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Lokales Streichelzoo der etwas anderen Art
Dresden Lokales Streichelzoo der etwas anderen Art
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19:07 28.09.2018
Für eine Echse wie diese wäre ein homo sapiens nicht mehr als ein Snack – zum Glück für Marie-Luise Reber ist dieses Exemplar nicht real. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Irgendwie ist es merkwürdig. Erst haben kleine Jungs Angst vor Monstern, die unter ihrem Bett lauern, dann aber kommt nahtlos die Phase, in der sie sich brennend für Saurier interessieren. Mal ist dafür Steven Spielbergs Film „Jurassic Park“ verantwortlich, mal ein Besuch im Saurierpark Kleinwelka und nun könnte dies auch der Ausstellung „Dino World“ geschuldet sein, die ab Sonnabend bis 2. Februar kommenden Jahres im Kulturquartier Zeitenströmung in der Königsbrücker Straße 96 bemerkenswerte Maßstäbe setzt, was eine „Reise in die Welt der Giganten“ angeht.

Rund 60 lebensgroße Dinosaurier, wie Gott sie schuf bzw. die Evolution kreierte, sind zu sehen. Mal ist man auf Augenhöhe mit Triceratops und anderen „possierlichen“ Tierchen da, die sich dank aufwendiger Animatronik, reichlich Kabeln und viel Mikroprozessoren täuschend echt bewegen, mal kann man nur ehrfürchtig nach oben gucken, sind doch selbst lange Lulatsche Winzlinge im Vergleich zu einem Spinosaurus oder einem T-Rex. Aber es tummeln sich hier auch kleine Wesen, denn mitnichten „alle Saurier waren groß und 80 Tonnen schwer“, wie Peter Kapustin, Gründer eines Urzeitmuseums in Taufkirchen vor den Toren Münchens, am Freitag erklärte. Stattlich von der Statur her, nämlich mehrere Meter hoch, ist wiederum der Therizinosaurus („Sensenechse“). Von dieser Art sind nur wenige fossile Knochen bekannt, die Hände sind riesige Klauen, weshalb Kapustin bei dessen Anblick immer der Film „Edward mit den Scherenhänden“ in den Sinn kommt.

Die von dem Paläontologen Gregory M. Erickson wissenschaftlich betreute Ausstellung über Kult-Monster, Sexy Echsy & Co. erklärt auch, wie es kam, dass jeder der (damals sieben) Erdteile seine spezifischen Dinosaurier-Arten ausprägen konnte – bis der Einschlag eines Meteoriten diese Spezies für immer auslöschte. Mochten sie sich auch immer gut bewegt haben, sogar an der frischen Luft, nicht geraucht und getrunken, sogar ausgesprochen gesund ernährt haben, sie starben trotzdem aus. Man kann gesattelte Dinos reiten, durch große Rohre kriechen und die Hände in Fühlboxen stecken, um zu ertasten, was sich darin befindet. Es gibt ein echtes Dinosaurier-Ei, ein anderes (künstliches) Ei ist zerbrochen, macht aber deutlich, dass „selbst die größten Pflanzenfresser damals aus einem Ei schlüpften, das nicht größer als ein Fußball war“, wie Kapustin vermittelte. „Streicheln“ der Saurier wird auf Schildern ausdrücklich gestattet, aber es soll vorsichtig erfolgen, sonst müssen sie repariert werden. Viele Dinos in diesem Streichelzoo der etwas anderen Art brüllen, verbürgt ist nicht, nur von einem Saurier kann man nach entsprechenden Forschungen davon ausgehen, dass er solche Laute ausstieß, räumt Kapustin ein.

Für Dino-Fans, Neugierige und auch für Angsthasen gibt’s hier einen Einblick in die „Dino World“-Ausstellung.

Neben fest installierten Spielstationen, gibt es auch viele interaktive Neuheiten, die spielerisch durch zwei Ur-Kontinente führen: Von Pangea aus geht es direkt nach Gondwana. An einem Sandkasten, der als Grabungsstelle durchgeht, dürfen kleine Besucher sich in Fossilienjäger verwandeln. Wer fleißig buddelt, fördert die (Guss-)Knochen eines T-Rex zu Tage. Auf dem weitläufigen Forschungsgelände können die kleinen Besucher als Nachwuchs-Paläontologen mit Mikroskopen die Kolosse en detail erforschen.

Die Exponate aus Stahlrohren, Schaumstoff und Silikon kamen mit zehn Sattelschleppern direkt aus München, wo die prähistorische Großtierschau 180 000 Besucher anlockte. Allein der 13 Meter lange und zwei Tonnen schwere Spinosaurus (neben T-Rex und Stegosaurus der Popstar des Oberjura) brauchte einen Laster für sich – dabei wurde auch er in Einzelteile zerlegt, bevor er in Dresden wieder in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit zusammengefügt wurde. Nur wenig kleiner und noch einmal furchteinflößender ist der T-Rex, der eben nicht der größte Frischfleisch-Jäger seiner Zeit zu Lande war, sondern allenfalls auf Platz vier oder fünf stand, was das Verbreiten von Angst und Schrecken unter den Herbivoren (=Pflanzenfressern) angeht. Die Forschung hat so einiges revidiert, was das Bild angeht, das Steven Spielberg vom T-Rex als haushoher Horrorechse zeichnete, die als Fressmaschine alles zermalmt, was ihr vor den Kiefer kommt. Kapustin stellt klar, dass der T-Rex wohl nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde laufen konnte, sonst wären bei seinem Gewicht sämtliche Knochen zerbrochen. Tja, nix da von Schrecken des Mesozoikums – so ein Geschöpf, das eher behäbig durch die Kreidezeit trottete, inständig hoffend, dass sich irgendwo ein Stück Aas findet, war zum Aussterben verurteilt. Da brauchte es keinen Meteoriteneinschlag.

Von Christian Ruf

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