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Supermärkte ziehen in die Dresdner Innenstadt

Die Einzelhandelslandschaft im Wandel Supermärkte ziehen in die Dresdner Innenstadt

Geschäfte und Läden müssen nicht vor dem Onlinehandel zittern, wenn sie ihre Stärken ausspielen. Auch die Dresdner Einzelhandelslandschaft wandelt sich spürbar: Supermärkte und Drogeriemärkte drängen in die Innenstadt, internationale Ketten suchen nach geeigneten Flächen.

Hohe Frequenz: Auf der Prager Straße werden 6500 Fußgänger pro Stunde gezählt.
 

Quelle: Ralf U.Heinrich

Dresden.  Der Immobiliendienstleister CBRE attestiert der Dresdner Einzelhandels- und Gastronomielandschaft eine gute Entwicklung im vergangenen Jahr. Die Branche könne auch optimistisch auf das Jahr 2017 blicken. Die Situation in der Landeshauptstadt sei stabil. Ein Überblick über die Trends.

Wieviel Einzelhandelsfläche gibt es in Dresden?

Allein 400 250 Quadratmeter in 13 Einkaufscentern. Das sind 736 Quadratmeter pro 1000 Einwohner. Zum Vergleich: deutschlandweit sind es 125 Quadratmeter. In Chemnitz beträgt der Index 1070 Quadratmeter pro 1000 Einwohner, in Leipzig 519 Quadratmeter.

Wie sehr macht der Onlinehandel den Läden und Geschäften zu schaffen?

CBRE-Manager Andreas Malich erkennt Sättigungseffekte. Die Branchen, die zuerst von den Online-Anbietern betroffen waren, würden jetzt immer weniger Marktanteile an den Internethandel abgeben. So würde der Umsatz bei Büchern oder Elektronik im Internet nach riesigen Sprüngen nur noch einstellig ausfallen. Der neue Trend laut Malich: Die Anbieter fahren zweigleisig mit Internetpräsenz und dazu einer Filiale in der Innenstadt.

Also boomt der Einzelhandel wieder?

„Falsch“, sagt Malich, „der Einzelhandel ist im Wandel.“ Es habe noch nie so viele Pleiten wie 2016 gegeben. Mit Strenesse, Wöhrl, Steilmann, Sinn Leffers, Strauss oder Promod und Stefanel habe es große Namen getroffen, die teilweise leere Schaufenster in den Städten hinterlassen hätten. Dafür würden andere Anbieter nachrücken. Aber: Die Zahl der Abgänge konnten sie noch nicht ausgleichen. „Handel muss sich auf Veränderung einlassen“, glaubt Malich.

Welche Trends sind zu erkennen?

Erstens: Lebensmittelketten rücken mit neuen Konzepten wie „Rewe to go“ in die Innenstadtlagen. In Dresden macht es der Konsum am Neumarkt vor. Zweitens: Drogeriemärkte werden immer größer und siedeln sich im Zentrum an. Wie die Kette „dm“ im Haus am Postplatz, für das bald Baubeginn ist. Drittens: Dresden gerät in den Focus internationaler Handelsketten wie der britischen „Top Shop“ und „Office shoes“ oder der türkischen „Yargici“, die früher nur die absoluten Metropolen im Fokus gehabt hätten. „Jetzt sagt Top Shop: Die nächste Filiale entsteht in Dresden“, erklärte CBRE-Managerin Claudia Spiegel. Viertens: Ein Fünftel der Mietinteressenten sind gastronomische Konzepte. Es handele sich zumeist um Systemanbieter mit einer Vielzahl von Filialen. „Nur sie sind in der Lage, Mieten von bis zu 45 Euro pro Quadratmeter in Dresden zu erwirtschaften“, so Spiegel.

Welche Lagen sind gefragt?

Die Top-Lagen Prager Straße, Altmarkt und Neumarkt. Die Wallstraße wird sich zur neuen Top-Lage entwickeln, ist sich Spiegel sicher. Hier würden in den nächsten Jahren bis zu 10 000 Quadratmeter Handelsfläche neu entstehen. Noch einmal 10 000 Quadratmeter würden durch weitere Neubauten im Zentrum dazukommen.

Wer sind die Verlierer der Entwicklung?

Nebenlagen wie das Otto-Dix-Center oder das Gorbitzcenter, das gegenwärtig umgebaut wird. „In diesen Lagen stagnieren die Mieten oder sie sinken sogar“, erklärt Spiegel.

Welche Mieten müssen Einzelhändler in den besten Lagen zahlen?

Den Abschnitt der Prager Straße vom Karstadt bis zur Centrum Galerie frequentieren 6500 Passanten pro Stunde. Da werden bis zu 115 Euro pro Quadratmeter fällig. Am Neumarkt müssen für Ladengeschäfte mit Blick zur Frauenkirche bis zu 100 Euro gezahlt werden. Die Schlossstraße hat Spitzenmieten von 80 Euro, es folgen der Altmarkt mit bis zu 65 Euro und die mittlere Prager Straße mit bis zu 60 Euro. Auf der oberen Prager Straße bis zum Hauptbahnhof lassen sich laut CBRE 50 Euro pro Quadratmeter erzielen.

Was macht Dresden so attraktiv für den Einzelhandel?

Bevölkerungswachstum, vergleichsweise hohe Einkommen und damit hohe Kaufkraft, viele Studenten, die Nähe zu Tschechien und Polen. So habe die Eröffnung der Autobahnverbindung nach Prag positive Effekte – vor allem für die Center Kaufpark Nickern und Elbepark mit ihrem Autobahnanschluss und den kostenlosen Parkplätzen.

Wirkt der negative Effekt der Pegida-Bewegung auf Umsätze und die Ansiedlungsabsichten von großen Ketten?

„Nicht mehr“, sagt Malich. Er habe durchaus mit Interessenten gesprochen, die wegen der Pegida-Demonstrationen Abstand von ihren Plänen mit Dresden genommen hätten. Einzelhändler hätten auch über Umsatzeinbußen an Montagen geklagt, wenn die Demonstrationen vor ihren Geschäften gestartet wären. „Aber das hat sich beruhigt. Pegida wird nicht mehr groß thematisiert.“

Wie sehr tut der Stadt der Rückgang an Touristen weh?

Er ist spürbar an einer stagnierenden Frequenz auf den Straßen und in den Geschäften. Alle großen Städte hätten ein Touristenplus zu verzeichnen, nur Dresden nicht, so Malich. „Hier muss sich Dresden anstrengen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.“

Werden sich eines Tages Anbieter von Luxuswaren in Dresden ansiedeln?

„Nein“, sagt Malich. Um den Neumarkt herum lasse sich das Premiumsegment nieder. Aber Marken wie „Gucci“ oder „Louis Vuitton“ würden in den nächsten fünf Jahren Dresden links liegen lassen. Dafür reiche weder die Kaufkraft der Einwohner noch das Potenzial an zahlungskräftigen Touristen.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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