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Lokales Telefonterror am Polizei-Notruf – 54-Jährige verurteilt
Dresden Lokales Telefonterror am Polizei-Notruf – 54-Jährige verurteilt
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09:02 31.05.2018
Larissa N. wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt. Quelle: dpa
Dresden

Es gibt wohl kaum einen Polizisten im Lagezentrum der Polizeidirektion, der Larissa N. nicht kennt. Die 54-Jährige ist dort dauerpräsent – zumindest telefonisch. Die gebürtige Kasachin muss den Satz: „Die Polizei – dein Freund und Helfer in der Not“ irgendwie falsch verstanden haben. Hat sie Probleme - und die hat sie reichlich, seien es Behördenschreiben, Rechnungen oder auch sonstiger Ärger – ist das für sie ein Notfall und dann wählt sie halt den Notruf und zwar im Minutentakt und oft über Stunden.

Haben die Beamten dafür kein Verständnis, wird sie ausfallend und beleidigend – das bekam vor allem eine Beamtin zu spüren, die übel beschimpft wurde. Je mehr Alkohol Larissa N. getrunken hatte – bevorzugt Wodka und „Klosterfrau Melissengeist“ – um so übler die Beschimpfungen.

Angeklagte: „Wenn ich Hilfe oder eine Klärung brauche, rufe ich an“

Das geht seit Jahren so, Larissa N. stand deshalb auch schon vor Gericht, aber sie kann einfach nicht aufhören, deshalb gab es am Mittwoch erneut eine Verhandlung. Drei Anklagen verlas die Staatsanwältin, dabei ging es nicht nur um Missbrauch von Notrufen in über 100 Fällen und Beleidigung, sondern auch um gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, denn die temperamentvolle 54-Jährige hat es auch in ihrer ehemaligen Gartensparte richtig krachen lassen, sich mit allen Gartennachbarn verzankt, Türen, Blumen und Bäume demoliert und auch mal kräftig hingelangt.

„Alles Falsch, ist Lüge“, sagte die Angeklagte. Nicht sie habe ihre Gartennachbarn vermöbelt, sondern sie sei verletzt worden. Das sie mit ihren permanenten Anrufen den Polizeinotruf für wirkliche Gefahrensituationen blockiert, ist für sie nicht so schlimm. „Wenn ich Hilfe oder eine Klärung brauche, rufe ich an, das ist nicht verboten“, erklärte sie energisch.

Ein Jahr und zehn Monate ohne Bewährung

Die 54-Jährige ist resolut, stur und schnell auf 180. Wenn sie spricht, kommen andere nicht zu Wort und sie redet ohne Punkt und Komma und sich dabei fast um Kopf und Kragen. Der Richter drohte ihr mehrmals Ordnungshaft an, weil sie sich im Ton vergriff – was sie maximal fünf Minuten zum Schweigen brachte, dann legte sie wieder los.

Das ist wohl ihr großes Problem, sie kann sich nicht zurückhalten und will mit dem Kopf durch die Wand. Die 54-Jährige versteht vieles nicht, ist überfordert, fühlt sich daher permanent schlecht behandelt und beleidigt dann jeden, der ihr über den Weg läuft oder zeigt ihn an - um die 300 Anzeigen von ihr liegen vor. Ihr Lieblingsfeind ist die Staatsanwaltschaft, die nach ihrer Meinung an allem Schuld ist, was in ihrem Leben schief lief.

Die Angeklagte fordert zwar Hilfe ein, lehnt auf der anderen Seite aber Hilfe, ab – zum Beispiel eine Therapie gegen ihr Alkoholproblem. Auch eine Betreuung kommt für sie nicht in Frage. Dabei könnte sich ein Betreuer um ihren Behördenkram, ihre erheblichen Schulden und andere Probleme kümmern - aber sie will nicht. So bleibt sie in der Tretmühle drin und ruft weiter den Notruf an. Larissa N. wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt, was sie kurzzeitig sprachlos machte. Sie will in Berufung gehen.

Von Monika Löffler

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