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Technische Werke Dresden mit guter Bilanz – 200-Meter-Schornstein fällt

Interview Technische Werke Dresden mit guter Bilanz – 200-Meter-Schornstein fällt

Die Technischen Werke Dresden legen eine gute Bilanz vor. Im DNN-Interview erklären die Geschäftsführer, vor welchen Problemen die Energiewirtschaft steht und kündigen einen städtebaulichen Verlust an: Der 220 Meter hohe Schornstein in Reick soll fallen.

Ursula Gefrerer und Reinhard Richter können auf gute Zahlen verweisen, leiden aber an einer „regelrechten Regulierungswut“ des Gesetzgebers.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Der kommunale Konzern Technische Werke Dresden hat eine gute Bilanz vorgelegt. Im DNN-Interview erklären die Geschäftsführer Ursula Gefrerer und Reinhard Richter, vor welchen Problemen die Energiewirtschaft steht und kündigen einen städtebaulichen Verlust an: Der 220 Meter hohe Schornstein in Reick soll fallen.

Frage: Wie ist das Geschäftsjahr 2016 gelaufen?

Ursula Gefrerer: Vom Jahresergebnis her ungefähr so wie im Vorjahr. Der Konzern Technische Werke Dresden hat einen Gewinn von 50 Millionen Euro erwirtschaftet – nach Abzug der Subventionen für den Öffentlichen Personennahverkehr und die städtischen Bäder.

Wecken Sie mit so einem Gewinn nicht Begehrlichkeiten in der Politik?

Ursula Gefrerer: Nein, ganz und gar nicht, wir wollen das Geld für die Finanzierung und Tilgung der Rekommunalisierung von DREWAG und ENSO verwenden sowie für Investitionen in den Erhalt unserer Zukunftsfähigkeit.

Reinhard Richter: Die Politik kennt unsere Planungen. Ich glaube, es ist Konsens, dass wir dauerhaft die Bäder und den Öffentlichen Personennahverkehr finanzieren und dabei die nachhaltige finanzielle Tragfähigkeit zu beachten haben.

Haben Sie keine Luft für andere Aufgaben?

Reinhard Richter: Der Konzerngewinn wird aus zwei logischen Gründen sinken. Die Ertragslage im Energiesektor sinkt. Der Finanzierungsbedarf in einer wachsenden Stadt wird dagegen steigen. Mehr Einwohner haben Folgen für den Öffentlichen Personennahverkehr und die Bäder. Zusätzliche Angebote kosten mehr Geld.

Herr Richter, Sie warnen regelmäßig vor schlechten Zeiten, die bald kommen werden. Wer soll Ihnen bei diesem Jahresergebnis Glauben schenken?

Reinhard Richter: Was uns eigentlich drückt, ist eine regelrechte Regulierungsflut. Wir werden überschüttet mit Gesetzen und Verordnungen. Das ist ein Dauerbrenner, der nicht abreißt. Jedes neue Gesetz wirkt sich in Millionenbeträgen aus.

Können Sie Beispiele nennen?

Reinhard Richter: Das waren 2016 insbesondere die Anreizregulierungsverordnung mit geringeren Verzinsungen, die EEG-Novelle mit dem Paradigmenwechsel weg von der zugesagten Vergütung zur Ausschreibung, das Strommarktgesetz, das neue KWK-Gesetz und so weiter. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende wurde beispielsweise erst im September 2016 erlassen. Bis 2032 sollen nur noch elektronische Zähler im Einsatz sein. Das Gesetz verpflichtet uns nun, wenn wir grundzuständiger Messstellenbetreiber für intelligente Zähler werden wollen, unsere elektronischen Zähler über eine Kommunikationseinheit – sogenannte „Gateways“ – zu intelligenten Zählern zu erweitern und gestaffelt nach Verbräuchen einzubauen und zu administrieren. Es gibt zwar noch keine zertifizierten Modelle am Markt, aber wir sollen sie einbauen. Wir sind noch am Umsetzen der Gesetze von vor einem Jahr, da bekommen wir schon die Nächsten. Und das wird nicht besser. Aktuell ist die im politischen Raum heiß diskutierte Netzentgeltmodernisierungsverordnung in der Pipeline. Wir müssen unsere Prozesse unter sich laufend ändernden Rahmenbedingungen optimieren. Wir haben eine starke Mannschaft und konnten von einzelnen Veränderungen recht gut profitieren. Das Pendel kann aber schnell in die andere Richtung ausschlagen.

 
Wie wirkt sich das auf die Preise für die Energiekunden aus?

Ursula Gefrerer: Die Preise werden in einem hohen Maß von außen diktiert. Gerade erst ist die Umlage Erneuerbare Energien gestiegen. Eigentlich bräuchten wir Ruhe an der Preisfront.

