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Lokales „Tante-Emma-Laden“ verzichtet auf Einwegverpackungen
Dresden Lokales „Tante-Emma-Laden“ verzichtet auf Einwegverpackungen
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17:33 24.03.2017
Berit Heller betreibt einen von bundesweit 35 verpackungslosen Läden und versorgt ihre Kunden mit losen Waren in Bio-Qualität. Scannen Sie das Bild mit der Magic-Paper-App und sehen Sie ein Video.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

Der Laden in der Böhmischen Straße hat tatsächlich etwas von einem kleinen Kaufmannsladen. In selbstgezimmerten Holzregalen stehen Gläser, Kanister und Glassäulen mit einem Hahn unten – die Spender, aus denen Reis, Getreide, Nudeln, Nüsse und Müsli herauskommen. Es ist hell und sauber , die zum Teil handgeschriebenen Etiketten informieren über Herkunft, Hersteller, Haltbarkeitsdatum und Preis pro 100g. Essig, Öl, und Waschmittel stehen in großen Krügen und Kanistern, um die Ecke findet sich ein mehr als mannshohes Regal voller Gewürzgläser.

Doch das Sortiment erstreckt sich nicht nur auf Lebensmittel. „Lose geht weiter!“, verkündet Heller stolz, und verkauft deshalb auch Mehrwegbehälter – schicke Weckgläser, Thermobecher, Baumwollbeutel. Ungewöhnlich ist die Zahnpasta in Tablettenform, die im Mund mit Speichel aufschäumt und dann verputzt wird.

„95% der Waren sind Bio-zertifiziert, der Rest kommt aus regionaler Erzeugung“, erklärt Inhaberin Berit Heller. Die Kunden bedienen sich hier selbst und füllen in mitgebrachte Dosen und Gläser genau so viel, wie sie brauchen. Eine kleine rote Waage aus der Mitte des letzten Jahrhunderts steht zum Kontrollieren bereit. Wem die Behälter ausgehen, für den hat Heller eine „Notfallecke“, in der Plastikflaschen und Gläser unterschiedlichster Art für die Kunden kostenlos bereitstehen. So können die schon einmal produzierten Plastikdosen und Gläsern ein zweites, drittes, zehntes Leben haben, erklärt Heller begeistert.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), dieser Tage Mitveranstalter der ReUse-Conference in Brüssel, wirbt ebenso für die Verwendung von Mehrwegverpackungen, um Abfall zu reduzieren. Die DUH fordert, dass Verpackungsabfälle maximal 90 kg in 2030 pro Jahr und Einwohner betragen. Denn durchschnittlich verursacht jeder Europäer etwa 160 kg Verpackungsabfälle. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagt: „In Europa muss ein Umdenken stattfinden. Abfälle sollten nicht als gegeben hingenommen, sondern aktiv vermieden werden“.

Das hört sich natürlich gut an, ist aber in der alltäglichen Supermarkt-Einkaufsrealität für den Einzelnen schwierig zu realisieren, da alle Produkte, Reinigungsmittel, selbst Obst und Gemüse, keimfrei in Pappe und Plastik verpackt sind.

Doch dass die Produkte nicht steril abgepackt sind, störe ihre Kunden nicht, so Heller. „Den Leuten, die hier einkaufen kommen, liegt das Thema Verpackungsmüll am Herzen, und die haben sowieso eine andere Sicht auf die Welt und sind nicht so etepetete“, ist sie überzeugt. Die Waren wanderten ja mithilfe der Spender, Zangen und Schaufeln lediglich von einem Gefäß ins andere, ein Handkontakt finde nicht statt, argumentiert sie.

Heller, Ende vierzig, grün-schwarze Brille, rote Haare, offenes Gesicht und energische Art, besteht darauf, geduzt zu werden. Beim Bedienen hat sie Zeit zu plauschen, kommt mit ihren Kunden ins Gespräch. Die roten Sofas laden zum Verweilen ein, Kaffee aus den Bohnen einer kleinen Dresdner Rösterei gibt es auch.

Bevor sie sich vor zwei Jahren selbstständig machte, arbeitete sie viele Jahre in einer großen Firma als Einkäuferin. Doch sie hätte halt das „grüne Gen“ und 2014 kündigte sie ihren gut bezahlten Bürojob. Da hatte sie vom Konzept der verpackungsfreien Läden gehört und ihren Entschluss gefasst.

Mit einer Crowdfunding-Aktion wurde der Laden bekannt, es baute sich eine Stammkundschaft auf, mittlerweile kämen fast jeden Tag neue Kunden, denen sie das Einkaufsprinzip erkläre – Dose leer wiegen, Gewicht notieren, füllen, Leergewicht an Kasse abziehen lassen, bezahlen. Von Anfang an wollte Heller mehr als einen Ort zum umweltbewussten Einkaufen erschaffen. Kontakte sollten hier geknüpft werden, der Laden ein Treffpunkt sein. Nach zwei Jahren resümiert sie: „Es ist von Anfang an gut gelaufen“.

www.losedresden.wixsite.com/lose

Von Lisa Albrecht

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