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Lokales Tausende Schüler streiken in Dresden für Klimaschutz
Dresden Lokales Tausende Schüler streiken in Dresden für Klimaschutz
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06:23 16.03.2019
Tausende sind zur Schülerdemo #FridaysforFuture in Dresden zusammengekommen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Zum weltweiten Klimastreik der Initiative „Fridays for future“ („Freitage für die Zukunft“) sind am Freitag in Dresden mehrere Tausend Schüler auf die Straße gegangen. Zur Abschlusskundgebung auf dem Altmarkt forderten sie unter anderem, den Autoverkehr zu reduzieren, die Innenstadt von privaten PKW frei zu halten, statt dessen Radwege auszubauen sowie einen zuverlässigen und für alle bezahlbaren Öffentlichen Nahverkehr zu gestalten, der auch die ländliche Region rings um die Stadt einbezieht.

Jung und Alt sind am Freitagmittag auf die Dresdner Straßen gegangen, um ein Zeichen für die Umwelt zu setzen. Im Rahmen von „Fridays for Future“ nehmen unzählige der Dresdner Schüler am weltweiten Klimastreik teil.

Der Güterverkehr müsse von LKW auf die Schiene verlagert werden. Kohle solle künftig nicht weiter zur Energiegewinnung genutzt werden. In den Tagebauregionen solle Geld in die Schaffung neuer Arbeitsplätze gesteckt werden. Die Landwirtschaft in der Umgebung müsse nachhaltig produzieren. Nötig sei ein Umdenken in der Bevölkerung. Dazu gehöre auch Aufklärung in den Schulen.

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90 / Grüne) begrüßte die Initiative der Schüler. „Diese Veränderungen brauchen viel Schwung“, sagte sie auf dem Altmarkt. Druck sei notwendig, um die Maßnahmen zur Förderung von Radverkehr und Straßenbahn voranzutreiben. „Klimaschutz muss Pflichtaufgabe werden“, forderte sie. Grünen-Stadträtin Tina Siebeneicher sagte, Politiker dürften den Klimawandel nicht ignorieren. „Mut und Wille zu Veränderungen sind nötig“, fügte sie hinzu.

Veranstalter sprechen von 5000 Teilnehmern

Angemeldet hatten die Organisatoren 500 Teilnehmer. Auf dem Neustädter Markt am Goldenen Reiter sprachen sie von schätzungsweise 5000 Schülern. Dorthin waren sie vom katholischen St.-Benno-Gymnasium gezogen. Die Polizei musste zeitweise Straßen sperren, die Verkehrsbetriebe leiteten Straßenbahnen um.

„Manche denken, die Jugend von heute engagiert sich nicht“, rief Julia Leuterer von der Lokalen Agenda den Schülern vom Lautsprecherwagen herab zu. „Doch, das tut sie.“ Demonstrationen wie diese vermittelten den Beteiligten das wichtige Gefühl, nicht allein zu sein. Sie mahnte aber ebenfalls, sich nicht auf Forderungen an die Politiker zu begnügen. Vielmehr müsse jeder einzelne im Alltag etwas Konkretes tun. „Engagiert euch. Seid nicht Konsumentinnen, sondern Menschen in der Demokratie“, appellierte sie. Auch in der Dresden gebe es junge Leute, die sich bereits konkret für Umweltschutz einsetzen - „findet sie“.

Verkehrswende und Tempolimit gefordert

In Sprechchören riefen die Schüler: „Weil ihr uns die Zukunft klaut - wir sind hier, wir sind laut!“ Auf handgemalten Plakaten und Transparenten forderten sie unter anderem „Verkehrswende Dresden“, „Tempolimit 130 km/h auf der Autobahn“, „Weniger Asphalt, mehr Wald“, „Kohle stoppen“ oder „Gedankenwandel statt Klimawandel“ und klagten an: „Ihr zerstört, was uns gehört“.

Der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft müsse ein Ende haben, forderte ein weiterer Redner. Aber Appelle allein retteten die Welt nicht. „Umweltschutz muss von innen beginnen.“ Alle sollten ihre Wünsche begrenzen. „Ich muss das machen, wir müssen das machen. Politik wiederum solle den Weg ebnen zu einer umweltfreundlichen Wirtschaft. „Aber wir müssen anfangen. Alles muss klein beginnen.“ Ein weiterer Schüler prangerte den Export von Müll und Schrott aus der EU an. Zudem brauche es eine andere Landwirtschaftspolitik, die mit nicht länger vorzugsweise Großbetriebe finanziell fördere.

„Friedliche Revolution hat eine neues Gesicht“

Schätzungsweise 500 Schülerinnen und Schüler zogen nach der Kundgebung auf dem Altmarkt in die evangelische Kreuzkirche. „Die Gemeinde öffnet dafür gern ihre Türen“, begrüßte sie Pfarrer Holger Milkau. Vor 30 Jahren seien ebenfalls viele Menschen in die Kirche geströmt. „Die Friedliche Revolution geht weiter. Sie hat ein neues Gesicht bekommen - euer Gesicht.“

Jörg Schwerdtfeger, ein freiberuflicher Wissenschaftler, der zuletzt für den Deutschen Wetterdienst gearbeitet hatte, veranschaulichte den Schülern anhand von Diagrammen die komplexen Zusammenhänge des Klimawandels. Trotz Schwankungen sei langfristig eine Temperaturerhöhung zu konstatieren. Dies sei weitgehend Konsens in der Wissenschaft. Von fast 14.000 Artikeln zum Klimawandel, die von 1991 bis 2012 erschienen, hätten lediglich 24 diese Tatsache bestritten.

Gegenüber Veränderungen bei natürlichen Größen wie etwa die Intensität der Sonnenstrahlung habe sich die steigende Menge von Treibhausgasen als der wesentlichere Einflussfaktor erwiesen. Der Anstieg der globalen Temperatur lasse die Eisschilde schmelzen und den Meeresspiegel steigen. Rückkopplungseffekte sorgten für einen weiteren Anstieg der globalen Temperatur.

Von Tomas Gärtner

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