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Lokales Talsperre Klingenberg ist trotz Trockenheit gut gefüllt
Dresden Lokales Talsperre Klingenberg ist trotz Trockenheit gut gefüllt
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19:00 08.08.2018
Trotz monatelanger Trockenheit ist die Talsperre Klingenberg immer noch gut gefüllt. Quelle: Uwe Hofmann
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Pretzschendorf

Es ist angenehm kühl in der Staumauer der Talsperre Klingenberg. 30 Meter ging es von der Mauerkrone über Wendetreppen in die Tiefe. „Wir stehen hier fast auf Höhe der Beckensohle“, sagt Ehsanulla Amani, der bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) für die 20 Stauanlagen im Betrieb Oberes Elbtal zuständig ist.

Die Talsperre Lehnmühle ist derzeit nur zu knapp 30 Prozent gefüllt. Sie bildet ein System mit der Talsperre Klingenberg und wird zu deren Gunsten angezapft. Quelle: Tino Plunert

12,58 Millionen Kubikmeter Wasser sind derzeit in der Talsperre Klingenberg, die gemeinsam mit der Talsperre Lehnmühle (aktuell 4,46 Millionen Kubikmeter) ein System bildet, das den gesamten Großraum Dresden mit Trinkwasser versorgt. Während die Wassermassen in oberen Schichten mit 21 Grad Celsius bedenklich warm sind, haben sie am Grund eine Temperatur von acht Grad. „Von dort kommt das Rohwasser, das wir an die Drewag nach Dresden-Coschütz und an das Wasserwerk der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH liefern“, sagt Amani.

Kapazität ist nicht das Problem, Qualität schon

Eine schlichte Aussage, die nicht verrät, wieviel Aufwand derzeit in Sachen Trinkwasserversorgung betrieben wird. Zwar sagt Sachsens Landwirtschafts- und Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) ganz klar: „Sachsen ist ein wasserreiches Land, trotz der seit Monaten andauernden Trockenheit ist der Wasservorrat in den Trinkwassertalsperren weiterhin gut.“ Aber: „Für die Qualität der Wasserversorgung müssen wir bei dieser Witterung einiges tun“, wie Amani sagt.

Ehsanulla Amani (r.), Betriebsteilleiter Stauanlagen LTV-Betrieb Oberes Elbtal sowie Rainer Lohse, stellvertretender Staumeister, im Nachlaufwerk der Talsperre. Durch die dicken Rohre unter den Männern fließt das Rohwasser für Dresden und Freital. Quelle: Uwe Hofmann

Das sind die zwei Seiten der Medaille: So seien die Talsperren in Sachsen derzeit immer noch zu 79 Prozent gefüllt, wie Minister Schmidt sagt. 59 Prozent sind es im für den Dresdner Raum wichtigen Talsperrensystem Klingenberg/Lehnmühle, was aber nichts bedeuten muss. Denn fällt der Wasserstand im Talsperrensystem unter 21 Millionen Kubikmeter, zapfen die Klingenberger die Talsperre Rauschenbach (aktuell 9,39 Millionen Kubikmeter) im Erzgebirge an, wie Birgit Lange, LTV-Betriebsleiterin Oberes Elbtal sagt. Beide Trinkwasserspeicher sind wie viele andere Talsperren in Sachsen auch über eine Rohrleitung verbunden. Wenn die Klingenberger den Hahn aufdrehen, strömen 150 Liter in der Sekunde in ihre Talsperre.

Je kühler, desto besser

Die Frage ist jedoch, ob dieses Wasser für die Trinkwasseraufbereitung geeignet ist. Das hat mit vielen Parametern zu tun, in der Regel gilt aber, je kühler desto besser, weil sich dann weniger Mikroorganismen im Wasser tummeln. „Ab 14 Grad Celsius wird es problematisch“, sagt Fachmann Amani. Deshalb wird meistens nachts Wasser von der Talsperre Lehnmühle über die fünf Kilometer lange Strecke nach Klingenberg gebracht – in der Hoffnung, dass es dort die nutzbaren Wasserschichten in der Tiefe vermehrt.

