Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales TU-Studie: Pegida wird immer mehr zur Demo der Politikverdrossenen
Dresden Lokales TU-Studie: Pegida wird immer mehr zur Demo der Politikverdrossenen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 09.09.2015
TU-Professor Hans Vorländer stellte am Dienstag die erste Studie zu Pegida vor. Quelle: Stephan Lohse
Anzeige

Nur für 20 Prozent geht es um Zuwanderung oder Religion. Weitere 20 Prozent gaben Kritik an den Medien als Grund für ihr Kommen an.

Zudem hat die Studie erfasst, wer zu Pegida geht. Der „typische“ Pegida-Demonstrant stammt aus der Mittelschicht, ist gut gebildet und verdient überdurchschnittlich gut. Er ist im Schnitt 48 Jahre alt, männlich, weist keine Konfession und auch keine Parteizugehörigkeit auf. Und: Nur jeder dritte Demonstrant kommt aus Dresden.

Für die Studie, die erste empirische Erhebung zum Phänomen Pegida überhaupt, hatten 15 Studenten und Mitarbeiter der TU an drei Demo-Tagen im Dezember und Januar insgesamt 400 Teilnehmer anonym für jeweils rund zwei Minuten befragt. Dabei wurden jeweils zehn Fragen gestellt. Die Studie hat aber ein Problem: Von den angesprochenen Pegida-Teilnehmern verweigerten rund 65 Prozent jede Aussage. Zudem sei den Befragern eine teils feindselige Stimmung entgegen gebracht worden. Für manche hätte die Umfrage aber auch fast eine therapeutische Wirkung gehabt. Einige hätten sich gegenüber den Wissenschaftlern ihren ganzen Frust von der Seele geredet.

Die Forscher sehen ihre Daten trotz der vielen Nicht-Antworten jedoch als ausreichend an. Große Verzerrungen seien nicht zu erwarten. Die Stichprobe von 400, die mit den TU-Mitarbeitern redeten, sei groß genug für verlässliche Aussagen.

Studienleiter Hans Vorländer, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der TU Dresden, nimmt in den Ergebnissen eine tiefe Kluft zwischen Politik und Medien auf der einen Seite und den Problemen und Meinungen der Pegida-Teilnehmer auf der anderen Seite wahr. Seiner Meinung nach würden die Aussagen die Krise der repräsentativen Demokratie aufzeigen. Während politische Willensbildung in der Praxis immer komplexer werde und Kompromisse erforderten, wolle der Bürger einfache Aussagen und unmittelbar gehört werden. Das sei ein strukturelles Dilemma, so Vorländer. Für Politik und Medien gehe es nun darum, die Komplexität zu erklären, zu zeigen, dass Kompromisse nötig sind.

Eine Möglichkeit dazu könnten Volksentscheide sein. „Ich glaube nicht, dass das die Lösung der Probleme ist“, so Vorländer. Es würde die Bürger aber in die Verantwortung nehmen. Diese könnten dann nicht mehr die Politiker als Sündenböcke ansehen. „Man sollte es mal versuchen“, schlug der Wissenschaftler vor.

Wie es mit Pegida in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen könnte, dazu macht die Studie keine Aussagen. Vorländer selbst vermutet, dass sich Pegida entweder zu einer eigenständigen rechtspopulistischen Bewegung entwickeln, oder zum Partner der AfD werden könnte.

In jedem Fall wollen er und seine Mitarbeiter auch künftig Pegida-Teilnehmer zu deren Ansichten befragen. Die Befragung ist Teil des Forschungsprojektes "Der gute Bürger. Erwartungshorizonte und Zuschreibungspaxen", in dem unter anderem das Phänomen des "Wutbürgers" untersucht wird.

sl

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Dem „Mut und der Standhaftigkeit“ der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) haben es Journalisten zu verdanken, dass sie hierzulande „so frei ihre Meinung .

09.09.2015

Von Dresden soll erneut ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz ausgehen: Der Verein „Dresden – Place to be“ („Dresden – eine Stadt zum Leben“) kündigt für Montag, den 26. Januar, in der Innenstadt ein Riesenfest an mit vielen Bands, mit Klassik, Satire und kurzen Statements.

09.09.2015

Die sogenannte Pegida-Bewegung bleibt außerhalb von Dresden eine Marginalie. Während sich in der sächsischen Landeshauptstadt die Zahl der Demo-Teilnehmer weiter erhöhte, waren die selbsternannten Retter des Abendlandes in allen anderen Städten deutlich in der Unterzahl.

09.09.2015
Anzeige