Wann sind die Kredite für den Rückkauf der DREWAG- und ENSO-Anteile abbezahlt?

Reinhard Richter: Wir leiden nicht unter der Tilgung, sondern haben jetzt eine vernünftige Eigenkapitalausstattung. Unser Ziel sind nicht 100 Prozent Eigenkapital, sondern eine dem Risiko entsprechende Kapitalausstattung. Ein großer Gewinn für uns ist es, dass sich DREWAG und ENSO unter einem Dach befinden. Dadurch können wir die Themen gemeinsam bearbeiten. Der Rückkauf der Anteile hat sich für Dresden und die Region vom ersten Tag an gelohnt. Der Kaufpreis war in Ordnung, wir sind in allen elementaren Zahlen besser als die Prognosen. Wir haben der Politik nichts geschönt vorgetragen.

Wo wird der Konzern seinen Sitz erhalten?

Reinhard Richter: Wir haben das „ENSO-Gebäude“ am Hauptbahnhof 2016 gekauft, es gehört jetzt der ENSO und ist die Basisstation für DREWAG/ENSO. Aktuell sind die Mitarbeiter/innen der Mutterhäuser hier am Hauptbahnhof untergebracht und die Netzgesellschaften sitzen im World Trade Center. Wir prüfen aktuell, ob wir einen Anbau an das Gebäude errichten wollen. Wir streben ihn an, dann könnten die Netzgesellschaften wieder zu den Muttergesellschaften ziehen. Das Grundstück für den Anbau befindet sich bereits im Eigentum der ENSO. Jetzt müssen wir berechnen, welche Effekte ein Anbau bringt.

Wie hoch ist der Marktanteil von DREWAG und ENSO?

Ursula Gefrerer: Wir liegen bei etwa 80 Prozent. Damit befinden wir uns im Schnitt der großen Stadtwerke in Deutschland.

Wie viele Mitarbeiter hat der TWD-Konzern?

Ursula Gefrerer: 5300. Bei DREWAG und ENSO sind 2800 Personen beschäftigt. Wir sind uns mit den Gremien einig, dass es keinen Personalabbau geben wird. Wir können die zusätzlichen Aufgaben im Kontext der wachsenden Stadt und der neuen Gesetze mit dem jetzigen Mitarbeiterbestand erfüllen.

Wie viel wollen Sie in diesem Jahr investieren?

Ursula Gefrerer: DREWAG und ENSO zusammen werden rund 230 Millionen Euro investieren. Die großen Maßnahmen finden unter der Erde statt. Wir investieren in Netzerhalt und Stabilität.

Reinhard Richter: Öffentlich sichtbar wird in Reick der schöne Schornstein fallen. Wir werden die Kapazität unserer Fernwärmespeicher in Reick verdoppeln. Das ist eine Konsequenz aus der Energiewende. Wer ein Kraftwerk flexibler betreiben will und trotzdem Wärmelieferant ist, muss Wärme speichern können. Außerdem werden wir einen Elektrodenheizkessel mit 40 Megawatt an der Nossener Brücke errichten. Wir partizipieren damit von den volatilen Preissignalen und können quasi überschüssigen Strom aus Windrädern und Photovoltaik-Anlagen nutzen, um „grüne“ Fernwärme zu produzieren. Gleichzeitig kann durch Teilnahme am Regelenergiemarkt das Netz stabilisiert werden. Wenn zu viel Strom ins Netz drängt und zu wenig Abnahme droht, werden wir Wärme produzieren.

Das Kraftwerk Mitte ist bis 2020 fertig. Welche Pläne haben Sie mit der Freifläche am früheren Kesselhaus, die sich ideal für einen Neubau eignet?

Reinhard Richter: Noch keine. Das Grundstück nehmen wir noch nicht in die Hand. Da wollen wir die Entwicklung des gesamten Areals abwarten. Wenn sich das Gelände weiter so entwickelt, wird der Wert nicht sinken und sich eine passende Vermarktung anbieten. Auf jeden Fall soll dort eine Tiefgarage entstehen. Die hätte ich am liebsten schon sofort für die Theaterbesucher.

Wie sehr spielt Ihnen der strenge Winter in die Karten?

Ursula Gefrerer: Für uns persönlich ist das ein Superwetter. Als Unternehmen haben wir mehr Wärme- und Stromabsatz. Aber das spült nicht so viel in die Kasse, wie man denken könnte. Wir kaufen langfristig ein anhand der langfristigen Wetterprognose. Bei einem milden Winter müssen alle verkaufen, bei einem strengen Winter müssen alle zukaufen. Das beeinflusst die Preise nicht in unserem Sinne.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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