Im Wasserwerk an der Talsperre Klingenberg wird das Rohwasser gehärtet und gereinigt. Im Bild ist die Filteranlage zu sehen. Ausgefilterter Schmutz kommt in die Kläranlage. Quelle: Uwe Hofmann

Das Tiefenwasser lässt sich jedoch auch nicht so einfach verwenden, weil ihm der Sauerstoff fehlt. Seit vergangenem Jahr werden deshalb meist von Mai bis September Sauerstoff über poröse Leitungen auf dem Grund in die Talsperre gepumpt. „Wir hätten sonst zu viel Wasser, das wir nicht nutzen könnten“, sagt Amani. Das müsste dann wohl oder übel abgelassen werden. Stattdessen fließen derzeit nur 100 Liter pro Sekunde in die Wilde Weißeritz ab – die Mindestmenge zu der die LTV aus Naturschutzgründen verpflichtet ist.

Verbrauch steigt auf das Eineinhalbfache

Bei den zwei Abnehmern der Talsperre gibt es deutliche Größenunterschiede, die Probleme sind bei beiden die gleichen. Der Tagesverbrauch liegt derzeit beim eineinhalbfachen des normalen. 18 000 statt die üblichen 12 000 Kubikmeter Wasser fließen derzeit vom Wasserwerk an der Staumauer in Richtung Freital. 158 000 Kubikmeter pro Tag werden derzeit in Dresden verbraucht. „Das Jahresmittel liegt dagegen bei 107 000 Kubikmetern täglich, im Sommer sind schon mal 112 000 bis 130 000 Kubikmeter üblich“, sagt Volker Gebhard von der Drewag Netz GmbH. Dennoch sei die Kapazität der Dresdner Wasserwerke in Hosterwitz und Tolkewitz, wo Grundwasser und Uferfiltrat der Elbe aufbereitet werden, und in Coschütz, wo das Rohwasser aus der Talsperre Klingenberg ankommt, nur zu etwa 65 Prozent ausgelastet.

1914 wurde die Talsperre Klingenberg gebaut. Sie dient dem Hochwasserschutz und der Trinkwasserversorgung. In der Leitung nach Coschütz wird an drei Stellen auch Strom durch Turbinen gewonnen, der Energie für die Pumpen im Leitungssystem liefert. Quelle: Uwe Hofmann

Was nicht heißt, dass es keine Probleme gibt. So entnehmen die Dresdner derzeit mehr Wasser aus der Talsperre, als ihnen laut vereinbarten Schnitt von 800 Litern pro Sekunde eigentlich zustehen. Etwa 1100 Liter in der Sekunde sind es momentan. „Wir werden ab September wie in den vergangenen Jahren auch das Wasserwerk Coschütz für mehrere Monate außer Betrieb nehmen, um Reparaturen an Leitungen vornehmen zu können“, sagt Gebhard. Über das Jahr gesehen werde man so den vereinbarten Schnitt einhalten.

Wasserwerk Tolkewitz arbeitet mit Ausnahmegenehmigung

In Tolkewitz wird zudem derzeit nur mit Ausnahmegenehmigung gearbeitet. Die dort geltenden Wasserrechte besagen eigentlich, dass das Wasserwerk die Arbeit einstellen muss, wenn der Elbpegel unter 63 Zentimeter fällt. „Diese Wasserrechte stammen aus der DDR-Zeit, die Wasserqualität der Elbe hat sich seither deutlich gebessert“, sagt Gebhard. Deshalb arbeitet man bei den Drewag nun daran, neue Berechtigungen zu bekommen, die den aktuellen Bedingungen entsprechen. Dazu ist in der nächsten Woche ein Volllasttest geplant, der zeigen soll, wie sich das Ausreizen der Kapazität des Wasserwerks bei der derzeitigen Witterung auswirkt. Es werde allerdings noch Monate dauern, bis Tolkewitz neue Wasserrechte bekomme, meint Gebhard.

Von Uwe Hofmann

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