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Lokales Sturmtief "Friederike" erreicht Sachsen
Dresden Lokales Sturmtief "Friederike" erreicht Sachsen
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19:31 18.01.2018
Sturmtief „Friedrike“ hat Dresden erreicht Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Dresdnerinnen und Dresdner müssen sich für den Rest des Tages auf stürmische Stunden einstellen. Das Orkantief „Friederike“ ist am Donnerstag über Sachsen gefegt und hat dabei für erhebliche Behinderungen im Verkehr gesorgt. Am Nachmittag wehte der Wind am 1215 Meter hohen Fichtelberg mit einer Geschwindigkeit von 165 Kilometern pro Stunde. Bei dieser Größenordnung sprechen die Meteorologen bereits von einem extremen Orkan. Windstärke 12 und damit das Ende der Skala ist bei 120 Stundenkilometern erreicht. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, wurde dieser Wert im Flachland am Nachmittag am Flughafen Leipzig-Halle übertroffen (133 Stundenkilometer).

Nachdem „Friederike“ bereits im Westen und in der Mitte Deutschlands für Verwüstungen gesorgt hat, machen sich die Auswirkungen nun auch im Osten des Landes bemerkbar. Die Dresdner Feuerwehr ist mit 100 Einsatzkräften seit Donnerstagabend im Dauereinsatz. Trotz der vollständigen Belegung aller Plätze an der 112, kann es zu Wartezeiten kommen. Wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte sind mehrere hundert Notrufe aus Dresden und dem Umland eingegangen. Einer beispielsweise von der Stauffenbergallee. Dort blockierte ein Baum die Fahrbahn und beschädigte ein Fahrzeug.

In Sachsen kam es am späten Donnerstagnachmittag bereits zu ersten wetterbedingten Verkehrsunfällen und einem Verletzten. Auf der Autobahn 13, bei Marsdorf, war ein LKW-Gespann von einer Böe erfasst und umgeweht worden. Der Beifahrer wurde verletzt. Der Verkehr wurde von der Polizei an der Unfallstelle vorbeigeleitet.

"Frederike" verursacht in Sachsen ersten Unfall: eine Person wird verletzt Quelle: Roland Halkasch

Bei einem Unfall während des stürmischen Wetters im Süden Brandenburgs ist am Donnerstag ein Lastwagenfahrer ums Leben gekommen. Das Fahrzeug sei auf der Autobahn 13 (Berlin- Dresden) bei Ortrand nahe der Grenze von Brandenburg zu Sachsen in die Mittelleitplanke geprallt und umgestürzt, teilte das Polizeipräsidium in Potsdam mit. Nach jetzigem Stand der Ermittlungen der Polizei, ist der Unfall auf den Sturm zurückzuführen. Der Lastwagen sei demnach von einer Windböe erfasst worden und umgekippt, teilte die Polizei per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Der Lastwagenfahrer wurde eingeklemmt und starb noch am Unfallort.

LKW-Fahrer kommt bei Unfall ums Leben. Ob der Lastwagen wegen des Sturms verunglückte, war nach Angaben des Präsidiums zunächst noch unklar. Quelle: Roland Halkasch

Zudem sorgten auf den Autobahnen im Freistaat umgestürzte Bäume für erhebliche Behinderungen. Am Dreieck Parthenaue (A 14) bei der Überleitung zur A 38 sowie auf der A 14 in Höhe Leipzig-Ost blockierten umgestürzte Lastwagen die Fahrbahnen. Auch in Radebeul musste die Feuerwehr wegen eines umgegafallenen Baumes im Stadtteil Wahnsburg, am Graue-Presse-Weg, ausrücken. Ein weiterer Baum wurde in der Nähe der Radebeuler Baumwiese entwurzelt.

In Pirna haben Sturmböen auf der Bundesstraße B172 gegen 16.30 Uhr mehrere Behelfsampeln am VW Audi Autohaus umgeworfen. Die Polizei sperrte die betroffenen Fahrbahnen stadteinwärts vorübergehend ab und leitete den Verkehr an der Gegenfahrbahn vorbei. Mittlerweile wurden die Ampeln von Mitarbeitern der Verkehrstechnik Böber GmbH und Polizeibeamten von der Straße entfernt. Auf der Rosa-Luxemburg-Straße wurde außerdem das Dach eines Mehrfamilienhauses abgedeckt. Die dadurch herabgerissenen Dachziegelteile haben einen parkenden Pkw am Fußweg unter sich begraben.

