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Streit an der Dresdner Waldschlößchenbrücke: Eine kleine Fledermaus kommt ganz groß raus

Streit an der Dresdner Waldschlößchenbrücke: Eine kleine Fledermaus kommt ganz groß raus

Gesehen wurde sie an der Waldschlößchenbrücke noch nicht. Aber sie könnte dort sein. Deshalb stehen jetzt mannsgroße Stelen an der Fahrbahn der Brücke und blitzen jeden, der schneller als Tempo 30 fährt.

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Undatiertes Foto einer Kleinen Hufeisennase.

Quelle: Klaus Bogon

Nein, verhindern konnte die geschützte Fledermausart Kleine Hufeisennase die Waldschlößchenbrücke nicht. Aber die Autofahrer ein bisschen ärgern kann das Tierchen schon - die müssen auf bester vierspuriger Strecke den Fuß vom Gas nehmen.

Kleine Hufeisennasen gibt es in Meißen, in Pillnitz, in der Sächsischen Schweiz. Falls es einzelnen Mitgliedern der Populationen zu langweilig wird und sie den Austausch suchen, müssten sie über die Waldschlößchenbrücke fliegen. Transferroute nennt der Fachmann das. Und da die Insekten auf der Brücke besonders tief fliegen, achten die Fledermäuschen nur noch aufs Futter und nicht mehr auf den Verkehr. Was tödliche Folgen haben kann, wenn die Autos Tempo 50 fahren. Während die Überlebensquote bei Tempo 30 rapide steigt. So zumindest hat es das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen 2007 entschieden, als es den vom Verwaltungsgericht Dresden verhängten Baustopp wegen der Hufeisennase aufhob.

So richtig logisch ist der Beschluss nicht, aber wer erwartet von Juristen Logik? Eine Meißner Kleine Hufeisennase hat auf ihrem Weg nach Pillnitz unter anderem die Autobahnbrücke zu überfliegen, über die die Autos mit 130 Sachen und mehr donnern. Oder die Flügelwegbrücke, die Marienbrücke, die Augustusbrücke und die Albertbrücke - und wenn die Fledermaus all diese Todesfallen überlebt hat, dann soll ihr letztes Stündlein schlagen, weil auf der Waldschlößchenbrücke Tempo 50 gilt? Nun ja.

Die teuerste Tempo-30-Zone Deutschlands, witzelten Brückengegner, als der OVG-Beschluss in der Welt war. Es war nicht das erste Mal, dass die Oberrichter in Bautzen die Verwaltungsrichter in Dresden aushebelten. Am 30. August 2006 ordnete das Verwaltungsgericht einen Stopp der Vergabe für die Bauleistungen der Brücke an. Dresden verhalte sich völkerrechtswidrig, wenn die Brücke gebaut werde, denn die Unesco hatte unzweideutig den Verlust des Welterbetitels für das Elbtal angekündigt. Doch in Bautzen sahen das die Juristen anders und machten im März 2007 den Weg für den Baustart frei: Die Regularien der Unesco seien nicht in deutsches Recht umgesetzt, hieß es im OVG-Beschluss, anders gesagt: Ärger mit der Weltorganisation verstößt nicht gegen deutsche

Gesetze.

Die Klage der Naturschutzverbände gegen den Planfeststellungsbeschluss für die Brücke scheiterte schon vor dem Verwaltungsgericht. Dieses Urteil bestätigte das OVG, nun liegt das Verfahren beim Bundesverwaltungsgericht, das wohl erst im nächsten Jahr verhandeln wird. Im schlimmsten Fall droht der Abriss der Brücke, aber dass das eintritt, glauben selbst eingefleischte Brückengegner nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2013

Thomas Baumann-Hartwig

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