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Lokales Tempo-30-Zone Waldschlößchenbrücke
Dresden Lokales Tempo-30-Zone Waldschlößchenbrücke
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14:50 05.04.2018
Runter vom Gas in der Dunkelheit: Auf der Waldschlößchenbrücke gilt wieder Tempo 30. Quelle: Archiv
Dresden

 Alle Jahre wieder: Wenn die wärmere Jahreszeit beginnt, heißt das für die Autofahrer auf der Waldschlößchenbrücke: Runter vom Gas! Sonst bekommen die Geschwindigkeitsmessanlagen Arbeit. Ab 1. April gilt in der Dunkelheit wieder Tempo 30 auf der Elbquerung.

Im April dürfen die Kraftfahrer von 19 bis 7 Uhr maximal 30 Kilometer pro Stunde fahren, im Mai und Juni gilt das Tempolimit von 20 bis 6 Uhr, im August und September von 19 bis 6 Uhr und im Oktober von 18 bis 7 Uhr. Die zeitliche Geschwindigkeitseinschränkung ist eine Auflage des Oberverwaltungsgerichts Bautzen aus dem Jahr 2007 – mit Tempo 30 soll die seltene Fledermausart Kleine Hufeisennase geschützt werden.

Die Begründung für das Tempolimit in leicht verkürzter Form: Fledermäuse fressen Insekten. Insekten zieht es ins Licht. Das auf der Waldschlößchenbrücke im Geländer installiert ist. Die Insekten fliegen tief, die Fledermäuse müssen tief fliegen, um ihr Futter zu erreichen. Und prallen gegen Autos, die schneller als Tempo 30 fahren.

Es hat viele Anläufe gegeben, das Tempolimit aufzuheben. Aber – siehe Sommerzeit – wenn sich eine Sache einmal eingebürgert hat, dann bleibt sie auch. Obwohl sich ein Nutzen nicht nachweisen lässt. Im Herbst 2016 bekannte die Stadtverwaltung, dass keine Aussagen getroffen werden könnten, welche Auswirkungen Tempo 30 auf die Population der Kleinen Hufeisennase hat.

Im August 2016 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig laut darüber nachgedacht, ob bei einer nachgebesserten Planfeststellung für die Brücke das Tempolimit fallen könnte, weil die Stadt umfangreiche Umweltgutachten in Auftrag geben musste. Aber im März 2017 teilte das städtische Straßen- und Tiefbauamt humorlos mit: Eine Fledermauszählung gibt es nicht.

So werden die ungezählten Fledermäuse weiter mit Tempo 30 geschützt. Und dass noch keine überfahrene Kleine Hufeisennase auf der Waldschlößchenbrücke gesichtet wurde, könnte ja ausgerechnet an der Geschwindigkeitsbegrenzung liegen.

Holger Zastrow, Vorsitzender der Stadtratsfraktion FDP/Freie Bürger, ist einer der letzten Streiter gegen Tempo 30 und fordert jetzt per Antrag an den Stadtrat ein Hufeisen-Monitoring. „Wir haben keine Nachweise sowohl sowohl zum Vorkommen der Hufeisennase im unmittelbaren Bereich der Brücke als auch darüber, dass Fledermäuse durch den Verkehr auf der Brücke zu Schaden gekommen sind“, erklärt Zastrow seine Forderung.

Da die meisten an der Waldschlößchenbrücke getroffenen Artenschutzmaßnahmen mit dem Verweis auf die Kleine Hufeisennase getroffen würden, sei es längst an der Zeit, den Bestand der Tiere zu zählen und das Vorkommen am Standort zu prüfen, findet Zastrow.

Für die Stadtverwaltung ist Tempo 30 eine Geldquelle: Viele Autofahrer tappen auf der zweispurigen Fahrbahn in die Radarfalle. Rund drei Millionen Euro Verwarn- und Bußgelder sind seit Eröffnung der Brücke im Jahr 2013 in die Stadtkasse geflossen.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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