In Pirna haben Böen des Sturms auf der Rosa-Luxemburg-Straße das Dach eines Mehrfamilienhauses abgedeckt und Teile davon einen parkenden Pkw am Fußweg unter sich begraben Quelle: Daniel Förster

In Mittelsachsen seien infolge des Sturmtiefs zudem bis zu 14.000 Haushalte ohne Strom, berichtet die Freie Presse.

Aufgrund der Sturmwarnung muss auch die heutige Veranstaltung im Sarrasani Trocadero Theater ausfallen. Wie das Theater bekannt gab, wurde vom Deutschen Wetterdienst Sturm bis zur Windstärke 11 für die Abendstunden in Dresden vorhergesagt. Das macht ein Bespielen des Trocadero-Zeltes im Elbepark unmöglich. Laut Baugenehmigung dürfen Veranstaltungen im Zirkuszelt nur bis Windstärke 8 stattfinden. Alle, die für heute Abend eine Karte zur Elements III – Show gekauft haben, werden direkt vom Sarrasani-Team kontaktiert und auf einen neuen Termin umgebucht. Wer Fragen hat, kann sich unter der Sarrasani-Tickethotline 0351/646 5056 informieren.

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Sturmtief "Frederike" wirbelt Sachsen ordentlich auf

Angesichts der Unwetterwarnung hat auch die Stadtverwaltung in Pirna am Donnerstag ihre Türen geschlossen. Der Dienstbetrieb wurde eingestellt, um den Mitarbeitern einen noch relativ sicheren Heimweg zu gewährleisten. Das Bürgerbüro ist Freitag wieder von 8 bis 12:00 Uhr geöffnet. In Freital bat die Stadtverwaltung alle Eltern um die Abholung ihrer Kinder aus den Kitas. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme und soll allen ermöglichen, sicher nach Hause zu kommen bevor der Sturm seinen Höhepunkt ab dem späten Nachmittag erreicht“, so der Erste Bürgermeister Peter Pfitzenreiter. Für Kinder, die nicht abgeholt werden können, sei auch über 16.00 Uhr hinaus eine Notbetreuung abgesichert.

Die SPD Sachsen gab zudem in einer Pressemitteilung bekannt, dass ihre für Donnerstagabend geplante Mitgliederkonferenz in Chemnitz wetterbedingt abgesagt werden muss. Angesichts der Situation auf Sachsens Straßen und im Bahnverkehr, möchte man laut Pressesprecher Julian Hoffmann kein Risiko eingehen und den Mitgliedern den Weg durch den Sturm zumuten.

Verspätungen bei Flügen, Bahnen und Bussen

Die Sicherheitsvorkehrungen im Nah- und Fernverkehr bleiben weiterhin bestehen. Angesichts des herannahenden Orkantiefs ist der Zugverkehr am Donnerstagabend eingestellt worden. Betroffen sind demnach bislang vor allem Strecken von und nach Leipzig und Dresden. Die Züge fahren bis zum nächsten geeigneten Bahnhof und bleiben stehen. Genaue Informationen zur Dauer der Einschränkungen liegen laut der Bahn noch nicht vor.

Mittlerweile hat auch die Länderbahn aufgrund zahlreicher Schäden auf den Strecken den Zugverkehr komplett eingestellt. Laut Pressesprecher Jörg Puchmüller verbleiben die trilex Züge zur Sicherheit der Fahrgäste auf ihren letzten Unterwegsbahnhöfen. Angesichts der wetterlage sei es schwierig einen Busnotverkehr zu organisieren, da die Busbetriebe den Verkehr witterungsbedingt ebenfalls größtenteils eingestellt haben. Derzeit werden die Fahrgäste mit allen zur Verfügung stehenden Bussen und Taxen weitertransportiert.

