Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales TU Dresden wird exzellenter
Dresden Lokales TU Dresden wird exzellenter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:01 28.09.2018
Dresdens neue Exzellenzcluster wollen mit Spitzenforschung die Zukunft verändern. Zum Beispiel mit Techniken, die Mensch und Roboter künftig einfacher miteinander agieren lassen. Quelle: TU Dresden
Dresden

Mit Forschung, die nach Science Fiction klingt und sich dennoch zukünftig ganz real in unseren Alltag einfügen soll, sichert sich die TU Dresden Chancen auf die Titelverteidigung als „Exzellenzuni“.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat drei der sechs Bewerbungen aus Dresden zu „Exzellenzclustern“ ausgewählt. Die Cluster „Physik des Lebens“, „Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien“ sowie das „Zentrum für taktiles Internet“ werden in den nächsten sieben Jahren jeweils bis zu 10 Millionen Euro jährlich für die Forschung erhalten. Damit hat die TU die erste große Hürde für den Titel „Exzellenz-Uni“ erfolgreiche gemeistert. Bewerbungsvoraussetzung sind mindestens zwei Exzellenzcluster.

„Rund 600 Mitarbeiter haben zusammen an den insgesamt sechs Anträgen gearbeitet“, berichtet TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen. „Das hat ein großes Wir-Gefühl erzeugt“. Seit dem Start der bundesweiten Exzellenzinitiative 2007 hat sich die TU kontinuierlich verbessert. „Wir sind damals mit einem Cluster gestartet“, erinnert sich Müller-Steinhagen. 2011 bewilligte die DFG bereits zwei Cluster und schuf so die Voraussetzung für de mit viel Fördergeld verbundenen Titel als „Exzellenz-Uni“.

Mehr Cluster, weniger Geld

Mit den nun drei Clustern könnten die Wissenschaftler in den nächsten sieben Jahren von viel Geld profitieren. Insgesamt vergibt die DFG jährlich 385 Millionen Euro Fördergeld an die Exzellenzcluster, die zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland finanziert werden. Ursprünglich wollte das Expertengremium maximal 50 Cluster aus den insgesamt 88 Bewerbungen in der engeren Auswahl fördern. Geworden sind es 57. „Das heißt, pro Cluster wird es weniger Geld geben“, sagt Müller-Steinhagen.

Die Physik des Lebens

Stephan Grill Quelle: Katrin Boes

Das Cluster „Physik des Lebens“ will auf physikalische Weise entschlüsseln, wie sich Moleküle, Zellen und Gewebe selbst organisieren und verschiedene Strukturen schaffen. Dabei untersuchen die Wissenschaftler beispielsweise, wie Zellen etwa kontrolliert Organe bilden. „Uns interessiert auch die Frage, wie sich unkontrolliertes Zellwachstum unterbinden lässt“, sagt Clustersprecher und Biophysiker Stephan Grill mit Verweis auf die Krebsforschung. Mit der Forschung wollen die Wissenschaftler an der TU grundlegende Fragen beantworten und damit das Leben besser verstehen.

Dabei wechseln die Forscher die Perspektive: Die dem Leben zu Grunde liegenden biologischen Prozesse in Molekülen und Zellen betrachten sie als komplexe physikalische Systeme.

Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Eva-Maria Stange (SPD) betonte, auch die nicht erfolgreichen Cluster tragen dazu bei, Dresden und Sachsen als Wissenschaftsstandort zu stärken. „Sie haben den Boden für neuen Sonderforschungsbereiche geschaffen“. Der Freistaat will zwei der Cluster ohne Erfolg bei der Exzellenzstrategie nun mit Geld aus dem eigenen Haushalt fördern.

Kritik aus der Studentenschaft

Neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gratulierte der Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung Robert Franke: Die TU übt mit ihrer exzellenten Forschung und Lehre eine erhebliche Anziehungskraft auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende aus aller Welt aus“. Das führe auch zur Ansiedlung von neuen Unternehmen in Dresden. „Die Exzellenzcluster haben eine Leuchtturm-Funktion, die die Zusammenarbeit mit Unternehmen erleichtert“, sagt der TU-Rektor.

