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Lokales Terrassenufer-Pläne des ADFC stoßen auf geteiltes Echo
Dresden Lokales Terrassenufer-Pläne des ADFC stoßen auf geteiltes Echo
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14:30 06.09.2018
So stellen sich die Mitglieder des ADFC künftig das Geschehen am Terrassenufer vor. Quelle: T. Macht für ADFC
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Dresden

Autos weg, stattdessen Bänke und viel Platz für Fußgänger und Radfahrer: Vor wenigen Ta­gen hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) seine Idee für eine Promenade am Terrassenufer vorgestellt. Der ADFC möchte den Be­reich in den Sommerferien für Autos sperren und in eine Flaniermeile mit Kultur verwandeln. Diese Vision ruft jedoch ein geteiltes Echo hervor. Das bürgerliche Lager winkt kopfschüttelnd ab, Be­fürworter finden sich in der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit. Im Rathaus zeigt sich der Baubürgermeister in­des offen für die Idee.

Schon vor einigen Tagen hatte die ge­meinsame Fraktion von FDP und Freien Bürgern auf die Pläne reagiert, das Ansinnen als „Schnapsidee“ bezeichnet und vor einem Verkehrsinfarkt gewarnt. Eine Sorge, die auch die Dresdner CDU teilt. Zwar habe der Gedanke eines autofreien Terrassenufers seinen Charme, räumt Uni­­onsstadtrat Gunter Thiele ein. „Der Vor­schlag des ADFC unterschätzt die verkehrliche Verantwortung dieser überaus wichtigen Ost-West-Verbindung jedoch vollkommen“, warnte der Verkehrspolitiker.

In den vergangenen Sommerwochen sei zu erleben gewesen, „dass die Sperrung dieser Straße, etwa zum Stadtfest, stets ein erhebliches Verkehrschaos in der gesamten Innenstadt ausgelöst hat“, ar­gumentiert Gunter Thiele. Das Terrassenufer sei „keine Spielstraße“. CDU-Vizekreischef Patrick Schreiber verweist auf frühere Ent­scheidungen: „Ich erinnere da­ran, dass der teils er­hebliche Rückbau der Wilsdruffer Straße ur­sprünglich mit dem Terrassenufer als Aus­weichoption be­gründet wurde.“ Der ADFC hatte bei der Vorstellung seiner Vision die Wilsdruffer Straße als Alternative genannt.

Funktioniert Wilsdruffer Straßeals Alternative?

In der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit ist derweil durchaus eine gewisse Be­geisterung für den Vorstoß zu erkennen – al­lerdings warnen auch hier Verkehrspolitiker vor Unwägbarkeiten. SPD-Vertreter Hendrik Stalmann-Fischer führt ebenso das Argument mit der Wilsdruffer Straße an. „Ich will die Idee keinesfalls totreden, bin bei der Umsetzung aber skeptisch.“ Der Sozialdemokrat sieht viele offene Fragen – etwa, wie sich die Verkehrsströme dann in der Stadt verteilen.

Aktuell, so sagt Hendrik Stalmann-Fischer, gebe es in Dresden zudem größere Baustellen – et­wa das Radkonzept oder die Stadtbahn 2020. Das binde in der Verwaltung die Planer. Neue Projekte würde diese Vorhaben angesichts der knappen per­sonellen Ressourcen nur ausbremsen.

Der Linken-Stadtrat Tilo Wirtz lobt den Vorstoß vom ADFC als „charmante Idee“ – und befürchtet durch eine zeitweise Sperrung auch kein Verkehrschaos: „Die Straße war in der Vergangenheit wegen Hochwasser immer wieder gesperrt, da ist der Verkehr in der Stadt auch nicht zu­sammengebrochen.“ Er warnt jedoch vor bürokratischen Hürden. Es sei rechtlich heikel, eine Stra­ße temporär vom Netz zu nehmen. Darüber hinaus könne die Straße bei der noch an­stehenden Sanierung der Carolabrücke ei­­ne wichtige Bedeutung er­langen. Trotz of­fener Fragen sei das Vorhaben aber machbar, so Tilo Wirtz.

Dass Fragen über Umleitungsverkehre und mögliche Staus anderswo in der Stadt zuvor geklärt werden müssen, betont auch Johannis Lichdi. Der Grünen-Stadtrat findet das Vorhaben gut, fürchtet aber einen langen Prozess. Anders als der ADFC , der bei der Umsetzung auf die Initiative der Stadträte setzt , plädiert Johannes Lichdi da­für, den Prozess durch ei­ne„Bewegung von unten“ anzustoßen.

Der Grüne nennt das Beispiel Augustusbrücke. Die wird künftig für Au­tos ge­sperrt sein: „Dafür haben wir 20 Jahre ge­­­­kämpft.“ Dazu hatte beispielsweise die Grüne Liga immer wieder Brückenfeste organisiert, um die Querung zu­mindest für einen Tag autofrei zu be­kommen, und um so die Vorteile aufzuzeigen. „So könnte das auch am Terrassenufer laufen.“

Grüner Baubürgermeister hältSommer-Sperrung für eine reizvolle Idee

Auf offene Ohren stößt die Vision vom autofreien Terrassenufer derweil bei Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne): „Das Terrassenufer während der Sommerwochen als autofreie Flaniermeile zu nutzen, wäre eine reizvolle Idee. Dresdner und Gäs­te der Stadt würden dies sicher genießen“, ist der Verwaltungschef überzeugt. Ob und wie das ge­hen könnte, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen. „Unsere Ver­kehrsplaner müs­sen sich diese Auswirkungen genauer anschauen“, kündigte der Baubürgermeister an.

Das Terrassenufer sei eine wichtige Verbindungen zwischen dem Osten und Westen der Stadt. Aktuell rollen dort etwa 20 000 Fahrzeuge täglich entlang. „Für eine zweistreifige Trasse ist das eine hochbelegte Straße im Hauptverkehrsstraßennetz“, schätzte Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain ein. Die Prognose gehe für das Jahr 2030 sogar von 23 500 Fahrzeugen pro Tag aus. „Bei einer Sperrung der Trasse wird das umliegende Netz deutlich stärker belastet.“ Die Autos wür­den sich voraussichtlich auf die Wilsdruffer Straße, den Dr.-Külz-Ring, den 26er-Ring und die Große Meißner Straße verteilen.

Dampfschiffahrts-Chefin:Das würde das Flotten-Areal aufwerten

Gefallen an der Idee äußert darüber hinaus auch die Chefin der Sächsischen Dampfschiffahrt – würde das doch den Be­reich vor den Anlegern der weltberühmten Dampferflotte deutlich aufwerten. „Das kann uns nur helfen“, erklärt Karin Hildebrand. Zugleich hält sie es je­doch für wenig sinnvoll, die Debatte im jetzigen Stadium breit in der Öffentlichkeit zu führen. Stattdessen, so ihr Vorschlag, sollten sich zunächst alle Beteiligten an einen Tisch sitzen, und über Möglichkeiten für eine Umsetzung sprechen.

Von Sebastian Kositz

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