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Streit um Dimensionen auf der Frühjahrstagung der Landessynode in Dresden

Protest angekündigt Streit um Dimensionen auf der Frühjahrstagung der Landessynode in Dresden

Wie groß können evangelische Kirchgemeinden werden und noch funktionieren? Auf der Frühjahrstagung der Landessynode in Dresden sind dazu zwar keine Grundsatzbeschlüsse zu erwarten, dennoch haben Gemeindemitglieder für Sonntag eine Protestaktionen vor der Dreikönigskirche angekündigt.

Hosterwitzer Kirchvorsteher mit dem Loschwitzer Pfarrer Markus Deckert (2. v. l.) und dessen Vorgänger Dietmar Selunka (2. v. r.) vor ihrer Kirche Maria am Wasser. Sie führen am Sonntag die Proteste gegen die Strukturreform der evangelisch-lutherischen Landeskirche vor der Dresdner Dreikönigskirche an.

Quelle: Steffen Giersch

Dresden. Nach Jahren der Ruhe sorgt die Zukunft der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden in Sachsen erneut für heftige Debatten. Auf der Frühjahrstagung der Landessynode an diesem Wochenende in Dresden sind dazu bis auf ein einzelnes Gesetz zur künftigen Größe von Kirchenvorständen zwar keine Grundsatzbeschlüsse zu erwarten, dennoch haben Gemeindemitglieder für Sonntag, 14.30 Uhr, Protestaktionen vor der Dreikönigskirche in der Dresdner Neustadt angekündigt, dem Tagungsort der Synode. Eine Internet-Petition gegen die Pläne der Landeskirche verzeichnete zuletzt über 4400 Unterschriften. Tag für Tag wächst deren Zahl um Hunderte.

Der Unmut entzündet sich an einem Grundsatzpapier der Kirchenleitung. Unter dem Titel „Kirche mit Hoffnung in Sachsen“ beschreibt es, wie angesichts sinkender Mitgliederzahlen und damit rückläufiger Einnahmen Gemeinden neu strukturiert werden sollten. Erstmals blickt es weiter in die Zukunft als alle Planungen zuvor: bis 2040. Eine Umgestaltung nach der anderen in Abständen von wenigen Jahren binde Kräfte, behindere Entwicklung und erschwere Identifikation, so die Begründung. Die neue Strategie deshalb: Eine umfassende Veränderung, die über zwei Jahrzehnte hält.

Das Papier empfiehlt bis 2025 die Fusion zu größeren Einheiten: mit mehr als 4000 Mitgliedern auf dem Land, wo Gemeinden stärker schrumpfen, mit mehr als 6000 in größeren Städten, wo sie konstant bleiben oder wachsen.

Die Stärke der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden liegt im regionalen Bezug

Arbeiten Pfarrer und Mitarbeiter weiter wie bisher als Einzelkämpfer, schaffen sie das nicht. Nötig werde eine „neue Kultur der gemeinsamen Arbeit“ im Team. „Steuerungsfähigkeit“ ist gefragt; also Anleiten statt Selbermachen.

„Ausrichtung auf Kernaufgaben und Abschiede von bisher Gewohntem“ lautet die Devise. Anders gesagt: Nicht an jedem Ort kann künftig noch alles angeboten werden, was eine Gemeinde ausmacht. Statt dessen müssen sie mit Nachbargemeinden teilen und Aufgaben bündeln. Ehrenamtliche werden stärker gefragt sein. Kirchgemeinden sollen sich von ihren traditionelle Grenzen verabschieden, sich nun an Sozialräumen der Gegenwart orientieren. Kirchenvorstände sind aufgefordert, mehr als die eigene Gemeinde zu sehen: „das Ganze der Landeskirche“. Das ist vielen immer schon am schwersten gefallen.

Am Sonntag tritt der Widerstand erstmals öffentlich zu Tage. Angeführt wird der Protestzug von den beiden Dresdner Elbhang-Kirchgemeinden in Loschwitz (rund 1700 Mitglieder) und Hosterwitz (970). Andere Gemeinden dieser geringen Größe haben sich längst zusammenschließen müssen. Jene beiden haben sich dem bislang erfolgreich widersetzt. Seit 2006 durch die Gründung von Stiftungen. Aus deren Erträgen finanzieren sie Gemeindepädagogen und Kirchenmusiker. Die bezahlt die Landeskirche nicht mehr, da ihnen keine Vollzeit-Pfarrstelle zusteht. In Hosterwitz ist Pfarrerin Ulrike Birkner-Kettenacker im September 2016 in den Ruhestand gegangen. Das Landeskirchenamt sagt nun: Ohne Zusammenschluss wie überall üblich keine Neubesetzung der Pfarrstelle. Dies erzeuge „das Gefühl, erpresst zu werden“, schreibt der Loschwitzer Kirchenvorstand an die Synode und wirft der Kirchenleitung „autoritäres Vorgehen“ vor.

Auch andere Gemeinden sehen ihr Recht auf Mitsprache bei der sie betreffenden Strukturreform verletzt. Das kritisierte Grundlagenpapier dafür hatte eine elfköpfige Arbeitsgruppe verfasst. Zugestimmt hat ihm die Kirchenleitung. Der Synode wurde im Herbst 2016 darüber berichtet. Eine Abstimmung der Synodalen war nicht vorgesehen. Doch das Landeskirchenamt, sagen einige, handle bereits. Nicht nur an diesem Prozedere gibt es Kritik, auch an den Inhalten des Papiers. Einige Gemeinden stellen dessen statistische Prognose in Frage.

Hauptkritikpunkt jedoch sind die großen Einheiten. „Unbiblischer Irrglaube“, sagt der Kirchenvorstand von Dresden-Wilschdorf-Rähnitz dazu. „Die Stärke der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden liegt im regionalen Bezug, lokalen Netzwerken und Beziehungsarbeit.“

Charakteristisch für die sächsische Landeskirche ist eine große Palette ganz unterschiedlich geistlich geprägter Profilgemeinden und Gruppen. Als Alternative fordern Kirchenvorstände eine Vielfalt an selbstständigen, überschaubaren Gemeinden, die mit den Nachbarn punktuell kooperieren, nach eigenen Vorstellungen. Klares Profil mache Gemeinden attraktiv für Ehrenamtliche – und für neue Mitglieder. Andernfalls, fürchten Kirchenvorstände wie der in Hosterwitz, geht es erst recht abwärts: „Die angestrebte Zentralisierung wird die Distanz zur Basis fördern und die Zahl der Kirchenaustritte dann tatsächlich, wie im Papier prognostiziert, erhöhen.“

Von Tomas Gärtner

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