bei den Wartenden für Verwirrung.

Nach einer kurzen Runde im engen und stickigen Flur der Unterkunft, die in einem früheren Hotel eingerichtet wurde, reden Tillich und Kommunalpolitiker doch noch miteinander. Das nicht öffentliche Gespräch, an dem auch Vertreter des Heimbetreibers Pro Shelter teilnehmen, dauert gut eine halbe Stunde. „Es besteht Gesprächsbedarf“, lässt der Regierungssprecher die Wartenden wissen. Tillich verweist später auf den „enormen Zustrom“ an Flüchtlingen, der auch andernorts in Deutschland und Europa eine große Herausforderung sei. „Völlig inakzeptabel sind aber Drohungen, Hetze und Gewalt gegen Bürgermeister und Landräte, die sich engagieren, für eine menschenwürdige Unterkunft zu sorgen“, sagt Tillich und betont, dass „Recht und Gesetz ihre volle Anwendung finden“. 

Im Hof des ehemaligen Hotels, das einem Plattenbau ähnelt, spielen zur gleichen Zeit einige Kinder zwischen den Journalisten. Manche sind erst am Mittwoch mit dem Bus in Freital angekommen – mitten in die abendliche Demonstration hinein. Junge Männer aus Libyen, Syrien und Palästina stehen im Hof oder sehen aus mit Wäsche behängten Fenstern, telefonieren und reden mit Journalisten.

Am Abend zuvor waren die Ausein-andersetzungen vor der Asylunterkunft mit heftigen gegenseitigen Beleidigungen und Flaschenwürfen weitergegangen. Laut Angaben der Polizei trafen am Mittwoch etwa 80 Asylbefürworter auf 160 Asylgegner. 120 Polizisten standen zwischen den Gruppen. So sei ein Auf­einandertreffen der Gruppen verhindert worden, berichtete gestern Polizeisprecher Thomas Geithner. Der Mittwoch war der dritte Tag in Folge, an dem Asylgegner Front gemacht hatten gegen die Unterbringung. Die Polizei berichtete in der Nacht zum Donnerstag zunächst, gegen 22.50 Uhr hätten Unbekannte mehrere ehemalige Teilnehmer der Demo für das Asylbewerberheim, die sich bereits auf dem Heimweg befanden, mit Glasflaschen beworfen. Gestern korrigierten die Beamten aber ihre Angaben und erklärten, die Wurfgeschosse seien Plastikflaschen gewesen. Ein junger Mann wurde bei diesen Attacken verletzt.

Die Lage in Freital ist brenzlich, auch am helllichten Tag droht nun Gefahr, davon ist die Polizei überzeugt. Deshalb bewachen Beamte das Heim seit Mittwochabend rund um die Uhr. Aber die Kritik an den Polizeieinsätzen wächst. Die Beamten seien den Unterstützern der Asylbewerber „einerseits deutlich unfreundlicher, aggressiver und feindseliger“ als an den zwei vorangegangenen Abenden gegenübergetreten und hätten andererseits „Übergriffe von Nazis bei der Abreise nicht unterbinden“ können, schrieb das Bündnis Dresden Nazifrei bei Facebook. Frank Richter, der Chef der Landeszentrale für politische Bildung und selbst Freitaler, beobachtet eine „Radikalisierung“ der Proteste. Sie seien „für die Betroffenen beängstigend und moralisch zu verurteilen“.

Freitals Stadtspitze hält sich bedeckt. Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) ließ eine entsprechende Anfrage am Mittwoch unbeantwortet und verabschiedete sich laut seiner Referentin und Sprecherin Inge Nestler in den Urlaub. Mättigs Vertreter, der Erste Bürgermeister Mirko Kretschmar-Schöppan, reagierte gestern bis zum Abend nicht auf Fragen zur Position der Stadtverwaltung. In knapp zwei Wochen will man die Freitaler anhören. Am 6. Juli ist eine Einwohnerversammlung zum Thema Asyl geplant – Zugang nur für Freitaler.

Als das Gespräch von Tillich im Asylheim zu Ende ist, steuert der Ministerpräsident auf einen Vater mit drei Kindern zu. Doch es gibt keinen Dolmetscher, der Mann versteht nichts. Wieder geht es im Pulk hinaus vors Hotel, es ist kurz vor 18 Uhr. Die Demonstrantenmenge ist immer noch ungewöhnlich übersichtlich. Etwa 20 Unterstützer stehen gut 50 Asylgegnern gegenüber, getrennt von der Polizei. Zum Kontakt zwischen Tillich und den Menschen kommt es nicht. Er wird zu seiner Limousine geleitet und ist fort.

Am Abend bleibt es diesmal ruhig.

Franziska Schmieder/Christoph Springer

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