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Lokales TU Dresden: Mutig werden mit Til Tiger
Dresden Lokales TU Dresden: Mutig werden mit Til Tiger
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13:10 21.09.2016
Handpuppe Til Tiger hilft Dr. Susanne Knappe bei der Behandlung. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Etwa zehn bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden an einer Angsterkrankung. Meist fallen ihre Sorgen nicht auf Anhieb auf, dabei ist Handlungsbedarf gefragt, um eine ungünstige Entwicklung bis ins Erwachsenenalter zu verhindern. PD Dr. Susanne Knappe vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden erklärt im DNN-Interview, wann ein Kind nicht mehr nur schüchtern ist und wie man die Betroffenen behandeln kann.

Wann sollte ich mir als Elternteil Sorgen machen, wenn mein Kind zurückhaltend ist?

Nicht jedes Kind, das zu uns kommt, verlässt uns mit einer Angsterkrankung. Genaues Erfragen, Gespräche mit den Eltern und möglicherweise auch mit Lehrern oder Erziehern sind deshalb wichtig, um die richtige Diagnose zu stellen. Natürlich gibt es auch einfach schüchterne Kinder, die sich weniger trauen als andere. Erst wenn Kinder und Jugendliche mehrere Monate massiv im Alltag beeinträchtigt sind, unter ihren Ängsten und Sorgen leiden oder sich zurückziehen, und zum Beispiel ihr Leistungspotential nicht ausschöpfen können, spricht man von einer Angsterkrankung.

Was fürchten die Kinder und welche Auswirkungen hat das?

Wir unterscheiden mehrere Bereiche: Die Spezifische Phobie vor bestimmten Situationen oder Dingen wie Hunden oder Monstern und Dunkelheit, die Trennungsangst und die Soziale Angst, bei der Kinder fürchten, im Mittelpunkt zu stehen, weil vielleicht Mitschüler oder Erwachsene schlecht über sie denken könnten. Das bedeutet zum Beispiel, die Kinder trauen sich in der Schule nicht, sich zu melden, obwohl sie die Antwort kennen. Oder sie haben Angst davor, andere Kinder zu fragen, ob sie mitspielen dürfen. Die Einschränkungen sind also deutlich in verschiedenen Lebensbereichen der Kinder sichtbar.

Was sind die Folgen, wenn eine Angsterkrankung nicht behandelt wird?

Wer sich nicht traut, sich zu melden, bleibt unter seinen Leistungen, bekommt vielleicht schlechte Noten. Zu wissen, dass man es besser kann, frustriert und macht traurig. Betroffene wechseln zum Beispiel eher selten aufs Gymnasium oder brechen später ihr Studium vor der mündlichen Prüfung ab. Eine Angsterkrankung hat also Folgen für die Berufswahl und die weitere psychische Gesundheit. Wer nicht erreichen kann, was er eigentlich möchte, hat ein erhöhtes Risiko, depressiv zu werden. Auch Alkohol und Drogen spielen bei Jugendlichen eine Rolle, um Ängste zu lindern und z.B. auf Partys lockerer zu werden.

Dabei sind die Erfolgsaussichten einer Therapie vielversprechend, oder?

Absolut. Angst ist ein gesundes Gefühl, das wollen wir nicht wegbehandeln. Aber die Kinder und Jugendlichen können lernen, dass Angst auch hinderlich sein kann. Bei jüngeren Kindern machen wir das spielerisch, zum Beispiel mit Geschichten der Helferfigur Til Tiger, die auch lernt, mutig zu werden. Egal ob jüngere oder ältere Kinder, Ziel ist es, die Situationen aufzusuchen, die ihnen Angst gemacht haben. Sie gehen zum Beispiel alleine zum Bäcker mit dem Gedanken: Ich schaffe das. Und Schaffen bedeutet schon, es zu versuchen. Durch probieren und üben lernen sie: Dass, was sie befürchten, tritt nicht ein. Natürlich ist auch die Einbeziehung der Eltern wichtig, die helfen können, ihre Kinder zu ermutigen.

Wie lange dauert es, bis die Kinder und Jugendlichen merken, dass sie kritische Situationen tatsächlich meistern können?

In der Regel behandeln wir über 25 Wochen, jeweils eine Stunde pro Woche. Es gibt aber auch die Möglichkeit, an der „KibA-Studie – Kinder bewältigen Angst“ teilzunehmen. Der Ablauf ist der gleiche, aber viel intensiver und innerhalb von acht Wochen. Das ist natürlich eine logistische Meisterleistung für die Familien, aber es funktioniert.

Nähere Informationen zum Therapieangebot der Ambulanz für Kinder und Jugendliche erhalten Interessierte bei PD Dr. Susanne Knappe, Tel.: 463 42 231, Mail.: kiju-ambulanz.psychologie@mailbox.tu-dresden.de.

Von Christin Grödel

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