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Lokales Tausende Dresdner besichtigen Heizkraftwerk Nossener Brücke
Dresden Lokales Tausende Dresdner besichtigen Heizkraftwerk Nossener Brücke
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09:29 09.11.2015
Eine Besuchergruppe an der Schaltzentrale des Kraftwerks. Quelle: Tanja Tröger
Dresden

Einen Sonntagsausflug in kuschlig warme Gefilde haben knapp 4000 Dresdner unternommen. Nein, weder nach Mallorca noch ins Schwimmbad oder eine Tropenhalle, sondern ins Heizkraftwerk Nossener Brücke. Das wird am 19. Dezember 20 Jahre alt. Anlässlich des Geburtstages konnten Interessierte zum Tag der offenen Tür das Herzstück der Dresdner Strom- und Wärmeproduktion mal von innen anschauen. Und dort herrschen nahezu tropische Temperaturen. Schließlich produziert die Drewag im Kraftwerk Strom für zwei Drittel aller Dresdner Haushalte und Fernwärme für etwa 45 Prozent. Rund 560 Kilometer Leitung bilden ein dichtes Netz durch fast die gesamte Stadt.

Tausende Dresdner nutzten die Chance, das Gasturbinen-Heizkraftwerk einmal von innen zu sehen. Fotos: Tanja Tröger

Insgesamt 64 Mitarbeiter kümmern sich im Kraftwerk an der Nossener Brücke darum, dass kein Dresdner frieren oder im Dunkeln sitzen muss. Allein 30 Kollegen arbeiten im Schichtdienst, erläutert Kraftwerksleiter Axel Pechstein, und haben rund um die Uhr ein Auge auf die Anlagen. Mit drei Gas- und einer Dampfturbine wird Strom produziert, an vier Stellen Wärme. Kraft-Wärme-Kopplung heißt das Zauberwort: Zunächst wird im Kessel Erdgas verbrannt und ein Generator angetrieben, und die 550 Grad Celsius heiße Abluft wird genutzt, um die Stadt mit Fernwärme zu versorgen. „Dadurch liegt der Wirkungsgrad unserer Anlage mit 85 Prozent sehr hoch“, so Pechstein. „Würden wir nur Strom produzieren, läge er bloß bei 41 Prozent.“

„Wir fahren jetzt auf 15 Meter“ – gigantische Anlagen im Kraftwerk

Insgesamt 480 MW thermische Leistung und 260 MW elektrische Leistung schafft das Kraftwerk. Die Anlagen dazu beeindrucken durch ihre gigantische Größe. Besonders die Abhitzekessel sind auf einen Blick gar nicht zu erfassen. 25 Meter hoch und etwa 15 Meter breit sind sie. Nicht umsonst sprechen die Techniker nicht in Etagen, sondern in Höhenniveaus. „Wir fahren jetzt auf 15 Meter“, heißt es folglich beim Rundgang, wenn es zur Schaltwarte geht.

Die „Zentrale“ ist rund um die Uhr mit vier bis sechs Experten besetzt. Am Sonntagmittag sitzen Torsten Ehrig, Maik Zimmer und ihre Kollegen vor ihren Computer-Monitoren und dem Tableau, das nur noch für Notfälle dient, und lassen sich von den Besuchern durch die riesige Glasscheibe beobachten. „Ich bin heute schon von so vielen Leuten fotografiert worden“, lacht der „große Horst“ Ehrig. Die Gäste sind beeindruckt – und werden sich beim Rundgang des Segens der Fernwärme bewusst. „Wir hatten in unserer Wohnung schon immer Fernwärme“, sagt ein älteres Ehepaar aus Trachau. „Das ist herrlich! Kein Kohleschleppen, kein Streit, wer die Asche runterbringt“, zwinkert die Frau.

Dampfspeicherlok erinnert an altes Kohlekraftwerk

Ehe sie die Schaltzentrale verlassen, werfen sie noch einen Blick aus dem Fenster, wo früher das alte Heizkraftwerk stand. „Das kennen wir noch“, sagt der Trachauer. Bis 1997 war das Kohlekraftwerk in Betrieb, erzählt Kraftwerksleiter Axel Pechstein, dann wurde es abgerissen. Nur eine graue Dampfspeicherlok steht noch auf dem heute als Parkplatz genutzten Areal und erinnert an die alten Zeiten, in denen sie mit heißem Dampf angetrieben wurde und so die Kohlewaggons aufs Kraftwerksgelände gezogen hat.

Das 1995 in Betrieb gegangene neue Heizkraftwerk, jetzt 20 Jahre alt, soll noch bis 2030 oder gar 2035 weiterlaufen, erzählt Pechstein. Dann haben die Maschinen mit rund 40 Jahren ihre maximale Lebensdauer erreicht. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen: „Vielleicht neue Maschinen, vielleicht ein neues Werk, vielleicht kleiner wegen der Energiewende …“ Auf jeden Fall soll das Kraftwerk an der Nossener Brücke das Zentrum der Dresdner Energieproduktion bleiben.

Einmal pro Monat bietet die Drewag öffentliche Führungen durchs Kraftwerk, die nächste am 8. Dezember um 16 Uhr. Eine Anmeldung unter Telefon (0351) 860 44 44 ist erforderlich.

ttr

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