Wie die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) auf Twitter mitteilten, entfallen aufgrund des Unwetters am Donnerstag auch alle Fahrten der Schwebebahn und der Fähre im Bereich der Fährstelle Niederpoyritz. Durch den Sturm seien bereits Bäume umgestürzt die auf verschiedenen Strecken (4,7,8) für Störungen sorgen. Die Störungen der Linie 80 in Richtung Baumwiese Störung sind derweil behoben. Linie 72 und 80 verkehren wieder planmäßig, obwohl laut der DVB  weiterhin mit Verspätungen gerechnet werden muss. Aktuell wird in der Nordstraße ein Ersatzverkehr der Linie 11, zwischen Albertplatz und Bühlau Ullersdorfer Platz eingerichtet.

Das Sturmtief hat zudem am Flughafen Leipzig/Halle zu ersten Flugausfällen geführt. Drei Maschinen aus München, Wien und Zürich seien am Donnerstagnachmittag gar nicht erst nach Leipzig gekommen, so dass auch die Rückflüge gestrichen werden mussten, sagte Flughafensprecher Uwe Schuhart. Eine erste Orkanböe war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gegen Mittag über den Flughafen gefegt. „Es wackelt draußen zwar ordentlich, aber bisher sind keine Schäden registriert worden“, sagte Schuhart. Auch auf dem Airport Dresden International wurden Flüge gecancelt. Betroffen waren Maschinen von und nach München, Düsseldorf, Stuttgart und Zürich.

Welche Rechte Reisende bei höherer Gewalt haben und wann man Bahntickets und Sitzplatzreservierungen stornieren kann, erfahren Sie hier: http://www.reisereporter.de/artikel/3055-sturmtief-friederike-wegen-eissturm-deutsche-bahn-warnt-vor-verspaetungen-flugausfälle.

Nach DWD-Angaben sind in Tieflagen Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde zu erwarten. Erst am späten Donnerstagabend sei mit einer Beruhigung zu rechnen. Am Freitag gehen zwar die Windstärken herunter, das Wetter bleibt aber ungemütlich. In Höhenlagen ab 400 Metern ist mit Schneeschauern zu rechen. Ein erstes Zwischenfazit hat der Wetterdienst bereits auf Twitter veröffentlicht:

Bereits am Mittwochabend hatte starker Schneefall innerhalb kurzer Zeit den Flugplan in Dresden durcheinandergewirbelt. Nach Angaben des Flughafens wurden zwei Verbindungen gestrichen. Betroffen waren die Flüge nach Düsseldorf und München. Zuvor sollten zwei Maschinen auf dem Flughafen landen, sie seien jedoch nach Leipzig umgeleitet worden, sagte ein Sprecher. Nach seinen Angaben hatte es am Abend „kurzzeitig sehr stark“ geschneit. Am Donnerstagmorgen hatte sich der Fluplan wieder normalisiert.

Das Winterwetter hatte zuvor am Mittwoch vor allem den Berufsverkehr getroffen. Mehrere Busse mit Schulkindern verunglückten in Nordrhein-Westfalen bei Glätte. Bei Zwönitz im Erzgebirge kam auf glatter Straße ein Linienbus von der Straße ab und krachte gegen einen Baum. Der Fahrer und vier Fahrgäste wurden schwer verletzt. In Thüringen stürzte am Morgen auf der A9 bei Schleiz ein mit Gurken beladener Laster bei Schneeglätte auf ein Feld neben der Fahrbahn – der Fahrer blieb unverletzt.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst warnt weiterhin davor, die Wälder um Dresden während des Sturms zu betreten. Es bestehe Lebensgefahr. In Regionen, denen Orkanböen drohen, empfehlen Meteorologen außerdem, Aufenthalte im Freien generell zu vermeiden. Sie warnen vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen. Die Bevölkerung wird darüberhinaus gebeten, Fenster und Türen zu schließen, Gegenstände im Freien zu sichern und, besonders wegen herabstürzender Teile, Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen zu halten oder den Aufenthalt im Freien ganz zu vermeiden.

Von Robert Nößler/fs/mir/dpa

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