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Studenten der TU Dresden bauen ihre eigene Rakete

Mit Mira ins All Studenten der TU Dresden bauen ihre eigene Rakete

Trocken ist das Studium am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Dresden (TU) ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Studenten verschiedener Studienrichtungen und Semester arbeiten dort neben ihren Vorlesungen gemeinsam an einer Mini-Rakete namens Mira.

In den vergangenen Jahren tüftelten und bastelten so bereits mehr als 100 Studenten im Rahmen von Beleg- und Abschlussarbeiten an der 3,6 Meter langen und 23 Kilogramm schweren „Smart Rocket“.

Quelle: Institut für Luft- und Raumfahrttechnik

Dresden.  Trocken ist das Studium am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Dresden (TU) ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Studenten verschiedener Studienrichtungen und Semester arbeiten dort neben ihren Vorlesungen gemeinsam an einer Mini-Rakete namens Mira. In den vergangenen Jahren tüftelten und bastelten so bereits mehr als 100 Studenten im Rahmen von Beleg- und Abschlussarbeiten an der 3,6 Meter langen und 23 Kilogramm schweren „Smart Rocket“, die im optimalen Fall schon in einigen Monaten abheben soll.

Ermöglicht wird das durch das Studentenprogramm „STERN“ vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das auf diese Weise für attraktive Studienbedingungen für angehende Raketentechniker sorgen will. „Es fehlt vor allem in der Fachrichtung Raketen- und Trägersysteme an Nachwuchs“, sagt der Projektleiter und Raumfahrtprofessor Martin Tajmar von der TU Dresden. „Deshalb bietet das Projekt eine hervorragende Möglichkeit, unsere Studenten an die Praxis heranzuführen, indem sie selbst eine echte Rakete bauen können“, fügt er an. Insgesamt fördert das DLR acht deutsche Hochschulen mit diesem Raketen-Programm.

Fünf der teilnehmenden Unis haben ihre Raketen bereits vom Startplatz Esrange im nördlichen Schweden in den Himmel geschossen. Die Dresdner Mira könnte nun bald folgen. Die größte Hürde ist jedenfalls genommen: Der Antrieb ist soweit fertig. Während die anderen Unis bei ihren Fluggeräten auf Festtreibstoff oder Hybridantriebe gesetzt haben, bauen die Studenten der TU Dresden einen reinen Flüssigtreibstoffantrieb, der mit Ethanol und Flüssigsauerstoff betrieben wird. Dieser lässt sich einfacher kontrollieren und nach einer Zündung auch wieder ab- und anstellen, heißt es. Dafür ist der Aufbau weitaus aufwendiger und komplizierter.

Deshalb haben die Studenten in den vergangenen Monaten ihre Anstrengungen hauptsächlich auf die Fertigstellung des Antriebs konzentriert. Der letzte Test im Februar brachte dann den Durchbruch. „Auf einem Schubgerüst aus Beton haben wir über 130 Zündungen durchgeführt und unser Ziel, eine erfolgreiche Antriebssimulation, erreicht“, sagt Christian Bach, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut und für die Betreuung des Projektes zuständig. Jetzt geht es noch um den finalen Aufbau der Rakete und diverse Vorabtests.

Doch die Zeit dafür wird langsam knapp. Ob und wann Mira tatsächlich einmal abheben kann, ist noch nicht sicher. Wenn die DLR den Geldhahn zudreht, wäre das das vorzeitige Aus für die Himmelsstürmer an der TU. „Das Projekt war ursprünglich bis 2016 ausgelegt, wir konnten die Förderung aber vorerst erfolgreich bis Ende 2017 verlängern“, sagt Professor Tajmar. Das genügt wohl nicht. Denn obwohl man schon sehr weit sei, werde man jedoch bis Dezember wohl keine flugfähige Rakete präsentieren können, meint der Wissenschaftler.

Doch am Institut ist man optimistisch, dass das DLR die Förderung noch einmal verlängert und die Rakete dann schließlich im nächsten Jahr abheben kann. „Wir sehen die Verzögerung auch keineswegs negativ, sondern finden den Entwicklungsprozess sogar sehr förderlich. Die Mira ist eine rein von Studenten entwickelte Rakete, ohne Hilfe von außen oder zugekaufte Komponenten – so wie etwa an anderen Unis“, sagt Bach.

So sind neben dem Institut für Luft- und Raumfahrttechnik noch Dutzende weitere Bereiche der TU mit in das Projekt eingebunden. Die Spitze der Rakete besteht beispielsweise aus natürlich verstärktem Kunststoff vom Lehrstuhl für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik. Auch die gesamte Sensorentechnik und das Kommunikationssystem der Rakete sind von Studenten der TU entwickelt worden. Die einzelnen Bauelemente und Prototypen existieren allesamt schon, jetzt muss die schmale, im Durchmesser gerade einmal zwölf Zentimeter messende Rakete zusammengebaut und ausführlich getestet werden. „Die geringe Gesamtgröße macht die Arbeit natürlich noch aufwendiger und komplexer“, sagt Bach.

Mira soll nach erfolgreichem Start mit einer Antriebskraft von 50 Newton vorerst einmal fünf Kilometer hoch fliegen und anschließend durch einen Fallschirm sicher zur Erde zurückgebracht werden. Ob die kleine Dresdner Rakete dann bereits einen echten Beitrag zur Wissenschaft geleistet hat, spielt für die Verantwortlichen keine Rolle. „Natürlich werden hier in kleinem Maßstab auch völlig neue Dinge ausprobiert, etwa neue Baugruppen oder Materialien. Doch entscheidend ist die praxisnahe Ausbildung unserer Studenten“, sagt Projektleiter Tajmar.

Der Raumfahrtprofessor wünscht sich deshalb auch eine Weiterführung des Projektes über einen möglichen Start hinaus, um den Nachwuchs in der Raketentechnik weiter zu fördern. Immerhin bildet die TU Dresden im Institut für Luft- und Raumfahrttechnik mit etwa 130 Studenten jährlich ein Viertel des gesamten bundesdeutschen Nachwuchses in diesem Bereich aus.

Von Sebastian Burkhardt

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