Handwerker „downloaden“

Frank Fitzek Quelle: Georg Roske

„Aktuell rufen wir aus dem Internet Informationen ab. Zukünftig können wir Fähigkeiten abrufen“, ist Frank Fitzek vom Cluster „Zentrum für taktiles Internet“ überzeugt. Das Cluster stellt das Zusammenwirken von Mensch und Maschine in den Mittelpunkt.

Die TU-Ausgründung und Cluster-Partner „Wandelbots“ entwickeln beispielsweise eine Sensorjacke, mit der Roboter menschliche Bewegungen sofort nachahmen können. Intelligente Systeme können so mit Menschen quasi in Echtzeit kooperieren.

So solle es in der Zukunft vielleicht möglich werden, über das Internet einen Roboter-Handwerker in den eigenen vier Wänden einzusetzen, sagt Fitzek. „Cyber-physische Systeme werden die Arbeitswelt revolutionieren“, erklärt der Wissenschaftler.

Doch es gibt auch Kritik aus den eigenen Reihen. Der Studentenrat (Stura) bemängelt, dass zu wenig Geld in die Lehre fließe, die zu den Hauptaufgaben der Uni gehöre, sagt Stura-Geschäftsführer Fabian Köhler. „Eine Spitzenförderung kann die Breitenförderung nicht ersetzen.In Hinblick auf die kommende Bewerbung zur Exzellenz-Uni ist Dresden in Ostedeutschlands Flächenländern der einzige Leuchtturm. Mit Ausnahme von Berlin hat keine weitere ostdeutsche Uni die Hürde von zwei Exzellenzclustern genommen. „Jetzt geht es nahtlos in die nächste Phase“, sagt Stange. Im Dezember muss die Bewerbung für die Exzellenz-Uni bei der Komission der DFG auf dem Tisch liegen.

Die Konkurrenz für den Titel Exzellenz-Uni ist groß

Die Konkurrenz ist groß: 16 Unis und zwei Universitäten im Verbund bewerben sich auf elf Exzellenztitel. Im Februar bekommt die TU Dresden Besuch von internationalen Gutachtern der Expertenkommission. Ob die TU ihren Titel verteidigen kann, wird sich im Juli des nächsten Jahres zeigen. Die Chancen dafür stehen mit den nun drei Exzellenzclustern besser als beim letzten Mal.

Spitzenforschung in Atomen

Matthias Vojta Quelle: PR

Großes vor hat auch das Cluster um die kleinen Quantenmaterialien. „Technologiefortschritt beruht auf Entwicklung von Materialien“, sagt Clustersprecher und Physiker Matthias Vojta. Die Forschungsgruppe wird mit dem Fördergeld der Exzellenzstrategie den Einfluss von geometrischen Anordnungen der Teilchen, also deren Topologie, auf die Materialeigenschaften untersuchen. Vereinfacht ausgedrückt: „Die topologischen Eigenschaften der gebundenen Schnürsenkel entscheiden, ob der Schnürsenkel beim Ziehen aufgeht oder nicht“, erklärt Vojta.

Das Cluster wird Grundlagenforschung betreiben, wie genau die Anwendung aussehen könnte, wird sich zeigen. Die Forscher verbinden dabei Quantenmechanik und Physik. Der Clusterantrag erfolgte zusammen mit der Uni Würzburg.

Von Tomke Giedigkeit

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mission Lifeline Dresden gehört zu den elf für den Sacharow-Preis nominierten Hilfsorganisationen, die in der Seenotrettung tätig sind. Das teilte das EU-Parlament am Donnerstag in Brüssel mit. Sie hätten es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge zu retten, die auf Booten versuchen, Europa zu erreichen.

27.09.2018

Für viele Menschen und Initiativen wie die „Seebrücke Dresden“, ist eine Stellungnahme im Hinblick auf das Thema der Seenotrettung seitens sächsischer Amtsträger längst überfällig. Nun wird erstmals im Landtag eine entsprechende Debatte geführt.

27.09.2018
Lokales Super8-Hotel in Dresden - Richtfest an der Marienbrücke

Das Musterzimmer ist schon fertig, obwohl sich das Gebäude noch im Rohbauzustand befindet. Im Juni 2019 sollen die ersten Gäste im Super8-Hotel an der Marienbrücke einziehen. Am Donnerstag war Richtfest.

27.09.2018